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Schwarzkittel unter Beschuss

Schwarzkittel unter Beschuss

Wildschweine verursachen momentan eklatante Wildschäden auf Feldern und Wiesen. Die Landwirte machen den Jägern große Vorwürfe. Die Jäger "schießen" verbal zurück: Bauern würden Abschüsse behindern und sich nicht an Vereinbarungen halten.

Daun. "Die Landwirte sind maßgeblich an dem Problem beteiligt. Sie wollen nicht wahrhaben, dass sie durch ihre Produktionsverfahren ein Teil davon sind", wehrt sich Roland Thelen, Vorsitzender des Kreisgruppe Vulkaneifel des Landesjagdverbands, gegen die aktuellen Vorwürfe, die Jäger würden nicht genug Schwarzwild schießen. Thelen sagt: "Die Bauern propagieren gesellschaftliche Verantwortung, die aber anscheinend für sie nicht gilt." Die Jäger würden so viele Wildschweine wie möglich schießen. Stand Oktober: 1466 gegenüber 978 im Vorjahr.

Thelen fordert die strikte Einhaltung des sogenannten Zwölf-Punkte-Papiers, das für die Jagdjahre 2007 bis 2009 gemeinsam vom Land, Gemeinde- und Städtebund, des Bauern- sowie Jagdverbandes ausgehandelt wurde. Danach verpflichten sich die Bauern in Punkt elf, kein Mais unmittelbar am Wald anzubauen und ausreichend Jagdschneisen zu lassen. Thelen: "Davon wird nichts umgesetzt. Es sind keine Wünsche unsererseits, sondern fixierte Forderungen."

Bernd Feltges, Geschäftsführer beim Dauner Kreisbauernverband, hält dagegen: "Es sind lediglich Empfehlungen." Schuss-Schneisen bezeichnet Feltges als "Riesenproblem". Laut Agrarförderung entstehe dadurch eine neue Parzelle. Die Abrechnung nach Quadratmetern würde den Bauern sehr kompliziert gemacht.

Maisfelder stoßen im Vulkaneifelkreis an Wälder



Außerdem seien lediglich 2,8 Prozent der 30 000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche Maisanbau. Da ebenfalls 30 000 Hektar Wald den Vulkaneifelkreis ausmachten, stießen eben Maisfelder an Wälder.

Feltges stellt sich vehement vor die Bauern. Er behauptet: "Es ist von einer Überpopulation von 400 Prozent auszugehen. Seit Jahren wird zu wenig Schwarzwild geschossen." Diesen Vorwurf lässt Jägervertreter Thelen nicht gelten. Er sagt: "Erst nach dem Abernten der Felder können wir konzentriert jagen. Die Bauern müssen helfen, die Bedingungen zu schaffen. Schließlich sind sie auch Jagdgenossen." Außerdem sei die Jägerschaft um die Reduzierung des Schwarzwildbestandes "sehr bemüht", da die Pächter für die Wildschäden bezahlen müssen.

An den vergangenen Wochenenden wurden viele revierübergreifende Drückjagden abgehalten, so dass die Abschusszahl in der Novemberbilanz (die am Freitag vorliegt) eklatant steigen wird. Um Konsens zu finden, hat Feltges das Problem zum Hauptthema bei der Delegiertenversammlung gemacht. Die Versammlung des Kreisbauernverbandes beginnt am Mittwoch, 10. Dezember, um 13.30 Uhr im Haus Vulkania in Dreis-Brück. Dozenten referieren über die Jäger-Landwirt-Problematik in puncto Schwarzwild. Alle Jagdvorsteher aus dem Landkreis hat der Bauernverband eingeladen.

Meinung

Neue Runde, alter Streit

Es ist der alte Streit zwischen Jägern und Landwirten. Und die Argumente sind ebenfalls nicht neu. Es gibt zu viele Wildschweine, es gibt zu viel Mais, die Jäger schießen nicht genug, die Landwirte schaffen nicht die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Jagd. Aus dieser Argumentationsmisere heraushelfen sollte ein Zwölf-Punkte-Papier. Darin hatten sich beide Seiten auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Die Umsetzung scheint nicht überall so gut zu funktionieren. Das nutzt niemanden. Deshalb sollten sich Jäger und Landwirte erneut an einen Tisch setzen, um die Aufgaben und Regeln noch einmal festzuzurren. An diese Regeln haben sich dann beide Seiten auch zu halten. h.jansen@volksfreund.de