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Singen, wenn die Sprache nicht ausreicht

Singen, wenn die Sprache nicht ausreicht

Mehr als 130 Frauen und Männer, die beruflich, ehrenamtlich oder als Angehörige desorientierte, sehr alte Menschen pflegen und betreuen, haben an einem Fachtag mit dem Thema Validation teilgenommen. Referentin war die Validationstherapeutin und -dozentin Vicky de Klerk-Rubin. Die Organisation hatte das Netzwerk Demenz Vulkaneifel.

Daun. Vicky de Klerk-Rubin zieht ihre Zuhörer mit einer Zeitreise in den Bann. Sie beginnt in ihrem tatsächlichen Alter von 57 Jahren und zeigt eine beruflich aktive und erfolgreiche Frau mit einem viel beschäftigten Ehemann und zwei Töchtern im Studium. Zehn Jahre später sind sie und ihr Mann im Ruhestand, sind gesund und munter und glücklich mit dem ersten Enkelkind. "Mein Mann ist vor einem Jahr gestorben, das Haus ist viel zu groß, ich muss mein Leben neu ordnen", erklärt sie in der Rolle der 77-Jährigen. Und wieder zehn Jahre später sitzt sie 87-jährig in einem Zimmer eines Seniorenheims. Sie wippt leise mit dem Oberkörper vor und zurück; sie ist nach dem Verlust der Orientierung und des Zeitgefühls in der vorletzten Phase der Demenz.
Die Niederländerin Vicky de Klerk-Rubin ist weltweit mit Kursen, Vorträgen und in der Ausbildung von Dozenten tätig und vermittelt die von ihrer Mutter Naomi Feil entwickelte Validation als respektvollen Umgang und wertschätzende Kommunikation mit Menschen mit Demenz ( <%LINK auto="true" href="http://www.vfvalidation.org" class="more" text="www.vfvalidation.org"%> ).
Pflegekräfte, Betreuer und Angehörige seien stark belastet und oft unsicher, räumte Vicky de Klerk-Rubin ein. Daher seien neue Sichtweisen, Wege und Möglichkeiten erforderlich - "damit Sie nicht in Verzweiflung fallen und wenn doch, einen Weg daraus finden", erklärte die Referentin. "Achten Sie auf die Bewegungen der an Demenz leidenden Menschen, finden Sie Augenkontakt, halten Sie den richtigen Abstand, wiederholen Sie Gesagtes mit anderen Worten, und wenn Sie die Menschen nicht mehr mit der Sprache erreichen, singen oder summen Sie", empfahl Vicky de Klerk-Rubin. "Wenn wir versuchen, dementielle Menschen zu ändern, entsteht Stress", betonte sie. Wenn die Demenz akzeptiert werde, verbesserten sich die verbale und nonverbale Kommunikation sowie das Gehvermögen und das körperliche Wohlbefinden der Dementen.
"Die Teilnehmer sind hoch motiviert", sagte die Referentin im TV-Gespräch. "Ich freue mich auch über schwere Fragen."bb
Extra

Anni Kettern (63), Mehren: "Ich bin seit zehn Jahren ehrenamtlich im Helferkreis Demenz des Caritasverbands Westeifel tätig und betreue wöchentlich zwei Menschen mit Demenz. An Vicky de Klerk-Rubin beeindruckt mich besonders, wie verständlich und lebensnah sie ihre Lehre formuliert. Über allem steht das Gebot des Respekts und der Wertschätzung. Diese Veranstaltung ist ein Geschenk." Sabine Kreitner (51), Üdersdorf: "Ich arbeite als Krankenschwester in der Altenpflege im Seniorenhaus Regina Protmann in Daun. Ich habe heute viele neue Ideen erhalten, die ich nutzen und umsetzen werde. Besonders der Hinweis, zu singen, wenn die Sprache die Menschen mit Demenz nicht mehr erreicht, gefällt mir sehr. Diesen Fachtag empfinde ich eine ganz besondere Fortbildung." Tanja Zirbes (38), Ulmen: "Ich bin Altenpflegerin und arbeite bei dem Pflegedienst "ambulant Eifel" in Kelberg. Die Methode der Validation ist mir nicht neu, und ich setze einiges ohnehin schon um. Vicky de Klerk-Rubin ist eine bemerkenswerte Frau mit Herzblut. Sie persönlich zu erleben, ist ein Gewinn. Sie gibt keine Patentrezepte aus. Denn jeder Mensch reagiert nun mal anders." bb