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Selbstständigkeit fördert Flexibilität

Selbstständigkeit fördert Flexibilität

2007 wurde die Dauner Tafel ins Leben gerufen, um Menschen, die nur über wenig Geld im Monat verfügen, eine kleine Rente haben, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen, helfen zu können. Mit den vielen Flüchtlingen wurde der Kreis der Kunden größer.

Daun. Bei dem einen ist die Rente zu klein, bei einem anderen reicht das Arbeitslosengeld nicht, oder alleinerziehende Mütter kommen kaum über die Runden: Die Gründe, warum jemand zur Tafel geht und dort unter anderem Lebensmittel bekommt, sind vielfältig. Anlaufstelle im Kreis Vulkaneifel ist die Tafel in Daun, die 2007 eingerichtet wurde. 2015 kamen viele Flüchtlinge hinzu. "Hier wird niemand abgespeist und abgefüttert, hier wird jemand zur Tafel eingeladen und behält seine Würde", sagte Dechant Klaus Kohnz nun anlässlich der Einsegnung des neuen Kühlfahrzeugs der Dauner Tafel.

370 Kunden sind registriert


Die Arbeit der Tafel wird über Sach- und Geldspenden sowie das persönliche soziale Engagement Einzelner sichergestellt. Ortsgemeinden, Verbandsgemeinden, die Stadt Daun, Institutionen und viele private Spender (36 Prozent) finanzieren die Arbeit der Tafel, die bis Ende 2015 von der Caritas geleitet wurde.
Seit dem 1. Januar 2016 ist die Dauner Tafel Vulkaneifelkreis ein Verein, geführt vom Vorsitzenden Bernd Liebler. "Zur Zeit haben wir 370 Kunden registriert, 120 davon kommen jede Woche", berichtet Liebler. Rund 1,2 Tonnen Lebensmittel vom Apfel, über Brot, Konserven, Wurst bis Zwieback werden jeden Donnerstag in den Räumen der Tafel in der Maria-Hilf-Straße ausgegeben. "Anfangs hatten wir sogar mal einen wöchentlichen Spitzenwert von 220 Kunden", sagt Liebler. 66 registrierte Helfer, bestehend aus Vereinsmitgliedern und anderen Ehrenamtlichen, stehen für die Arbeit zur Verfügung. Sie holen die Lebensmittel von den Geschäften und helfen beim Verteilen. Doch bei der Menge der Lebensmittel hat sich etwas getan. "Früher haben wir mehr Lebensmittel bekommen, die Menge ist zurückgegangen. Viele Discounter verkaufen Artikel kurz vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums noch zum halben Preis und entsorgen die übrig gebliebenen Waren."
Das könne die Dauner Tafel aber ausgleichen, sagt Liebler. "Wir erhalten schon noch genug Lebensmittel, denn wir sind seit einiger Zeit auch Mitglied im Landesverband der Tafeln. Dadurch bekommen wir auch oft Teile von Großspenden der Hersteller, die wir in diesem Maß aus den Geschäften nicht bekämen." Durch die Abnabelung von der Caritas hat sich für die Tafel manches verändert.
"Wir sind flexibler geworden, können alles selbst entscheiden. Und wir haben jetzt am Ende des Jahres sogar einen Überschuss", erklärt der Vorsitzende des Trägervereins. Die zurück gehende Zahl der Flüchtlinge war für die Dauner Tafel nicht relevant. "Mitte diesen Jahres waren rund 40 Prozent unserer Kunden als Flüchtlinge registriert. Die sind aber natürlich nicht jeden Donnerstag gekommen, da inzwischen viele in Integrationskursen sind und oft dadurch gar keine Zeit haben, nach Daun zu kommen", sagt Liebler. Neben den Flüchtlingen besteht die Kundschaft weiter aus 14 Prozent Rentnern, die Übrigen sind Bezieher von Arbeitslosengeld II und Geringverdiener. "Wir überprüfen in gewissen Zeitabständen immer, ob die Voraussetzungen noch gegeben sind, wobei wir bei Rentnern schon einen Aufschlag von 20 Prozent auf den Hartz-4-Satz geben", erklärt Liebler. Für die Zukunft wird noch Lagerraum gebraucht, "und wir wollen noch einen Kleintransporter kaufen, um nicht für kleine Besorgungen immer mit dem schweren Transporter durch die Gegend fahren zu müssen." HG
Extra

Das neue Kühlfahrzeug der Tafel wurde mit Unterstützung regionaler Spender, einem Rabatt des Fahrzeugherstelles und einem Eigenanteil der Tafel finanziert. Darüber hinaus gab es vom Bundesverband Deutsche Tafeln einen Zuschuss von etwa 10 000 Euro. So konnte das Fahrzeug für knapp 42 000 Euro gekauft werden, der eigentliche Wert liegt bei rund 70 000 Euro. HG