Sichtbarer Ausdruck des Glaubens

Sichtbarer Ausdruck des Glaubens

Mit finanzieller Unterstützung von 14 Paten sind die 14 Stationen des Kreuzweges in der St.-Andreas-Pfarrkirche Gillenfeld restauriert worden. Das hat die Gemeinde nun zusammen in einer Andacht gefeiert.

Gegen Ende der Fastenzeit, wenn die Geschehnisse um das Leiden und den Tod Jesu besonders in den Blick der Christen rücken, ist der Abschluss der Renovierung der Kreuzwegstationen in der St.-Andreas-Pfarrkirche Gillenfeld mit einer Andacht gefeiert worden. Prediger war der Trierer Domkapitular Georg Bätzing.

Nicht nur die Tatsache, dass die Renovierung der 14 Stationen zu drei Vierteln von Paten bezahlt wurde, ist bemerkenswert. "Im Nu waren die Stationen vergeben", erzählt Pfarrer Carsten Rupp dem Trierischen Volksfreund, "und wir hatten eine ganze Reihe weiterer Interessenten, die leer ausgingen." Je nach Zustand der Stationen kostete die Renovierung zwischen 130 und 500 Euro. Die Paten - 13 Privatleute und die örtliche Frauengemeinschaft - hätten die Wahl gehabt, ob sie eine "billige" oder "teure" Station übernehmen, erklärt der Pfarrer. Ein Viertel der Gesamtkosten von 5500 Euro trage aus denkmalpflegerischen Gründen das Bistum Trier.

Es gab zudem zwei überraschende Entdeckungen im Zusammenhang mit der Renovierung des Kreuzwegs, der zur Erbauungszeit der Kirche (um 1900) in einer bekannten Trierer Malerwerkstatt entstand. "Die Bilder sind auf Weißblech gemalt", berichtet Pfarrer Rupp. Das sei zwar seinerzeit nicht ungewöhnlich gewesen. Doch seien die Weißblechbilder hauptsächlich nach Übersee gegangen. Wegen der Motten habe man die hierzulande üblichen Leinenbilder nicht auf die weite Reise schicken können.

Kreuzweg hing falsch herum



Für die Gillenfelder Kirche waren also Kreuzwegbilder auf Weißblech angeschafft worden - warum, weiß niemand mehr. Weil aber die Farbe immer mehr abblätterte, beauftragte die Kirchengemeinde im vorigen Jahr einen Fachbetrieb aus dem saarländischen Tholey mit der Restaurierung.

"Als die Bilder wieder an den Kirchenwänden hingen, erlebten wir die nächste Überraschung", erzählt Carsten Rupp. Denn als sie der Fachfirma mitteilten, dass die Kreuzwegstationen offenbar versehentlich entgegen der bisherigen Richtung aufgehängt worden seien, wurden sie eines Besseren belehrt: Die Richtung, in die Jesus gehe, bestimme die Aufhängung, kam zur Antwort. "Der Kreuzweg hing vorher falsch herum", sagt Pfarrer Rupp und lacht. "Und niemand von uns hat es gemerkt."

Gefeiert wurde der Abschluss der Restaurierung mit einer betrachtenden Kreuzwegandacht mit Domkapitular Georg Bätzing aus Trier. In seiner Predigt erinnerte der Geistliche an die Menschen in Gillenfeld, die vor gut 100 Jahren keine Kosten gescheut hatten, um die Stationen des letzten Wegs Jesu in ihrer Kirche sichtbar zu machen. Bätzing sagte: "Mit den Stationen des Kreuzwegs gaben Ihre Vorfahren dem Glaubensbekenntnis einen sichtbaren Ausdruck." Dass der Kreuzweg nun in neuem Glanz erscheine, möge ein Angebot besonders für Menschen sein, die ihr Leben in schweren Zeiten zu meistern versuchten. "Jesus weiß, wie hart Schmerzen, Enttäuschung und Trennung und wie unendlich demütigend das Leiden sein kann", predigte Georg Bätzing. "Aber er geht für dich, wenn es arg schwer ist. Er schleppt deine Last, um es dir leichter zu machen", ermutigte er die Gottesdienstbesucher. bb

Kreuzwege im Kircheninneren gibt es seit etwa 1700. Dazu markierte man an den Wänden 14 Stationen durch Holzkreuze und bildliche oder plastische Darstellungen des Stationsinhalts. Hier erwuchs die gemeinsame Kreuzwegandacht, bei der nur noch der Vorbeter den Kreuzweg abschreitet, während die Teilnehmer auf ihren Plätzen sich jeweils zur Station hinwenden und beim Stationswechsel aufstehen und das Knie beugen. bb