Schlammschlacht droht

WALSDORF. Morgen (ab 12.30 Uhr) soll vor dem Amtsgericht (AG) Wittlich das neue Strafmaß für den seit August 2003 in Haft sitzenden Heizungsmonteur aus Walsdorf verkündet werden, der wegen Brandstiftung verurteilt worden ist. Nach Revision vor dem Oberlandesgericht (OLG) musste der Prozess neu aufgerollt werden. Es kündigt sich eine Schlammschlacht an.

"Wenn kübelweise Unrat über meinem Mandanten ausgeschüttet wird, waschen auch wir Schmutzwäsche. Die Ehefrau lügt", sagt Verteidiger Christoph Rühlmann. Einem Zeugen, den er für morgen vorladen will, soll sie während der Ehe mit schriftlichen Annäherungsversuchen zu Leibe gerückt sein. "Beim neu aufgerollten Prozess geht es nur ums Strafmaß. Die Taten hat das OLG bestätigt", erklärt Staatsanwalt Sebastian Jakobs. Der 45-jährige Alfred S. wurde Ende März zu zweieinhalb Jahren Haft mit Zwangseinweisung in eine geschlossene Entzugsanstalt verurteilt. Grund: vorsätzliche Brandstiftung, Trunkenheitsfahrt mit Gefährdung des Straßenverkehrs und einem Verletzten (der TV berichtete mehrmals). Richter Josef Thull hatte beim ersten Prozess ins Urteil miteinfließen lassen, dass der Angeklagte Psychoterror auf die Familie ausgeübt habe. Damit hatte er eine im Gesetz vorgesehene Kann-Regelung nicht angewendet, die Strafmilderung bei besonderen familiären Situationen ermöglicht. Richter Thull wertete die Einweisung in eine geschlossene Therapieanstalt "als Chance für den Angeklagten". Bei der Urteilsverkündung bezeichnete er dessen Verhalten gegenüber der Ehefrau "als menschenverachtend und zynisch". Die Taten habe er begangen, weil die Familie, die ihn zuvor verlassen hat, trotz Einsatz "unerträglicher Drohmittel" nicht zurückgekommen war.Alkoholprobleme sind Kernthema

Tanja Parent, vorsitzende Richterin des neuen Prozesses, gibt sich ruhig und zurückhaltend. Für Staatsanwalt Jakobs ist "die langjährige Bedrohung der Familie klar". Verteidiger Rühlmann kontert: "Ich werde ein günstigeres Licht auf meinen Mandanten fallen lassen. Die Reservistenkameradschaft Walsdorf ist kein trinkfreudiges Umfeld, sondern bietet einen sozialen Auffangrahmen." Für morgen sind drei ehemalige Kameraden als Zeugen vorgeladen. Die Ehefrau hatte schon im ersten Prozess behauptet, dass ihr Ehemann "nach dem Beitritt in die Kameradschaft deutlich mehr getrunken" habe. Nach ihrer erneuten Zeugenaussage schimpft sie: "Jetzt wollen die den Spieß umdrehen und mich fertig machen, als wenn ich ihm das Recht gegeben hätte, sich so zu verhalten. Und dass er immer Waffen und Munition mit nach Hause brachte, ist völlig übergangen worden." Zur Erinnerung: Der Angeklagte hatte bei der Festnahme mehr als drei Promille Alkohol im Blut. Trotzdem zeigte er keine Ausfallerscheinungen. Polizist Johann Strunk: "So etwas hab ich in mehr als 30 Berufsjahren nicht erlebt. Er hat weder geschwankt noch gelallt." Philipp Massing, der psychologische Gutachter, hinterfragt bei jedem Zeugen den emotionalen Zustand des Angeklagten. Wie reagierte er unter Stress? In Kombination mit Alkohol? Oder bei Familienstreit? Seine Fragen zielen auf eine mögliche Persönlichkeitsveränderung ab. Der Angeklagte räumt ein, dass er "sich hilflos gefühlt und völlig resigniert habe". Das Verlassenwerden von der Familie sei für ihn "mehr als eine Kränkung - ein Vertrauensbruch". Massing lässt nicht locker: "Es gibt doch schlimmeres im Leben als von der Ehefrau, die einen nicht mehr liebt, verlassen zu werden. Beispielsweise ein schwerer Unfall oder gar eine Krebserkrankung der Tochter." "Nein, das alles ist für mich nicht schlimmer", antwortet Alfred S. Als die Trauzeugin des Angeklagten ihre Aussage macht, ändert sich die Atmosphäre. Die 42-jährige Verkäuferin lässt kein gutes Haar an der Ehefrau des Angeklagten, ihrer ehemaligen Freundin. Derweil erklärt der Angeklagte wie er sich die Zukunft vorstellt: "Zuerst freiwillig in stationäre Behandlung, dann zur Schuldnerberatung und ein neuer Job."