So geht’s dem Baum gefahrlos an die Rinde

So geht’s dem Baum gefahrlos an die Rinde

SCHALKENMEHREN. Forstwirtschaftsmeister Konrad Scholzen ist nicht nur ein Virtuose in Sachen Schnitzkunst mit der Motorsäge, sondern unterrichtet im Auftrag des Forstamts Daun auch Privatleute in der Handhabung mit dem Werkzeug und zeigt ihnen die fachmännische Arbeit im Wald.

In Zeiten immer höher steigender Energiepreise für die fossilen Stoffe Öl und Gas besinnen sich viele wieder der guten alten Holzheizung. Also hinein in den eigenen Wald oder beim Förster Holzlose kaufen, um in Eigenwerbung Holz zu gewinnen. Doch die Arbeit mit Motorsäge und Axt im Wald hat ihre Tücken und endet nicht selten mit gefährlichen Verletzungen. Jedes Jahr passieren bei der professionellen, aber besonders bei der privaten Waldarbeit viele Unfälle. Gerade im privaten Bereich ist dies oft auf mangelnde Kenntnis bei der Handhabung der Motorsäge und der richtigen Schnitt- und Fälltechnik zurück zuführen.Wie man gefährliche Unfälle vermeidet

Die Folgen dieser Unfälle können schlimm sein. Tiefe Schnittwunden durch die Säge und tödliche Unfälle beim Baumfällen sind keine Seltenheit. Damit so etwas nicht passiert, bot das Forstamt Daun für Privatleute nun schon zum zweiten Male im Dauner Wehrbüsch einen Motorsägenkurs an, geleitet von den beiden Forstwirtschaftsmeistern Konrad Scholzen und Tim Schwarzer. Der erste Kurs Anfang Dezember war ausgebucht. "Die Teilnehmer bekommen bei uns die Grundkenntnisse und Techniken bei der Aufarbeitung von Brennholz vermittelt, um die Arbeit im Wald sicherer zu gestalten", erklärt Konrad Scholzen. Durch die hohen Energiepreise hat das Forstamt einen regen Zulauf an Selbstwerbern. 70 Euro kostet der zweitägige Kurs, der vier theoretische Stunden und acht praktische Stunden im Wald beinhaltet. Im theoretischen Teil stehen Fäll- und Schnittlehre, Motorsägentechnik, Wartung und Instandsetzung, Schärftechnik, Schmierstoffe, Sicherheitsbekleidung und die Werkzeuge, die im Wald verwendet werden, auf dem Stundenplan. Konrad Scholzen: "Es ist grundsätzlich gut, dass die Leute Eigeninitiative zeigen und sich zu unserem Kurs anmelden. Bei den Lehrgängen sind Leute dabei, die schon seit 20 Jahren ihr Holz selbst machen. Aber gerade durch die fehlende Technik beim Fällen und Unwissenheit im Umgang mit der Säge passieren die meisten Unfälle."Eine Eiche fällt man nicht wie eine Buche

Dem kann Kursteilnehmer Erwin Neumann aus Bodenbach nur zustimmen, obwohl er noch nie einen Unfall hatte. "Ich bin schon früher mit meinem Vater in den Wald gegangen, die Bäume wurden auch von mir immer so gefällt, wie es mein Vater machte. Hier sehe ich aber, dass es wichtige Regeln gibt, von denen ich noch nie etwas gehört habe." Was viele etwa nicht wissen: Es ist ein Unterschied, ob eine Eiche oder eine Buche gefällt wird, weil sie sich beim Fällen aufgrund ihrer Kurz- oder Langfaserigkeit anders verhalten. Die richtige Reihenfolge beim Fällen bekommen die Teilnehmer von Scholzen und Schwarzer erklärt. "Wichtig ist zuerst die Baumansprache, wobei die Hang- und Gewichtsverteilung des Baumes eingeschätzt wird, dann wird die Fällrichtung festgelegt und die Art der Fällung", erläutert Scholzen. Die Erkenntnis von Erwin Neumann nach dem Fällen seines Baumes: "Das Risiko, sich dabei zu verletzen, ist groß. Wenn man aber den richtigen Umgang mit der Säge kennt, weiß was passieren kann und Maßnahmen dagegen ergreift, dann ist es viel ungefährlicher." Auch Teilnehmer Gerald Steinstrass aus Darscheid, der seit 20 Jahren seinen Kachelkamin mit Holz beheizt, weiß den Kurs zu schätzen. "Ich habe bisher vieles mit Kraft statt mit Technik gemacht. Der Kurs macht Spaß, und es ist gut, dass er angeboten wird. Eigentlich sollte er Pflicht für jeden werden, der im Wald arbeitet."

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