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Seelsorger schlägt Brücke zwischen Schulen

Seelsorger schlägt Brücke zwischen Schulen

Auf Initiative des Schulseelsorgers Carlo Fischer-Peitz (Dekanat Vulkaneifel) haben eine Klasse des St.-Laurentius-Förderzentrums und ein Kurs der Realschule plus mit einem gemeinsamen Projekt zur Inklusion (siehe Hintergrund) eine rundum gelungene Premiere erlebt. Dabei haben die Schüler beider Schulen viel voneinander gelernt und gegenseitig Vorurteile abgebaut.

Daun. Florian füllt Teig in eine Backform, Steven schneidet Ananas in feine Würfel, Jan und Ronja wechseln sich beim Anbraten des Hähnchenfleischs ab, Nathaniel spült, Vivien trocknet ab, Marcel und Ruth falten Servietten kunstvoll zu Blumen, und auch alle übrigen Schüler sind mit der Vorbereitung eines Mittagessens für rund 30 Personen beschäftigt.
Was auf den ersten Blick wie eine hauswirtschaftliche Unterrichtsstunde in Küche und Speiseraum der Realschule plus aussieht, ist eine Premiere und heißt Inklusionsprojekt. Das Besondere: Die Gruppe besteht aus neun Achtklässlern des Förderzentrums und 17 Schülern des Wahlpflichtfachs Sozialpädagogik des neunten Schuljahrs der Realschule. Es ist der zweite von drei Projekttagen. Hinter den Schülern liegt ein Kennenlerntag mit Frühstück an der Förderschule; vor ihnen liegt ein gemeinsames Grillfest. Die Zwischenbilanz kann sich sehen lassen (siehe Stimmen).
Die Initiative zu der Aktion war zu Beginn des Schuljahres von Carlo Fischer-Peitz ausgegangen. Der seit 2007 im Dekanat Vulkaneifel tätige Pastoralreferent ist als Schulseelsorger für die Realschule plus und das benachbarte Förderzentrum gleichermaßen zuständig. "Förderschüler haben mich auf die Idee gebracht", erinnert sich Fischer-Peitz mit Blick auf deren wiederholte Fragen nach dem Leben und Lernen an der Realschule. "Hinzu kommt, dass zu meinem Auftrag das Brückenschlagen gehört", sagt der Seelsorger - "in diesem Fall möglichst mit einem Projekt auf Augenhöhe." Den "Zuschlag" erhielten schließlich die Klasse 8 der Förderschule mit ihrer Lehrerin Britta Blonigen und ihrer pädagogischen Fachkraft Bettina Schäfer sowie der von den Lehrerinnen Antonia Klasen und Nathalie Oster geleitete Sozialpädagogik-Kurs der Realschule.
Nun hat die gemischte Klasse die jeweils andere Schule unter die Lupe genommen, gemeinsam gekocht und gebacken und Tische gedeckt und dekoriert. Es gibt ein Salatbüffett, Reis und Nudeln mit Hähnchen, Pudding, Obstsalat, Eis und Muffins. "Hm, lecker!", schwärmen Tamara, Sophie, John und all die anderen Förder- und die Realschüler. "Und ich habe schon ein gemeinsames Kunst- oder Sportprojekt für nächstes Schuljahr im Hinterkopf", sagt Carlo Fischer-Peitz.
Extra

Erwin Kimmling, Rektor der Realschule plus: "Eine tolle Sache! Es wird ja viel über Integration und Inklusion geredet. Hier bekommen die Begriffe ein Gesicht, " Heinz-Peter Schneider, Rektor des St.-Laurentius-Förderzentrums: "Ich sehe das Ziel des Projekts, Vorurteile und Ängste abzubauen, als voll erfüllt an. Ich habe den Eindruck, dass die Schüler beider Schulen dabei viel voneinander lernen." Jan, Schüler des St.-Laurentius-Förderzentrums: "Mir hat die Rallye an der Realschule super gefallen, und ich habe eine neue Freundin gefunden. Aber an unserer Schule gefällt es mir trotzdem besser, weil alles ruhiger und kleiner ist." Ruth, Schülerin des St.-Laurentius-Förderzentrums: "Alle, die ich hier kennen gelernt habe, sind nett. Ich glaube, die Realschüler sind neidisch auf unseren Snoezel-Raum\\', in dem wir uns ausruhen und entspannen können." Marcel, Schüler der Realschule plus: "Bei den Kennenlernspielen haben wir sehr schnell Kontakt zu den Förderschülern geknüpft. Das Kennenlernen hatte ich mir schwieriger vorgestellt. Sehr gut gefallen hat mir der Videofilm über die Arbeit des Förderzentrums." Ronja, Schülerin der Realschule plus: "Ich bin total überrascht, denn die Förderschüler lernen im Grunde genommen nicht anders als wir. Bisher kannte ich die Förderschule ja nur von außen." bbExtra

Inklusion bedeutet "Einschluss" und ist der Fachbegriff für den neuen Umgang mit Behinderten in der Schule, am Arbeitsplatz, beim Wohnen und in der Freizeit. Für die Schule bedeutet dies, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderungen nicht mehr automatisch auf besondere Förderschulen verwiesen werden dürfen. Vielmehr müssen alle Schulen Möglichkeiten anbieten, behinderte Schüler nach ihrem Bedarf individuell im Rahmen des normalen Unterrichts zu fördern, ohne sie aus der Einrichtung auszugliedern. Das Prinzip der Inklusion beruht auf einem Abkommen der Vereinten Nationen, das Deutschland 2009 unterschrieben hat. bb