"Sozialistische Verhältnisse"

"Sozialistische Verhältnisse"

GEROLSTEIN. Turbulentes Jahr, turbulente Sitzung: Bei der von rund drei Dutzend Mitgliedern besuchten Jahresversammlung des Gewerbevereins "Gero-Team" Gerolstein, bei der Vorsitzender Heinz Weber wiedergewählt wurde, sorgte die "durchwachsene" Bilanz für Ernüchterung, die erneute Diskussion über die Fußgängerzone beinahe für einen Eklat.

Kaum für weitere drei Jahre wiedergewählt, drohte Gewerbevereinsvorsitzender Heinz Weber auch schon damit, sein Amt wieder zur Verfügung zu stellen. Auf dem Höhepunkt einer erneut vom Zaum gebrochenen Diskussion über die weitere Öffnung oder Abschaffung der Fußgängerzone sagte er: "Ich halte das grundsätzlich für falsch, daher trage ich das auch nicht mit und werde nichts dergleichen in die Wege leiten. Dann trete ich eben zurück." Aufregung im Saal. Manfred Bockhoop, der das Thema angeschnitten ("Die Fußgängerzone ist ein Geschäftshindernis.") und anschließend noch eine Sondersitzung des Gewerbevereins dazu beantragt hatte, sagte daraufhin: "Das ist Diktatur, das ist ja wie in der DDR." Ins gleiche Horn stieß Helmut Schenten. "Das soll jetzt wohl wahr gemacht werden", sagte er in Anlehnung an Worte, die Vorsitzender Weber kurz zuvor selbst gebraucht hatte. Angesichts der allesamt einstimmig gefällten Wahlen zum Vorstand hatte der Vorsitzende noch gescherzt: "Das sind ja sozialistische Verhältnisse." Reaktionen im Publikum: Ungläubiges Staunen, Empörung oder Kommentare wie "Jetzt geht es zur Sache!" Erst der beruhigenden und klärenden Worte der Bürgermeister Matthias Pauly (VG) und Karl-Heinz Schwartz (Stadt) war es letztlich zu verdanken, dass die Situation nicht außer Kontrolle geriet. Vorsitzender Weber nahm seine ursprüngliche Weigerung zurück und folgte dem Mehrheitsbeschluss der Versammlung, eine Sondersitzung des Gewerbevereins zum Thema Fußgängerzone ins Leben zu rufen: für Mittwoch, 15. November, 19 Uhr, im Rondell. Dennoch legte er ausführlich seine Meinung dar und begründete seine anfängliche Ablehnung. Er sagte: "Wir können angesichts der widerstreitenden Interessen im Gewerbeverein kein einheitliches Votum abgeben. Ansonsten droht die Spaltung des Vereins." Stadtbürgermeister Schwartz (CDU) gab zudem zweierlei zu bedenken. Vor einem erneuten politischen Vorstoß müsse der Gewerbeverein intern zu einer einheitlichen Meinung kommen, zweitens "gibt es ja nicht nur die Gewerbetreibenden in der Fußgängerzone, sondern eben auch die Anwohner, die dort in Ruhe leben wollen oder die Touristen". Sei´s drum: Die Befürworter einer weitergehenden Öffnung brachten ebenso wie die Gegner ihre - alt bekannten - Argumente vor. Die einen sprachen von mehr Belebung, die anderen von "Horror-Verkehr" und "Park-Chaos." Etwas weiter holte Ralf Hoffmann aus, der sich für ein Gesamtpaket aus "einheitlichen Ladenöffnungszeiten", einem "besseren Erscheinungsbild" und einer "erweiterten Öffnung während einer ein- bis zweijährigen Testphase" aussprach. Vorsitzender Weber wiederum hielt es für einen Irrglauben zu meinen, nur durch die Öffnung würde sich Entscheidendes ändern. So fehle vor allem ein Anziehungspunkt in Form eines Cafés oder Bistros. Er sagte: "Die Touristen kommen bei uns in der Innenstadt nicht auf ihre Kosten." Apropos Kosten: Angesichts des Defizits von 13 000 Euro, die die Gerolsteiner Tour-Tage brachten, wird es diese Veranstaltung künftig "nicht mehr in diesem Rahmen" geben. Weber kündigte an: "2007 wird ein Jahr der Konsolidierung, zudem werde ich alles auf den Prüfstand stellen - vom Sprudelfest über die Kirmes bis hin zur Weihnachtsverlosung." Dem neuen VORSTAND gehören an: Vorsitzender Heinz Weber, Stellvertreter Mike Pizulli (für Hans-Peter Schildgen, der nach 15 Jahren im Vorstand - davon 12 Jahre als Vorsitzender - abtrat), Kassierer Reinhard Trenzen, Schriftführer Manfred Rett sowie die Beisitzer Hans-Peter Böffgen, Klaus-Peter Hens, Helmut Schenten, Sabine Martinetz und Dieter Hoffmann (Neuwahl). Nicht mehr dabei sind Ilona Lehnen und Ariane Schildgen-Böffgen. Kassenprüfer sind weiterhin Gabi Leufer und Karl-Heinz Ottowitz. VERKAUFSOFFENE SONNTAGE sind in 2007 am 25. März, am 26. August (Sprudelfest) und am 7. Oktober. Der erste Termin in 2008 ist der 6. April.