So viel Hilfe wie nötig

DAUN. (vog) Die Bildung einer Außenklasse der Martin-Luther-King-Schule (MLK-Schule), einer Schule für Erziehungshilfe in Traben-Trarbach, rückt im Kreis Daun immer näher. Die Obere Schulbehörde und das Jugendamt stehen voll dahinter.

"Ich gehe davon aus, dass wir im Sommer 2005 mit einer Klasse starten können", bilanziert Manfred Schmitz, MLK-Schulleiter, das Gespräch, das vergangene Woche in der Dauner Kreisverwaltung stattgefunden hat. Noch ist kein Standort gefunden worden. Wie schon im TV am 15. Juli berichtet, werden dafür die Verbandsgemeinden Obere Kyll, Hillesheim und Gerolstein besonders ins Auge gefasst. Die Schulleiter der drei Haupt- beziehungsweise Regionalen Schulen hatten einen Bedarf für 20 extrem verhaltensauffällige Schüler gemeldet. "Diese Schüler gehören nicht ins Förderzentrum, sind aber auch bei uns nicht optimal aufgehoben. Deshalb wäre die Bildung einer MLK-Klasse das Beste", forderten die drei Schulleiter unisono. Bereits neun Schüler aus den Verbandsgemeinden Daun und Kelberg besuchen die MLK-Außenklasse in Großlittgen. Regierungsschulrat Herbert Klein widerspricht der Spekulation, "dass die Schüler abgeschoben werden". Im neuen Schulgesetz vom 30. März 2004 stehe ausdrücklich, dass jede Schule der individuellen Förderung der Schüler verpflichtet sei. Dietmar Engeln vom Jugendamt unterstützt ihn: "Die MLK-Klasse ist absolut sinnvoll. Jeder Jugendliche soll so viel Hilfe wie möglich, aber nicht mehr als nötig bekommen." Das Problem, dass mit 20 Schülern die Größe einer MLK-Klasse (maximal elf Schüler) gesprengt wird, spornte die Teilnehmer des Treffens in der Kreisverwaltung zusätzlich an. Klein: "Mehr als eine Klasse wird es nach derzeitigem Stand nicht geben. Allerdings haben wir quasi ein Paket geschnürt mit zusätzlichen Maßnahmen."Mit handwerklicher Arbeit Konzentration fördern

Um die Schulen zu unterstützen, versprach der Regierungsschulrat der Sonderschulen, sich um zusätzliche Förderstunden zu kümmern. Günter Mehles, Schulleiter der Regionalen Schule Gerolstein, hatte geklagt: "Unsere Förderlehrerin bekommt bei 500 Schülern nur 14 Wochenstunden." MLK-Schulleiter Schmitz geht näher auf das "Paket" ein: "Wir werden verstärkt vor Ort beraten, bieten auch gemeinsame Unterrichtsvorbereitung an und geben Unterstützung bei der Schulsozialarbeit." Klein kann sich als eine mittelfristige Variante auch die Einrichtung einer zusätzlichen so genannten "Arbeitswelt-Klasse" vorstellen. Darin werden besonders negativ geprägte Schüler über handwerkliche Arbeiten wieder an Konzentrations- und Durchhaltevermögen herangeführt. Der erfahrene Regierungsschulrat fordert: "Je früher wir ansetzen, umso erfolgreicher sind wir. Wenn ein Jugendlicher 14 Jahre lang die Erfahrung gemacht hat, dass seine Welt nur funktioniert, wenn er drauf schlägt, dann ist das Umdenken und -lernen unheimlich schwer." Auch die Eltern will Klein "nicht leichtfertig aus der Pflicht zur Erziehung entlassen". Eine Vernetzung sei dringend notwendig. Engeln: "Ohne die MLK-Klasse in Großlittgen bliebe für die verhaltensauffälligen Schüler fast nur die Heimunterbringung, und die strapaziert die Familienbande sehr." Er geht auch auf die Vorzüge aus fiskalischer Sicht ein. Ein Heimplatz kostet den Kreis nämlich durchschnittlich 3500 Euro pro Monat und Kind. Die Kostenbeteiligung an der MLK-Klasse wäre mit vier Euro pro Tag und Kind plus der familienunterstützenden Betreuung wie sozialpädagogische Hilfe erheblich günstiger. Im Oktober wird das nächste Treffen zur MLK-Außenklasse im Kreis Daun sein. Bis dahin bemühen sich die MLK-Schule und das Jugendamt um einen Standort. Außerdem erarbeitet MLK-Schulleiter Schmitz bis dahin das Konzept.

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