Sie alle waren Gerolsteiner Bürger

Sie alle waren Gerolsteiner Bürger

Vor fast genau 68 Jahren, am 27. Februar 1943, wurden der Gerolsteiner Fritz Mansbach, seine Frau Rosa, Tochter Ingeborg und Sohn Horst von bewaffneten Polizisten abgeholt und mit wenig Gepäck zum Bahnhof gebracht, begleitet vom evangelischen Pfarrer Bernhard Wiebel. Die Familie Mansbach war jüdischen Glaubens. Im März wurde sie in Auschwitz ermordet.

Gerolstein. Spricht man heute mit älteren Gerolsteinern über ihre damaligen jüdischen Mitbürger, fällt immer wieder der Name Fritz Mansbach. Dieser war einer der bekanntesten, meist geachteten und beliebtesten Bürger der Stadt.

Ende der 1920er Jahren lebten die insgesamt gut 3000 Einwohner Gerolsteins in friedlicher Gemeinschaft und im völligen Einvernehmen mit den über 60 jüdischen und fast 100 evangelischen Mitbürgern. Fritz Mansbach, 1897 in Beverungen/Weser geboren, heiratete 1925 die im Jahr 1898 geborene Rosa Levy, Tochter von Nathan Levy.

Letzterer hatte 1912/13 das "Kölner Kaufhaus", Bahnhofstraße 12, gebaut (heute Buchhandlung Raabe). Das Kaufhaus führte Kleidung, Schuhe, Stoffe, Wäsche, Kurzwaren, Porzellan, Spielzeug, Lebensmittel und anderes.

Nachdem sich Nathan Levy (Jahrgang 1870) 1925 zur Ruhe gesetzt hatte, übertrug er seinem Schwiegersohn Fritz Mansbach die Geschäftsleitung des Kaufhauses. Im Jahr 1925 kamen Tochter Ingeborg und 1931 Sohn Horst, der sich später Siegfried nannte, zur Welt.

Fritz Mansbach kleidete Jahr für Jahr ein Kind aus einer bedürftigen christlichen Familie zur Erstkommunion ein. 1929 regierte er als Karnevalsprinz. 1933 begannen auch für Gerolsteins Juden schwere Jahre. "Fritz Mansbach nahm mehrere Gelegenheiten zur Ausreise nicht wahr, weil er seine schwer kranke Schwiegermutter nicht ihrem Schicksal überlassen wollte. (...) Als finanziell bestgestelltes Mitglied der jüdischen Gemeinde war er bevorzugtes Ziel häufiger Schikanen seitens der Gestapo (Anm.: Geheime Staatspolizei) und NSDAP (...)". (Christoph Stehr 1981). Nathan Levy verkaufte "unter Druck" 1936 das "Kölner Kaufhaus".

Die Familie Mansbach zog in das Haus Sarresdorfer Straße 21, wo sie die Reichspogromnacht (9./10. November 1938) erlebte. SA-Kräfte aus Bitburg stürmten ins Haus, zerstörten einen Teil der Inneneinrichtung, sperrten die Bewohner im Keller ein und nahmen Fritz Mansbach für einen Tag "in Schutzhaft".

Ab Herbst 1941 verrichtete Fritz Mansbach Zwangsarbeit im Steinbruch bei Hohenfels, Tochter Ingeborg, 15 Jahre alt, wurde zur Arbeit in einem Mineralwasserbetrieb eingewiesen. Sohn Horst musste im November 1938 die Schule verlassen. Er besuchte, bis zu deren Auflösung 1942, die jüdische Schule in Trier. Danach kehrte er nach Gerolstein zurück.

Mit der Deportation der Familie Mansbach am 27. Februar 1943 endete die Geschichte der jüdischen Gemeinde Gerolsteins. Insgesamt 14 Juden dieser Stadt wurden in einem Vernichtungslager ermordet, einer nahm sich selbst das Leben. Sie alle waren Gerolsteiner Bürger.

Stolpersteine: Am Montag, 28. Februar, 10 Uhr, werden zur Erinnerung an die in der Brunnenstadt verfolgten, deportierten und in Konzentrationslagern ermordeten Juden die ersten vier Stolpersteine in Gerolstein verlegt, - in der Mühlenstraße 1 und in der Hauptstraße 59.

Mit diesen Stolpersteinen sollen vier Mitglieder der Familie Levy - die Ehepaare Nathan und Gertrud Levy sowie Moritz und Elise Levy - geehrt werden.

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