Vereine: Schützen bangen um ihre Existenz

Vereine : Schützen bangen um ihre Existenz

Die Stadt Gerolstein hat dem von einem privaten Investor geplanten Baugebiet „Am Sandborn“ zugestimmt. Ein Lärmgutachten soll aber vorab klären, ob der Betrieb auf der benachbarten Schießsportanlage dafür zu laut ist.

Seit 1965, also mehr als einem halben Jahrhundert, gibt es den Schießsportverein (SSV) Gerolstein. Er hat die – nach Amokläufen – berechtigten öffentlichen Diskussionen um Schießsport und Sicherheit allesamt überstanden. „Und wir haben stets darauf geachtet, mit allen parat zu kommen, und etwa bei Gräbersegnungen stets den Stand geschlossen und sonntags, wenn die Leute auf ihren Terrassen sitzen, aufs Großkaliber-Schießen verzichtet“, sagt Geschäftsführer Bernhard Michels.

Doch aktuell droht dem Verein seine größte Herausforderung, denn „diese Frage ist für uns existenziell“, betont Vorsitzender Stefan Ewertz. Worauf er anspielt, ist der von der Stadt auf den Weg gebrachte Bebauungsplan für ein Neubaugebiet eines privaten Investors mit elf Grundstücken „Am Sandborn“ – auf dem Areal direkt hinter der Dekra-Akademie. Denn gerade einmal rund 300 Meter Luftlinie weiter in Richtung Roth liegt  – eingezäunt im Wald und hinter einer Kuppe versteckt – das Vereinsareal des SSV Gerolstein samt der Schießstände.

Als der private Investor mit der Bitte auf die Stadt zukam, am Stadtrand von Gerolstein ein Baugebiet errichten zu dürfen, wurden viele Fragen diskutiert. Vor allem die nach der Zufahrt (die nicht über die K 33 zwischen Gerolstein und Roth genehmigt wird, sondern ausschließlich über das bestehende Baugebiet Gerolstein-Nord). Und auch die Frage, ob die Stadt den privaten Investor dazu verpflichten sollte, die dann erschlossenen Grundstücke auch zeitnah zum Verkauf anzubieten, um Spekulationsgeschäfte zu verhindern, wurde heftig diskutiert. Besonders Tim Steen (Grüne) hatte sich dafür starkgemacht, letztlich stimmte der Bauausschuss aber mit knapper Mehrheit dagegen und verzichtete demnach auf eine solche Vorgabe.

„Worüber aber überhaupt nicht diskutiert wurde, selbst nach einem Hinweis von Ausschussmitglied Volker Simon und einer Eingabe unsererseits, war die Frage, ob unsere Belange und das Baugebiet zusammenpassen“, sagt Ewertz und fügt hinzu: „Erst nachdem wir nicht locker gelassen, uns Gehör verschafft und massiv Druck ausgeübt haben, wird ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben. Zuvor hat die Stadt nicht einmal das Gespräch mit uns gesucht und dann zunächst einmal stets abgewiegelt.“

Dass nun ein Gutachten in Auftrag gegeben wird, finden die Verantwortlichen des SSV Gerolstein gut und richtig. Stichwort: Gewissheit. Denn: „Man stelle sich einmal vor, es würde keine Untersuchung geben, die ersten Häsuer werden gebaut, und dann klagt einer wegen der Emissionen. Dann hätten wir alle ein richtiges Problem“, sagt Ewertz.

So weit, dass der Stand dauerhaft gesperrt wird, soll es nach Hoffnung der Verantwortlichen des SSV Gerolstein nicht kommen. Der Verein besteht seit 1965. Foto: TV/Mario Hübner
Der Schießsportverein Gerolstein bangt um seine Existenz. Grund ist das geplante Baugebiet Am Sandborn. Foto: TV/Mario Hübner

Doch auch so kann es Folgen für den Verein haben: Falls ihm auferlegt wird, Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen. Die Verantwortlichen haben sich aber schon mal informiert, was infrage käme und was dies kosten würde. Eine Komplettüberdachung der Schießstände wäre am teuersten und hätte laut Geschäftsführer Michels den Nachteil, dass dann nicht mehr mit Schwarzpulver (wie beim Vorderlader) geschossen werden dürfe – laut Michels eine Sportart, die sich immer größerer Beliebtheit erfreue. Möglich wäre auch eine Teilüberdachung samt Anbringung seitlicher Schallschutzwände, doch auch diese Variante würde nach Vereinsangaben bereits 100 000 Euro kosten. Ewertz sagt: „Das wäre das finanzielle Aus für den Verein, das können wir uns aus eigenen Stücken bei Weitem nicht leisten – zumal wir seit 2000 bereits 100 000 Euro komplett aus eigenen Mitteln in das Areal investiert haben, zuletzt die gesamte Umzäunung im vergangenen Jahr.“ Nun hofft der Verein auf einen regen und fairen Austausch mit der Stadt – und gegebenenfalls auf Unterstützung.