Schwester Montags Mission in Ghana

Schwester Montags Mission in Ghana

Sonja Liggett-Igelmund ist Hebamme. Sie sammelt momentan alles, was ihre ghanaischen Freundinnen in der Geburtshilfestation von Have (Ghana) brauchen können. Dort hat sie selbst vor einem Jahr für acht Tage Schwangeren geholfen. Im Oktober fährt sie mit ihrer Familie wieder nach Ghana, um die Spenden zu übergeben.

Steffeln-Auel. Sonja Liggett-Igelmund strahlt. Gerade ist ein Freund von ihr mit seinem bepackten Auto und Anhänger nach Köln unterwegs. "Er hat Babykleidung, ein Herztonmessgerät und diverse Sachen für die Hebammen in Have gepackt", erzählt die 37-Jährige. Have liegt etwa 180 Kilometer östlich der ghanaischen Hauptstadt Accra. In den vergangenen Wochen seien viele Sachspenden, etwa Latex-Handschuhe, Lehrmaterial und ein Ultraschallgerät, für ihre afrikanischen Kolleginnen eingegangen, die sie in Köln lagert. Von dort werden sie am 22. August mit dem Container nach Ghana an der westafrikanischen Küste verschifft.
In Have gibt es eine Geburtshilfestation, die von drei Frauen geführt wird. Dort war die Hebamme aus Köln vor gut einem Jahr für die Dokumentation "Job im Gepäck" mit einem Filmteam des WDR, um für acht Tage in ihrem Beruf auszuhelfen.
Liggett-Igelmund arbeitet in Köln als selbstständige Hebamme und im Krankenhaus der Augustinerinnen. Jede freie Minute verbringt sie mit ihren zwei Söhnen und ihrem Mann im Haus in Auel (Steffeln, Verbandsgemeinde Obere Kyll). "Meine Schwiegereltern wohnen quasi nebenan, in Steffeln", sagt die Mitgründerin der Elternschule Storchennest in Gerolstein, in der sie lange Zeit Babymassage-Kurse gegeben hat.
Sofort Feuer und Flamme


"Als mir von dem WDR-Projekt erzählt wurde, war ich sofort Feuer und Flamme", sagt die Wahleifelerin. Hebamme ist ihr Traumberuf, der in Deutschland aber mit vielen Haftungsrisiken verbunden sei. "Du bist Psychologin und gibst den Müttern das Gefühl von Geborgenheit. Außerdem bist du in einem tollen Moment dabei." Als sie sich beworben habe, sei sie neugierig gewesen, wie Hebammen in Ghana arbeiten. Sie wollte wissen, wie die Frauen Schwangere betreuen, sie während und nach der Geburt begleiten. Erstaunt war Liggett-Igelmund, dass afrikanische und deutsche Hebammen vor den gleichen Sachen Angst haben, aber auch über die gleichen Momente lachen. "Von Anfang an habe ich mich sehr gut mit meinen drei Kolleginnen in Have verstanden", sagt Liggett-Igelmund. Sie sei von ihren Kolleginnen "Sister Adjoa" genannt worden; Adjoa heißt im Dialekt des Stammes der Ewe Montag. "Ich habe an einem Montag meine Arbeit angefangen", sagt sie. Es sei in Ghana Tradition, Kinder nach dem Wochentag zu benennen, an dem sie geboren werden.
Höhepunkt für die Hebamme aus Auel war die Geburt von Bismarck Jonas Oku, bei der sie geholfen hat. "Jonas heißt mein zwölfjähriger Sohn, ist aber auch das Anagramm meines Vornamens", strahlt Sister Adjoa.
In den Herbstferien fliegt Ligett-Igelmund wieder nach Ghana. Dies Mal mit einem Container voller Hilfsartikel für die Geburtsstation von Have. Ausgangspunkt für diese Spendenaktion waren ihre Vorträge in den Schulen ihrer beiden Söhne Jonas und Nils. "Daraus hat sich ein Selbstläufer entwickelt. Mit Spenden von Privatleuten, Ärzten, Krankenhäusern und Unternehmern." Über den Wert der Spenden kann Liggett-Igelmund nichts sagen, "aber allein schon der Container und dessen Transport inklusive der Abwicklung der Formalitäten seien viel wert".
Weitere Informationen zu dem Hebammen-Projekt für Have gibt es im Internet unter der Adresse
www.koelner-hebamme.de