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"Sie hätten die Hände heben können"

"Sie hätten die Hände heben können"

Schwerer räuberischer Diebstahl oder Körperverletzung: Der letzte Angeklagte aus der Gruppe von vier Männern, die mehrere Geldautomaten in der Eifel aufgebrochen haben, erwartet am Landgericht Trier sein Urteil. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

Badem/Daun/Trier. Ist der Angeklagte in der Nacht auf den 3. November 2013 mit den Automatenknackern in eine Wittlicher Bank eingedrungen, oder war er in Südosteuropa unterwegs, um seine Verlobungsfeier zu organisieren?
Staatsanwalt Benjamin Gehlen und Verteidiger Gerhard Prengel sind sich nicht darüber einig, wo sich der vierte mutmaßliche Automatenknacker in dieser Nacht aufhielt. Gestern hielten Staatsanwalt Gehlen sowie die beiden Verteidiger des 33-jährigen Angeklagten, der zuletzt in Stolberg wohnte, ihre Plädoyers. Laut Anklageschrift soll der Mann Teil einer Gruppe von vier Geldautomatenknackern gewesen sein, die in Wittlich, Daun sowie Badem etwa 180 000 Euro erbeutet haben. Drei Täter wurden dafür schon zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.
Im abgetrennten Prozess des vierten Angeklagten, der seit 13 Monaten in Untersuchungshaft sitzt, ließ Richter Armin Hardt im Januar noch Zeugen im Kosovo per Videokonferenz vernehmen. Eine Zeugin, die Tante des Angeklagten, erklärte: Ihr Neffe sei im Zeitraum des Geldautomatenaufbruchs in Südosteuropa gewesen. An Tag und Datum konnte sie nicht erinnern - ein wasserdichtes Alibi sieht anders aus.
Zweifel bezüglich der Art der Tatbeteiligung hegt die Verteidigung für den spektakulärsten Fall der Automatenknacker, der sich in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar 2014 in der Eifel abspielte. Da hatte die Gruppe einen Automaten in Daun geknackt, als sie auf der Flucht bei Badem ein Sondereinsatzkommando des Landeskriminalamts stoppte. Dort fuhr der Angeklagte den Fluchtwagen und nahm einen Beamten auf die Motorhaube.
Sein Mandant sei gar nicht an dem vorangegangenen Automatenaufbruch in der Dauner Bank beteiligt gewesen, erklärt Anwalt Prengel. Er sei an diesem Tag bloß aus reinem Vergnügen mit den Tätern unterwegs gewesen und habe sich derweil außerhalb der Bank aufgehalten. Den Beamten, den er später an der Straßensperre anfuhr, habe er aus Angst vor den maskierten Sondereinsatzkräften nicht wahrgenommen. Doch Staatsanwalt Gehlen sieht hier den schwersten Punkt der Anklage, weshalb er für den 33-Jährigen eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren wegen schweren räuberischen Diebstahls fordert. Gehlen: "Dort haben Sie einen schweren Fehler gemacht. Sie hätten einfach die Hände heben können." Prengel wertet den Angriff auf den Beamten als Körperverletzung - und bittet um eine milde Strafe." cmo