Spannende Begegnung auf Augenhöhe

Spannende Begegnung auf Augenhöhe

Bei einem landesweit einmaligen Projekt haben sich Auszubildende des Gerolsteiner Brunnens und der Westeifel-Werke Gerolstein getroffen. Bei der mehrwöchigen Begegnung geht es um Einblicke in die jeweiligen Berufswelten, das gegenseitige Kennenlernen der behinderten und nichtbehinderten jungen Menschen sowie um soziale Kompetenz und Toleranz.

Gerolstein. Das Projekt ist landesweit bislang einmalig: 22 Azubis des Gerolsteiner Brunnens und der Westeifel-Werke (WEW) treffen sich zum Ausbildungsaustausch. "Mich hat beeindruckt, dass so viele unterschiedliche Tätigkeiten in den Werkstätten angeboten werden und mit wie viel Freude die Auszubildenden dabei sind", sagt Annika Wassong, Auszubildende zur Industriekauffrau bei Gerolsteiner Brunnen. Sie ist eine von zwölf Mitarbeitern des Mineralwasserproduzenten, die am mehrtägigen Sozialprojekt mitmachen.
Die weiteren zehn Teilnehmer kommen aus den Westeifel-Werken. Zwei sind Auszubildende der Heilerziehungspflege, acht Teilnehmer sind geistig behindert und absolvieren ihren Berufsbildungsbereich in den WEW.
In mindestens vier Treffen möchte sich die Gruppe nicht nur gegenseitig besser kennenlernen, sondern auch lernen und erleben, wie in beiden Unternehmen gearbeitet wird.
Zum Auftakt besuchten die Gerolsteiner Auszubildenden die Westeifel-Werke in Gerolstein. Nach einem informativen Teil über Hintergründe der Arbeit einer gesetzlich anerkannten Behindertenwerkstatt standen ganz praktische Dinge im Vordergrund, beispielsweise die Mitarbeit in Montagegruppen, die Teilnahme bei therapeutischen Sitzungen oder auch ein Klettererlebnis in der Sporthalle.
Praxisnahe Aktivitäten


Die außergewöhnliche Zusammensetzung der Gruppe mit jungen nichtbehinderten und behinderten Auszubildenden macht dabei die Besonderheit aus. Das weiß auch WEW-Geschäftsführer Ferdinand Niesen. "Wenngleich heute der Begriff der Inklusion vor allem im sozialpolitischen Zusammenhang überstrapaziert wird, versuchen wir Inklusion oder sagen wir besser, die Integration stückchenweise, praxisnah und lebendig erlebbar zu machen", sagt Niesen.
"Unsere jungen behinderten Mitarbeiter profitieren von solchen Aktivitäten. Sie lernen die Bedingungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vor Ort kennen und können so auch besser ihre eigenen beruflichen Zukunftswünsche einschätzen" erklärt Niesen und spricht an, dass geistig behinderte Menschen zwar in der Mehrzahl einen geeigneten und angepassten Arbeitsplatz in den Werkstätten selbst hätten, aber auch mit besonderen Integrationshilfen eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt anstreben könnten.
"Wir freuen uns, dass wir in direkter Nachbarschaft unseren Auszubildenden eine Erfahrung ermöglichen können, die für die jungen Menschen nicht nur interessant und lehrreich, sondern auch prägend für ihre berufliche Zukunft sein kann", sagt Joachim Schwarz, kaufmännischer Geschäftsführer des Gerolsteiner Brunnens. Der Ausbildungsbetrieb legt großen Wert auf Inhalte, die über das spezifische Fachwissen des zu erlernenden Berufes hinausgehen. "Soziale Kompetenz ist ein Stichwort, das in der Berufswelt zunehmend an Bedeutung gewinnt und einen positiven Einfluss auf das gesamte Betriebsklima eines Unternehmens haben kann." Personalleiter Dirk Hoffmann ergänzt: "Das gemeinsame Erlebnis auf Augenhöhe ist für unsere Auszubildenden eine wichtige Erfahrung."
Die Aussichten scheinen gut, dass das rheinlandpfalzweit einzigartige Projekt in Zukunft Nachahmer findet. Für Ende März haben die Azubis des Gerolsteiner Brunnen die Kollegen aus den Westeifel-Werken zum Gegenbesuch eingeladen. red/aff

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