Selbstjustiz wird für Autofahrer teuer

Selbstjustiz wird für Autofahrer teuer

Überholmanöver, Handgreiflichkeiten, Blechschaden: Das Landgericht Trier hat die Schadenersatzforderung eines Autofahrers aus Gerolstein zurückgewiesen, der in der Brunnenstadt einen anderen Verkehrsteilnehmer zur Rede gestellt und angegriffen hatte. Dabei war dessen Wagen gegen den des Angreifers gerollt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Gerolstein/Trier. Wilder Westen auf Gerolsteins Straßen: Ein Autofahrer aus Gerolstein bekommt keinen Schadenersatz für die Beschädigung seines Autos. Das hat das Landgericht Trier gestern in einem Berufungsverfahren entschieden und somit den Richterspruch des Amtsgerichts Daun von Ende Juni bestätigt. Damit ist das Urteil rechtskräftig.
Der Autofahrer aus Gerolstein fuhr am 26. August vergangenen Jahres mit seinem Wagen auf der B 410 in Gerolstein in Richtung Prüm.
An der Ampel vor der Hochbrücke hielt er auf der rechten Fahrspur an. Neben ihm auf der Linksabbiegerspur stand ein Auto mit einem niederländischen Fahrer. Als die Ampel auf Grün schaltete, überholte der Niederländer den Einheimischen unerlaubterweise, scherte vor ihm ein und fuhr auf der Brücke weiter.
Das passte dem Gerolsteiner offenbar jedoch überhaupt nicht: Er setzte ebenfalls zum Überholen auf der engen und üblicherweise viel befahrenen Brücke an, zog am Niederländer vorbei und bremste ihn auf der Brücke aus. Als beide Autos standen, sprang der Einheimische aus seinem Wagen und marschierte schnurstracks zu seinem Kontrahenten.Handgreiflichkeiten


Laut Amtsgericht Daun versuchte er dann, den Niederländer zur Rede zu stellen und ihn aus dessen Wagen zu ziehen. Daraufhin rollte der Wagen des Angegriffenen nach vorne und prallte gegen den Wagen des aufgebrachten Gerolsteiners - und verursachte einen nicht näher bezifferten Schaden. Der Niederländer gab später vor Gericht an, dass er die Bremse nicht mehr habe treten können, weil er angegriffen worden war.
Die Schadenersatzforderung des Gerolsteiners wurde zunächst vom Amtsgericht Daun zurückgewiesen. Dieser Meinung hat sich nun auch das Landgericht Trier im Berufungsverfahren angeschlossen. Begründung: Der Kläger sei für den an seinem Wagen entstandenen Schaden allein verantwortlich, weil er versucht habe, den Beklagten aus dessen Wagen zu ziehen. Auch habe für den Niederländer keine Verpflichtung bestanden, seinen Wagen per Handbremse zu sichern.
Nachdem das Landgericht dem Kläger seine Auffassung bereits vorab kundgetan hatte, hat dieser seine Berufung zurückgezogen.