So reich und doch so arm
In der Sitzung des Kreistags am Montag wird die sogenannte Eröffnungsbilanz des Landkreises Vulkaneifel vorgelegt. Für die Bilanz ist erstmals in der Kreisgeschichte das gesamte Vermögen ermittelt worden.
Daun. Seit 1817 gibt es den Kreis. Allerdings wusste er fast 200 Jahre lang nicht genau, wie vermögend er eigentlich ist, denn eine umfassende Auflistung aller Werte gab es nicht. Das hat sich geändert durch die vom Kreis für das Haushaltsjahr 2007 eingeführte doppelte Buchführung (Doppik), denn sie sieht vor, dass das kommunale Vermögen komplett erfasst, bewertet und den Schulden gegenübergestellt wird. Gut zwei Jahre an der Bilanz gearbeitet
Herausgekommen ist die sogenannte Eröffnungsbilanz, an deren Erstellung seit gut zwei Jahren gearbeitet wurde. "Es war eine Riesenarbeit", berichten Kreisverwaltungs-Büroleiter Helmut Klassmann und Mitarbeiterin Verena Verhülsdonk. Sie ist tief in die Kreisgeschichte "eingetaucht" und hat dabei alle Haushaltspläne ab 1960 gesichtet, um beispielsweise die Baukosten kreiseigener Gebäude zu ermitteln. Aber auch Kunstwerke sind aufgelistet wie die "Klatschbasen" vor dem Kreishaus mit einem Wert von rund 15 000 Euro. Um eigene Pflanzen und Tiere muss sich der Kreis nicht kümmern, denn sie stehen mit null Euro in der Eröffnungsbilanz. Als wichtiger "Zulieferer" fungierte der Landesbetrieb Mobilität Gerolstein, der den Wert der kreiseigenen Straßen und Brücken ermittelte. Herausgekommen ist ein Wert von knapp 170 Millionen Euro (inklusive Grundstücksbesitz), der Löwenanteil des Gesamtvermögens des Kreises, das sich auf rund 230 Millionen Euro beläuft. Eine zunächst stolze, beim näheren Hinsehen aber relative Größenordnung, denn es findet sich wohl niemand, der dem Kreis seine Straßen für 170 Millionen Euro abkaufen würde.Aus der Gegenüberstellung von Vermögen und Schulden ist das Eigenkapital des Kreises ermittelt worden. Und dass der Kreis - was ja auch schon länger bekannt ist - finanziell nicht gut dasteht, belegt auch die Eigenkapitalquote von 0,39 Prozent. Heißt in Zahlen: Von rund 230 Millionen Euro Bilanzsumme bleiben gerade mal noch knapp 900 000 Euro übrig, eine Summe, die angesichts des zu erwartenden Haushaltsdefizits des Kreises in diesem Jahr von bis zu sechs Millionen Euro schon längst "aufgefressen" ist. Für die Verwaltung ist das geringe Eigenkapital Beleg dafür, "wie hoch die Verschuldung und die Verbindlichkeiten des Landkreises in Relation zu den vorhandenen Vermögenswerten sind".