Seine große Passion ist das Schreiben

Vulkaneifel : Seine große Passion ist das Schreiben

Ortsbürgermeister, Landwirt, Autor: Nikolaus Rätz wird heute 90. Was ihn freut: Bald erscheint ein Band mit Gedichten aus dem Nachlass seines Vaters.

Kerpen-Loogh Doch, er spüre sein Alter, räumt Nikolaus Rätz ein. Und erzählt von mehreren schweren Erkrankungen innerhalb der vergangenen Monate. "Aber ich hatte trotz allem noch Glück", sagt er - "denn jetzt geht es mir wieder besser." So freue er sich auch auf das Fest mit Familie, Verwandten und Freunden. Seine jüngste Tochter Ursula Gröner hat es unter das Motto "Nikla wird 90" gestellt.
In Leudersdorf ist Rätz am 25. November 1927 auf die Welt gekommen. War 1944 als 16-Jähriger einberufen worden und im Jahr darauf in englische Kriegsgefangenschaft geraten. Seit Anfang 1951 ist er mit "seiner" Maria verheiratet und lebt seitdem in dem Kerpener Ortsteil Loogh. Das Ehepaar bekam drei Kinder. Maria Rätz erkrankte vor zehn Jahren an Alzheimer und ist inzwischen Pflegefall. "Aber sie leidet nicht mehr", erklärt ihr Ehemann und sagt: "Es war ein wunderbares Leben mit ihr."
1966 erwarb Nikolaus Rätz den Meistertitel als Landwirt. Da hatte er schon längst die kommunalpolitische Bühne betreten - als Mitglied des Ortsgemeinderats von Loogh (seit 1956), als Mitglied des Kreistages (1960-1972) und als Ortsbürgermeister von Loogh (seit 1964). In seine Amtszeit als Ortsbürgermeister von Kerpen (1987-1994) fiel unter anderem der Sieg Kerpens auf Bundes- und europäischer Ebene im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden". In weiteren Ehrenämtern war Rätz stellvertretender Kreisvorsitzender des Bauernverbands, Aufsichtsratsmitglied der einstigen Milchwerke Eifelperle/Hillesheim sowie Schöffe beim Landgericht Trier.
Besonders nachdem er sich zu Gunsten seiner Tochter Ursula Gröner und ihres Ehemanns Michael aus der Leitung des Hofs zurückgezogen und 1994 aus Altersgründen auch seine Ehrenämter niedergelegt hatte, widmete Nikolaus Rätz sich einer anderen Passion: dem Schreiben.
"Ich war als Kind und Jugendlicher fasziniert davon, dass sich mein Vater hinsetzte und Gedichte schrieb und Baupläne zeichnete", erinnert sich der Bauernsohn. Nikolaus Rätz verfasste Beiträge für das Heimatjahrbuch, er war federführend bei der Herausgabe der Chronik "Loogh - ein Dorf- und Heimatbuch der anderen Art" (2004), er veröffentlichte in dem Buch "Eine andere Sicht der Dinge" (2010) Erfahrungen und Erlebnisse aus seiner Kindheit und Jugend im Dritten Reich und brachte sie mit seiner späteren Lebenseinstellung in Zusammenhang. Er wirkte maßgeblich an dem Bildband "He jet ett nix se knipse!" (2015) mit.
Nun geht mit der Herausgabe des Buches "Johann Rätz - Gedichte" ein Herzenswunsch von Nikolaus Rätz in Erfüllung. "Mein Vater befasste sich mit Philosophie, er war sehr belesen und ein absoluter Pazifist mit außerordentlicher Menschenkenntnis", betont er.
Der Eifelbildverlag (Daun) hat das Erscheinen des Buchs für das Frühjahr 2018 so angekündigt: "Ein verborgener Schatz einzigartiger Eifeler Dichtkunst tritt ans Licht." Bleibt für Nikolaus Rätz also nichts mehr zu wünschen? "Doch!", sagt er. "Ein freundliches Entgegenkommen der Menschen, die sich mit mir verbunden fühlen."