Sportverein Fortuna Nohn: Seit 90 Jahren am Ball

Nohn · Mit seinen 90 Vereinsjahren hat der SV Fortuna 21 Nohn eine generationenübergreifende Fußballgeschichte geschrieben. Die Feierlichkeiten zum Jubiläum münden in einem Kommers mit Ehrungen und Tanz am Freitag, 14. Oktober, im Nohner Gemeindehaus.

Nohn. Seit der Gründung des SV Fortuna 21 Nohn im Mai 1921 in der Gaststätte Heidinger geht sprichwörtlich die Post ab. Das Tempo hat nicht nur mit dem Fußball, sondern auch mit dem Fahrrad zu tun. "Radfahren war damals eine beliebte Attraktion", erklärt der zweite Vorsitzende Stefan Hüttenes. "Hinter dem alten Sportplatz befand sich sogar eine Rennbahn mit Steilkurve."
Anfangs sind Karl Heidinger Spielleiter, Johann Dreymüller Schriftführer und Josef Floh Kassierer. Schon 1922 gibt es das erste Sportfest unter dem ersten Vorsitzenden Franz Dockter. Ein Jahr später sichert sich die Mannschaft bereits die Kreismeisterschaft.
Festschrift zum Jubiläum


1969 tritt Dockter zurück und bleibt als Ehrenvorsitzender dem Verein verbunden. Sein Nachfolger heißt Helmut Probst. Heute führt Heinz-Georg Reuter die SV-Geschicke. Eine 110 Seiten dicke Festschrift hält die Vereinsgeschichte akribisch fest. Besonders lebendig sind die Erinnerungen der Alten Herren. Die Jugend muss sich noch nach dem Zweiten Weltkrieg manches Spiel erkämpfen.
Josef Düx ist seit 50 Jahren im Verein und heute 76 Jahre alt. Als Schüler holt er sich wegen des Fußballs öfter lange Ohren. "Wenn sonntags in Wershofen um 13 Uhr Spiel war, mussten wir uns mit dem Rad beeilen." Der Grund: Um 14.30 Uhr war Christenlehre beim Pfarrer angesagt. "Wenn wir nicht oder zu spät kamen, war der Teufel los." Später sind die Pfarrer toleranter. 1961 weiht Pfarrer Lingenau den alten Sportplatz, den sogenannten Gottesacker, ein, der bereits seit 1967 über Flutlicht verfügt. 1977 wird der neue Sportplatz eingeweiht (Kosten 86 000 Euro). Ein Trainingsplatz kommt 1992 hinzu (70 000 Euro). 2006 wird das Vereinshaus renoviert. Der größte sportliche Erfolg der Männer ist der Aufstieg in die Eifelliga 1971/72, heute vergleichbar mit der Bezirksliga. Das spannendste Spiel des Vereins ist der Krimi von 1998 um den Abstieg gegen Bongard/Brück/Dreis. Erst im Elfmeterschießen setzt sich Nohn durch. Andere "Kämpfe" gab es in Adenau. "Wir hatten keinen Bus genehmigt bekommen", erinnert sich Düx. Die Nohner müssen sehen, wie sie zum Spiel kommen, während die Gegner im genehmigten Bus vorfahren. "Da hatten wir Brass." Eine Missstimmung, die sich nicht nur im Spiel äußert, sondern in Handgreiflichkeiten nach dem Spiel gipfelt.
Fußball war Männersache, trotzdem ist Nohn eine Keimzelle des Frauenfußballs. 1970 wird dort ein Spiel zwischen Ochtendung und Bad Neuenahr vor 2500 Zuschauern ausgetragen. Torfrau Maria Nelles stammt aus Nohn Sie spielte in einer Stadtmannschaft von Bad Neuenahr, die inoffiziell schon die deutschen Farben bei internationalen Turnieren vertrat, als Frauenfußball in Deutschland noch verboten war. Heute heißt sie Breuer und ist Abteilungsleiterin der Frauen der TuS Wörrstadt. Zum 90. Vereinsjubiläum hat es ein Spiel des Frauenfußball-Bundesliga-Cups zwischen dem SC 07 Bad Neuenahr und der SG Essen-Schönebeck gegeben. Während der Sportwoche im Mai sind zudem die Ü-40-Rheinlandmeisterschaften ausgetragen worden. Schon die vorherigen Jubiläen waren Höhepunkte: 1996 feierte der Verein sein 75-jähriges Bestehen mit einem Spiel des 1. FC Köln gegen die Alten Herren aus den Kreisen Adenau und Daun. Koryphäen wie Wolfgang Overath, Hannes Löhr und Bernd Cullmann spielten mit. Noch mehr Erinnerungen haben die langjährigen Mitglieder in petto, die beim Festkommers geehrt werden.
Gefeiert wird am Freitag, 14. Oktober ab 20 Uhr im Nohner Gemeindehaus.