Spiritueller Ort und Zufluchtsstätte

Spiritueller Ort und Zufluchtsstätte

Auf dem Beuerhof bei Üxheim werden seit 50 Jahren Entschleunigung und ein Zurück-zur-Natur praktiziert und gelehrt. Das lockt Indianer ebenso wie Manager an, nur eine Gruppe hält sich noch immer weitgehend fern.

Üxheim "Dieter Scholz, der als Inhaber einer Werbeagentur einen nicht gerade ruhigen Job hatte, hatte vor mehr als einem halben Jahrhundert für sich und seine Familie einen "Zufluchtsort im Grünen" gesucht und ist auf eine Anzeige ("Herrlich gelegenes Grundstück mit Aufbauten in Üxheim") gestoßen. Was er fand, war einerseits ein verfallener Bauernhof mit Geschichte rund zwei Kilometer weit vom Ortsteil Leudersdorf entfernt, andererseits der "Startschuss zu einem neuen Leben". Nach und nach baute Scholz das Gehöft zum Feriendomizil um. In dieser Zeit - in den 1970er Jahren - war der damals 30-Jährige sehr bekannt: als einsamer Cowboy mit Loch im Stiefel, vor weiter Kulisse und einer Zigarette im Mund. Als Camel-Mann, der "meilenweit für Camel-Filter geht", reiste er um die Welt, verdiente viel Geld und sammelte Erfahrung. 1989 - seine Ehe war in die Brüche gegangen, die beiden Kinder erwachsen - wollte Scholz den Hof wieder verkaufen. Doch inzwischen wurden auf dem Beuerhof Seminare mit indianischem Hintergrund angeboten. Und das lockte viele Besucher an. Und so kam eines Tages ein waschechter Indianerhäuptling vorbei und der veränderte das Leben des gebürtigen Breslauers gewaltig. Scholz berichtet: "Er riet mir in der Schwitzhütte, den Hof nicht zu verkaufen, denn so einen Platz verkaufe man nicht." Er folgte dem Rat von Lakota-Chef Archie Lame Deer, der zum Freund wurde und Dieter Scholz wichtige Inspirationen für sein weiteres Leben gab.
Der Beuerhof (mit zwölf Hektar Grundstücksfläche) ist heute ein spirituell-ökologisches Kommunikationszentrum, "ein Kraftort in der Vulkaneifel", wie Scholz sagt, mit Seminar- und Gästehaus, Camps, Workshops. Zudem gibt es außergewöhnliche Einrichtungen wie Schwitzhütten (eine Sauna im Indianerzelt; siehe Zweittext) und ein Tipidorf. So herrscht immer auch ein wenig Indianerromantik.
"Das ist gewollt", sagt Scholz, denn selbst habe er sich ja auch durch Riten und das Wissen der Lakota-Indianer oft inspirieren lassen. Gerade war er wieder zwei Wochen in South-Dakota beim großen Sonnentanz der Dakota-Indianer.
Für Scholz haben die Gesetze der Naturvölker auch Bedeutung für das moderne Leben. Indianer seinen das Urvolk des ländlichen Lebens, das den Menschen in der Eifel noch einigermaßen vertraut sei. Scholz sagt: "In den Seminaren vermitteln wir den Menschen das Bewusstsein für die Natur, in Respekt und Achtsamkeit für sich und andere zu leben und dabei Glück und Zufriedenheit zu erlangen. Die Menschen merken oft gar nicht mehr, in welchem Hamsterrad sie drin sind."
Den Beuerhof besuchen Privatleute ebenso wie Vertreter großer Konzerne wie DM-Markt, Yellow Strom, Lufthansa oder Jack Wolfskin. Schließlich funktioniere "Teambildung hier besser als in einem Vier-Sterne-Hotel oder im Büro", erklärt Scholz, dem man seine 79 Jahre nicht ansieht.
Barfuß durch den Wald gehen, Gesprächskreise, Naturerfahrungen, die Verbindung von Menschen zu Pflanzen erkennen, Feuer machen, ein Tipi aufbauen: Das und mehr wird auf dem Beuerhof angeboten. "Dabei kommen die Menschen zur Ruhe, der Unterschied vorher-nachher ist immens. Die Ausstrahlung und Ruhe danach, es ist ein Stück Bewusstseinserweiterung", sagt Scholz.
Pro Jahr kommen so rund 5000 Übernachtungen zustande. Da es im Anwesen nur 40 Betten gibt, profitiert das Umland von den Besucherzahlen. Um die Organisation kümmert sich ein fünfköpfiges Mitarbeiterteam, ab und an sind auch Helfer aus der ganzen Welt auf dem Beuerhof.
Dieter Scholz ist zwar angekommen, aber nicht bei den Einheimischen, wie er bedauernd sagt. "Ich bin immer noch ein Zugezogener. Trotzdem habe ich ein gutes Verhältnis zu den Dorfbewohnern. Nur leider kommen sie nicht zu uns. Man kennt uns in Hamburg und Berlin besser als hier im Nachbardorf. Deshalb ist so ein Jubiläum auch sehr gut, um uns kennenzulernen", hofft er auf viele Gäste vor allem aus der Nähe.
Extra: DAS PROGRAMM DES JUBILÄUMSFESTES


Am Samstag (ab 14 Uhr) und Sonntag, 2. und 3. September, werden eine Reihe interessanter Workshops, Vorträge und Konzerte veranstaltet. Es gibt Stände mit handwerklichen und künstlerischen Arbeiten. Einer der Höhepunkte ist der Konzertabend am Samstag sowie ein Sonntagskonzert am Vormittag. Das Hofcafé bietet rund um die Uhr Essen und Trinken. Info: info@beuerhof.de oder Telefon 02696/283.

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