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"So ein Ding macht man nicht ohne Experten"

"So ein Ding macht man nicht ohne Experten"

WALSDORF-ZILSDORF. Premiere in der Region Trier: Um die Rücklagen aus Bruchzinseinnahmen langfristig vor Reformen zu sichern, hat die Doppelgemeinde eine gemeinnützige Stiftung mit einer Kapitaleinlage von 650 000 Euro gegründet. Andere "bruchzins-reiche" Gemeinden überlegen Nachahmer-Modelle.

"Einen vergleichbaren Fall hat es bisher in der Region Trier nicht gegeben", erklärt Herbert Anthes von der Aufsicht- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier. Der Oberamtsrat kümmert sich seit 32 Jahren um das Stiftungswesen in der Region mit 67 gemeinnützigen und einer kommunalen Stiftung. Der Walsdorf-Zilsdorfer Gemeinderat überlegte zwei Jahre lang mit der Angst vor Kommunalreformen im Genick. Ortsbürgermeister Horst Kolitsch erklärt: "Alles wird reformiert, und eines Tages wäre das schöne Geld weg. So haben wir es jetzt vor allen kommunalen Langfingern, die kommen könnten, gesichert. Egal ob Verbandsgemeinde, Kreis oder Land, keiner kommt mehr dran."Kein Ende des Geldflusses in Sicht

Ende 2004 hatte die Doppelgemeinde 812 031 Euro Rücklagen, vor drei Wochen kamen für 2005 weitere 66 739 Euro hinzu und Ende 2006 sollen 70 580 Euro drauf gelegt werden - macht zusammen 949 350 Euro. Und vorerst ist kein Ende des Geldflusses aus der Lavagrube in Sicht. Millionen im zweistelligen Bereich erwartet die Doppelgemeinde noch. Im ungünstigsten Fall wird mit noch 5,8 Millionen Tonnen Abbaumenge bei einem Bruchzins von 1,79 Euro je Tonne gerechnet. Selbst wenn der Unternehmer nichts abbaut, ist der Gemeinde ein Jahresbruchzins von 215 000 Euro garantiert. Die Gründung einer Stiftung mit 650 000 Euro war sehr holprig. Kolitsch: "Es war kompliziert. Wir haben gemerkt, dass man so ein Ding nicht ohne Experten machen kann, deshalb haben wir uns den Steuerberater Pickartz quasi als Stiftungslotsen genommen." Walter Pickartz stieg ein, nachdem der erste Versuch gescheitert war. Er erklärt: "Die Dauner Kommunalaufsicht hatte einen Entwurf erarbeitet, der vom Finanzamt mit zwei Seiten Beanstandungen am ersten Juni 2005 zurückgewiesen wurde." Pickartz legte am 20. Oktober seine Fassung vor, die am 27. Oktober geprüft und genehmigt vom Finanzamt zurückkam. Am zweiten Januar 2006 erhielt Kolitsch die Zusage für die endgültige Fassung. Bei einer gemeinnützigen Stiftung ist die ADD Prüfungs- und Kontrollorgan, bei einer kommunalen die Kreisverwaltung. Pickartz: "Daun hätte lieber eine kommunale Stiftung gehabt, die quasi als zweiter Haushalt geführt wird." Aus Daun wurde den Walsdorf-Zilsdorfern aber kein Stein in den Weg gelegt. Vergangene Woche gab die Kreisverwaltung ihr Okay für die Stiftungsgründung nach Trier. Sobald die ADD die Urkunde ausgestellt hat, wird der fünfköpfige Stiftungsvorstand gebildet. Die Aufgaben der Stiftung sind sehr vielfältig und reichen von Jugend- und Altenhilfe über Brauchtumspflege bis hin zum Denkmalschutz. Ortsbürgermeister Kolisch lässt jedoch keinen Übermut aufkommen: "Das Stammkapital von 650 000 Euro bleibt unangetastet. Nur die Zinserträge von derzeit 25 000 Euro im Jahr können für gemeinnützige Zwecke ausgegeben werden." Stiftungslotse Pickartz ergänzt: "Die Gemeinde macht sich mit der Stiftung nicht arm. Es werden ja noch Millionen Euro Bruchzinseinnahmen erwartet." Bis zu 1,7 Millionen Euro auf der hohen Kante

Es gibt noch viele "stein-reiche" Gemeinden im Kreis. Die Ortsgemeinde Strohn hat mehr als 1,7 Millionen Euro auf der hohen Kante liegen. Ortsbürgermeister Alois Pohlen sagt: "So ganz sicher fühlen wir uns auch nicht. Wir werden darüber im Rat reden, denn auch die nachfolgenden Generationen sollen noch von dem Geld profitieren." Die Ortsbürgermeister Walter Eich aus Mannebach (278 Einwohner, 670 000 Euro Rücklagen) und Josef Heimer aus Drees (200 Einwohner, 850 000 Euro Rücklagen) sagen unisono: "Unsere Mittel sollen nicht im großen Topf landen. So eine Stiftung wäre überlegenswert." Hans-Werner Mendel, Ortsbürgermeister von Kaperich (200 Einwohner, 900 000 Euro Rücklagen) erklärt: "Wir brauchen da nichts zu machen, denn es soll noch kräftig in die Dorfsanierung investiert werden, und innerhalb der nächsten zehn Jahre ist das Vorkommen bei uns sowieso erschöpft."