Sinnen, summen, suchen

Gefühlsechter Erlebnisrundgang: Eine Delegation des jungen nigerianischen Bistums in Awgu hat in dieser Woche das Dekanat Daun besucht - und absolvierte dabei auch den Immerather "Parcours der Sinne".

Immerath. Was macht der Mann da in dem Stein? Er lauscht ganz tief in sich hinein. Der Basaltbrocken, "Summstein" genannt (weil man den Kopf reinstecken und summen soll, was interessante Effekte hervorruft), ist die erste Station des im Mai eröffneten Immerather "Parcours der Sinne", angeregt und betreut von Ekkehard Nau (der TV berichtete).

Wo ist in der deutschen Kirche die Jugend?



Naus Gäste: eine Delegation aus der nigerianischen Diözese Awgu, in dieser Woche zu Besuch im Dekanat Daun und begleitet von Pastoralreferent Thomas Reichert und der Gemeindereferentin Steffi Peters. Der Aufenthalt der nigerianischen Gäste ist ein Rückbesuch, denn Vertreter aus Daun reisten 2008 nach Afrika: "Wir waren im Januar vergangenen Jahres da unten", berichtet Steffi Peters. Zweck des gegenseitigen Austauschs: voneinander zu lernen. Das Bistum Awgu ist erst vier Jahre alt. "Unseres bereits 1700 Jahre", sagt Steffi Peters. Was nicht heißen soll, dass die "Jungen" von den "Alten" gesagt bekommen, wie es gehen soll. Denn es kann auch umgekehrt funktionieren: "Hier hat man alte Strukturen", sagt Vikar Ohajuobodo Oko. Der promovierte Theologe, ebenfalls Nigerianer, arbeitet seit fünf Jahren als Seelsorger in der Eifel. "Es ist wichtig, dass das System nicht an den Strukturen erstickt. Manchmal fehlt dann die Dynamik. Und sich auf etwas Neues einzulassen ist dann schwierig." Für die afrikanische Diözese biete das dennoch die Möglichkeit zu erfahren, wie man solche Strukturen aufbauen und die Arbeit besser organisieren könne. Auf der anderen Seite könnten die deutschen Kollegen von der Improvisationskunst der Nigerianer profitieren - und vielleicht einen Weg finden, wieder mehr junge Menschen in die Kirchen zu bekommen: "Wenn man in Deutschland in eine Kirche kommt, dann fragt man sich: Wo ist die Jugend? In Nigeria sind die Jugendlichen einfach da."

Alte Muster aufbrechen, neue Strukturen entwickeln: Das passt zur nächsten Station auf dem Parcours: der Spirale. Ekkehard Nau lässt die Scheibe mit den schwarz-weißen Streifen kreiseln, alle schauen hin - und sollen dann auf ihre Handflächen sehen. Der Effekt: alles in aufgewühlter Bewegung. "War das ein Hokuspokus?", ruft Oko. Nein, erklärt Nau: "Es ist der Versuch des Gehirns, allem einen Sinn zu geben. Da sind nur Streifen, aber das Gehirn sagt uns: Wir schauen in eine Röhre." Unser Hirn suche in jeder Situation nach bekannten Mustern, um sie schnellstmöglich verarbeiten zu können. "Das geschieht alles unbewusst, und das ist sehr ökonomisch." Manchmal aber müsse man versuchen, solche Muster aufzubrechen "und über alles immer wieder neu nachzudenken."

Vertrauen auf dem Balancier-Balken



Sinn suchen, Muster aufbrechen, Neues wagen: Das passt zu den Gesprächsinhalten dieser Besuchswoche. Und in diesem Fall bereitet das den Beteiligten offensichtlich Freude. Was auch an der Umgebung liegt: "Deshalb komme ich immer wieder", sagt Clement Obasi, der die Eifel von früheren Besuchen kennt. Obasi unterrichtet am Priesterseminar in Enugu Kirchenrecht. Heute aber gönnt er sich, gemeinsam mit den anderen, den Spaß dieses gefühlsechten Ausflugs. Den haben alle auch bei der klassischen Vertrauensübung: Steffi Peters stellt sich auf den Balancier-Balken, die anderen reihen sich dahinter auf, sie kippt rückwärts hinab - und wird selbstverständlich aufgefangen. "Das brauchen wir im Leben", sagt Clement Obasi. "Dieses Vertrauen."