1. Region
  2. Vulkaneifel

Sechster Band der Dorfchronik Pelm erscheint

Dorfgeschichte : Von einfacher Kriegskost und gefährlichen Kinderspielen

Anstelle einer üblichen Dorfchronik gibt die Ortsgemeinde Pelm mit einem Autorenteam unter Leitung von Thea Merkelbach seit dem Jahr 2008 in loser Folge die Serie „Pelmer Geschichte(n)“ heraus. Demnächst erscheint der sechste Band, der aller Wahrscheinlichkeit nach den Schlusspunkt setzt.

(bb) Mit ihren Recherchen zu dem nun kurz vor der Vollendung stehenden Band mit dem Titel „Das Dritte Reich, die Kriegsjahre und die schweren Jahre danach“ hatte Thea Merkelbach (82) bereits vor 20 Jahren begonnen. „Gott sei Dank“, sagt die pensionierte Lehrerin und passionierte Regionalhistorikerin heute, „denn die meisten Zeitzeugen leben inzwischen nicht mehr.“ Zu ihrer Motivation erklärt sie: „Es ist so wichtig, dass die jetzigen Generationen erfahren, was damals hier los war“, und sie zitiert Alexander von Humboldt: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“

   Schwerpunkt des wahrscheinlich letzten Bandes der Reihe „Pelmer Geschichte(n)“ (siehe Info) ist die Nazizeit mit Geschichten aus dem Alltag und dem Schulleben. Die Einquartierung von Westwallarbeitern und Soldaten wird ebenso thematisiert wie Jugendorganisationen, Kriegskost und der Bau von Schützengräben und Bunkern. Dass Pelmer Pferde im Krieg zum Einsatz kamen, dass ein amerikanischer Flieger über dem Lokschuppen abstürzte, dass es mitten im Dorf ein Gefangenenlager gab und dass nach den Fliegerangriffen an Heiligabend 1944 fast alle Dorfbewohner wochenlang in Bunkern und Hütten im Wald logierten, wird detailreich erzählt. Auch vom Schwarzschlachten ist die Rede. Und vom gefährlichen Spiel der Kinder mit Munition. Darum geht es in Hellmuth Seinsoths Erzählung mit der Überschrift „Dass ich heut noch am Leben bin!“ Darin heißt es: „Wir haben mit langen Panzergranaten hantiert, indem wir sie auf den Boden gehauen haben, damit das Pulver raus kam.“ Hin und her über die Kyll hätten sie sich Handgranaten zugeworfen und eine so genannte Knallkapsel mit dem Schraubenzieher geöffnet. Bei diesen und ähnlichen „Spielen“ blieb es nicht bei verbrannter Haut; ein Zehnjähriger verlor sein Leben.

  Pelm hatte insgesamt 41 Zivilopfer und 70 getötete oder vermisste Soldaten zu beklagen. Es starben auch auswärtige Soldaten, Zwangsarbeiter und Gefangene bei Angriffen auf Pelm. Diesen Part übernimmt in dem Buch, dessen Herausgabe für den Spätherbst vorgesehen ist, Thea Merkelbachs Ehemann Wolfgang Merkelbach (81), ebenfalls pensionierter Lehrer und der Heimatgeschichte ebenso eng verbunden. Im Januar 2019 war das Ehepaar Merkelbach für seine regionalgeschichtlichen und anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten mit der Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet worden (der TV berichtete).