Schuften für die eigene Show

Schuften für die eigene Show

HILLESHEIM. Im Bolsdorfer Tälchen hat ein Zirkus seine Wohnwagen und Zelte aufgeschlagen. Im Scheinwerferlicht der Manege stehen in den nächsten Tagen Kindergarten- und Schulkinder aus der Umgebung.

Die Sonne brennt auf die Wiese und kündigt Ferien an. Zwischen zwei Zirkuszelten und Wohnwagen tummeln sich etwa 200 Kinder. In der Manege ist es schwül; der Duft von Ponys und Ziegen liegt in der Luft. Im Bolsdorfer Tälchen gastiert für drei Wochen der Zirkus Sperlich. Zehn Profis üben pro Woche eine zweistündige Vorstellung mit Kindern zwischen vier und elf Jahren ein. "Das ist was ganz Besonderes, dass man hier im Zirkus mitmachen darf!" freut sich Laura Groß aus der dritten Klasse der Grundschule Hillesheim. Sie findet "cool", dass sie hier nicht schreiben muss, wie in der Schule, sondern Radschlag und Jonglieren lernt. Lauras Freundin Elena Jardin erzählt begeistert, was sie eben im großen Zelt beobachtet hat: "Die Gruppe, die mit den Haustieren arbeitet, hat eine Ziege auf ein Pony drauf gestellt! Die gehen ganz vorsichtig mit den Tieren um." Der Trainer der Akrobatik-Gruppe möchte noch einmal die Omega-Pyramide üben, aber er kann nicht alle menschlichen Bauteile finden. "Wo ist denn Willi?" fragt er. Von den 30 Nachwuchs-Künstlern im kleinen Zelt springen sofort ein paar auf, und suchen Willi. Jedes der Kinder hat seinen Platz im Programm für die Aufführungen am Ende der Woche, jedes übernimmt Verantwortung. Auf einer Bierzelt-Garnitur unterm Sonnenschirm bieten die Zirkusleute den Erzieherinnen und Lehrerinnen in den Pausen Kaffee und kalte Getränke an. Gute-Laune-Musik tönt aus einem der Wohnwagen. Doris Landin von der Hauptschule Hillesheim war zunächst etwas skeptisch, weil auf dem Zirkusplatz ein anderer Rhythmus von Arbeits- und Ruhephasen herrscht als im Unterricht. Jetzt staunt sie, wie reibungslos in der Zirkusschule alles funktioniert: "Es ist ein gutes Miteinander der verschiedenen Altersgruppen. Ganz ruhig geht es hier zu und ohne Stress." Alfred Sperlich und seine Crew sehen jede Woche in einer neuen Schulklasse wieder eine Herausforderung: "Die Kiddies sind so engagiert, und es ist unglaublich, was die jedes mal auf die Beine stellen." Montags gibt die Zirkusfamilie immer eine Vorstellung nur für die Kinder. Das und die klaren Regeln, die die Trainer vorgeben, verschafft ihnen den nötigen Respekt bei den Kindern. Jedes Detail korrigieren die Zirkusleute, teilen aber auch viel Lob aus. Die Jongleurgruppe hat sich an einen schattigen Platz hinter den Wohnwagen zurückgezogen und probt dort immer wieder ihre Nummer mit bunten Bändern, Ringen, Lassos und Hula-Hoop-Reifen. Was noch nicht hundertprozentig klappt, wird wiederholt. "In einer geraden Reihe müsst ihr stehen, hab ich gesagt, und immer mit freundlichem Gesicht nach vorne gucken, denn da ist nachher das Publikum!" weist die Trainerin die Jongleur-Gruppe zurecht. Schließlich soll bis zur Premiere jedes Kunststück gelingen. Die Kinder applaudieren sich gegenseitig. Wer Pause hat, probiert etwas anderes aus oder schaut den andern fasziniert zu. Sie sind eingetaucht in die Zirkus-Welt. Das Leben der Hillesheimer Kinder steuert auf den Moment zu, in dem sich der glitzernde rote Vorhang öffnet, wenn es heißt: Manege frei! Ticketservice: Die Vorstellungen der Kinder im Zirkus Sperlich sind am Donnerstag, 13. Juli, 18 Uhr, sowie Freitag, 14. Juli, 14 und 17 Uhr. Der Eintritt für Erwachsene: 8 Euro, für Kinder 3 Euro.