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Wirtschaft: Schnelle Hilfen für die regionale Wirtschaft

Wirtschaft : Schnelle Hilfen für die regionale Wirtschaft

Sogenannte Solo-Selbstständigen und Kleinunternehmen fürchten sich vor den Auswirkungen der Corona-Pandemie – die Kreditinstitute in der Vulkaneifel versprechen nun schnelle Hilfe.

Stefanie Mayer-Augarde ist Vorsitzende des Gewerbe- und Verkehrsvereins (GVV) Daun und zugleich selbst von den Einschränkungen, die zur Abwehr der Corona-Pandemie nötiog sind, betroffen: Ihr Uhren- und Schmuckgeschäft muss wegen des Virus bis auf Weiteres geschlossen bleiben.

„Das heißt für alle, die nicht Dinge des täglichen Bedarfs verkaufen: null Umsatz, während alle Kosten weiterlaufen“, sagt sie. Bei vielen reichetn sicher die Ersparnisse nicht aus, um das wochenlang zu überstehen, fürchtet Mayer-Augarde. Für viele Geschäftsleute dringend nötig, sei jetzt zum Beispiel die Kulanz von Lieferanten, die berücksichtigen, dass bestellte Ware nicht verkauft und somit nicht sofort bezahlt werden könne. „Aber viele mittelständische Hersteller sind ja selbst am Limit“, sagt sie.

Im Internet kursieren etliche Appelle aus allen Regionen. Sie rufen dazu auf, nicht bei großen Online-Händlern zu bestellen, sondern mit dem heimischen Handel solidarisch zu sein und mit dem Shoppen zu warten, bis ein Neustart vor Ort möglich ist.

Manche regionalen Händler, die einen eigenen Webshop betreiben, nehmen Bestellungen an und liefern nach Hause, doch selbst wenn es bei ihnen noch ein bißchen weiter geht: Alles in allem droht jedoch, wenn nicht schnelle und effektive Hilfe wie vom Staat zugesichert kommt, ein Horrorszenario für das Land, das schlimmer sein dürfte als die Finanzkrise von 2008, weil es besonders die Realwirtschaft trifft und somit jeden unmittelbar.

Hierin sieht auch Dietmar Pitzen, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse (KSK) Vulkaneifel den wesentlichen Unterschied zur vergangenen Großkrise. „Niemand geht derzeit von einer Kurzfristigkeit der Maßnahmen aus, der Zeitfaktor wird entscheidend sein“, sagt er. „Wir werden das vernünftig über die Bühne bringen und stehen ‚Gewehr bei Fuß‘, kein an sich gesundes und vom Geschäftsmodell her tragfähiges Unternehmen wird in unlösbare Probleme laufen“, versichert Pitzen.

Allerdings werde auch kein eh schlecht aufgestelltes Geschäft auf Grund von Coronahilfen überleben können, fügt Pitzen hinzu. Im Moment sei noch nicht klar, welche Rahmenbedingungen die Regierung für die notwendigen Förderprogramme setzt und welche Details zu beachten sind. Zudem sei der Bedarf der Hilfen sehr unterschiedlich: „Das hängt von den in der jeweiligen Branche üblichen Zahlungsströme und Konditionen ab, bei größeren Betrieben dürften auch Bürgschaften notwendig werden.“

Auf jeden Fall gelte es, in der Krise als heimische Kreditwirtschaft zusammenzustehen. Eine Konkurrenz zum genossenschaftlichen Sektor sieht Pitzen nicht. Ebenso wie Thomas Klassmann, Leiter des Regionalmarktes Eifel der Volksbank RheinAhrEifel, verweist er auf die detaillierten Weichenstellungen der Bundes- und Landespolitik.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW hat bestehende Programme für Liquiditätshilfen stark ausgeweitet, insbesondere in Form von Krediten für Unternehmen, Einzelunternehmer und Freiberufler, die schon mehr als fünf Jahre bestehen. Auch gibt es den ERP-Gründerkredit Universell für jüngere Unternehmen, Freiberufler und Start-ups. Die Hausbanken sind bis zu neunzig Prozent von der Haftung freigestellt, was den Zugang erleichtert.

Für Selbständige und Freiberufler hat die Bundesregierung ein weiteres Hilfsprogramm zugesagt. „Hier geht es um Kundengruppen, die von den bestehenden Programmen nicht ausreichend erfasst werden und bei denen vor allem Zuschüsse wirksam sind“, so KSK-Vorstandschef Dietmar Pitzen.

Firmenkunden empfiehlt Klassmann zudem, mit Finanzämtern und Steuerberatern Kontakt aufzunehmen, um die zugesicherten Steuerstundungen zu bekommen. Hotels und Gastronomie könnten etwas Erleichterung finden, indem sie mit ihrem Energieversorger etwa über die Reduzierung von Stromabschlägen verhandeln. „Es ist für alle herausfordernd, auch für die Kreditwirtschaft. Für manche Geschäftsleute wird es schwierig, eine zwangsweise Schließung zu verkraften, wenn die länger dauert als zwei bis drei Wochen.“

Einig sind sich die heimischen Banker, dass es auf informellem Wege schnelle Liquiditätshilfen etwa in Form von Aufstockung des Dispokredits gibt oder bankeigene Darlehen vorübergehend tilgungsfrei gestellt werden können. „Da reicht es, mit dem persönlichen Bankberater telefonisch oder per Mail Kontakt aufzunehmen“, sagt Klassmann.

Bei der KSK ist dasselbe möglich. Die persönlichen Bankkontakte in den Filialen sind bereits deutlich heruntergefahren worden, auch von den Kunden selbst. Und beide mit der Region und ihrer kleinteiligen Wirtschaftsstruktur vertrauten Banker wissen: Es kommt jetzt darauf an, die Coronakrise gemeinsam zu meistern. Ein regionales Kreditinstitut – ob genossenschaftlich oder nicht – ist selbst auf eine funktionierende wirtschaftliche Basis im eigenen Umfeld angewiesen.

Auch der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) Trier-Eifel-Mosel übt den Schulterschluss mit den Unternehmen. Hans-Peter Pick, Leiter der Sektion, betont: „Die Stimmung ist ernst, aber nicht depressiv. Der Mittelstand zeigt Solidarität und hilft sich gegenseitig… das ist unser Leitspruch für die aktuelle Situation. Es mag Firmen geben, die jetzt in allen möglichen Bereichen – Personal, Material, Räume, Transporte – Über- oder Unterkapazitäten haben. Im Netzwerk können wir da effektiv unterstützen und auch Ideen austauschen.“

Die Lehre aus Corona sei laut Pick jetzt bereits: „Gerade in der Beschaffung müssen wir die Lieferketten diversifizieren, also uns unabhängiger von einzelnen Ländern machen. Es ist absehbar, dass die eigentlichen Engpässe aus China erst noch kommen.“