Justiz: Staatsanwalt: Einsturz war zu verhindern

Justiz : Staatsanwalt: Einsturz war zu verhindern

Ermittlungsbehörde geht nach Gutachten davon aus, dass das Unglück an der Grundschule Gerolstein bei ordnungsgemäßer Wartung nicht passiert wäre. Für die Kinder fällt noch Monate Sportunterricht aus.

  Vor mehr als einem halben Jahr (am 12. Juni) ist ein Teil des Daches der Grundschulturnhalle in Gerolstein eingestürzt – weil sich Wassermassen angesammelt haben. Die Halle war zum Zeitpunkt des Unglücks stark besetzt: mit rund 90 Schülern und vier Lehrkräften. Bei der Evakuierung hat sich ein Erstklässler bei einem Sturz das Schlüsselbein gebrochen, ein Viertklässler erlitt Schürfwunden.

Die maßgeblichen Fragen zu dem Vorfall sind noch immer nicht beantwortet: beispielsweise wer die Verantwortung trägt, wann die Halle saniert wird und wann sie letztlich wieder genutzt werden kann. Derzeit sind im Hintergrund zahlreiche Menschen, Behörden und Dienstleister damit beschäftigt, Antworten auf diese Fragen zu finden.

Die rechtliche Seite: Triers Leitender Oberstaatsanwalt Peter Fritzen teilt auf TV-Anfrage mit, dass das von ihm beauftragte Gutachten eines Sachverständigen für Gebäudeschäden inzwischen vorliege und es auch dem rechtlichen Vertreter der Verbandsgemeinde Gerolstein zur Kenntnis gegeben worden sei. Fritzen sagt: „Der Sachverständige kommt darin zu dem Ergebnis, dass der Einsturz des Daches der Turnhalle auf eine Überlast zurückzuführen sei, die dadurch entstanden sei, dass Wasser vom Dach über längere Zeiträume nicht ausreichend habe ablaufen können.“ Aufgrund der Belastungsdauer hätten sich im Dach zunehmend Deformierungen in Form sogenannter „Wassersäcke“ gebildet, bis letztlich die Tragfähigkeit der Holzdachkonstruktion überschritten gewesen sei. Nach Auffassung des Sachverständigen, so Fritzen, hätte der Zustand des Daches bei einer aufmerksamen Wartung auffallen müssen.

Oberstaatsanwalt Fritzen sagt: „Es besteht daher der Verdacht, dass für den Einsturz des Daches am 12. Juni 2018 Mängel bei der Wartung und Inspektion mitursächlich waren.“ Da bei der Evakuierung zwei Schulkinder verletzt wurden, habe die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen Unbekannt eingeleitet. Nun werde der Frage nachgegangen, welche Inspektions- und Wartungsmaßnahmen vorgenommen worden seien und wer für die pflichtgemäße Wartung und Inspektion des Daches verantwortlich gewesen sei. Hierzu seien Unterlagen der VG-Verwaltung eingezogen worden. Deren Auswertung sei noch nicht abgeschlossen.

Hans-Josef Hunz, Büroleiter der VG Verwaltung Gerolstein, sagte, dass die Arbeit der Ermittlungsbehörden selbstverständlich unterstützt würden, „gegenüber der Presse und der Öffentlichkeit werden wir bis zum Abschluss der Ermittlungen aber keine Stellungnahme abgeben“.

Die geplante Generalsanierung: Im September 2018 haben sich  Gremien der alten VG Gerolstein für eine Generalsanierung der 1979 erbauten Halle ausgesprochen. Laut Schätzung soll sie 3,3 Millionen Euro kosten. Neben dem Dach, das komplett erneuert werden soll, sollen auch die durch den Wassereinbruch in Mitleidenschaft gezogenen Seitenwände,  der Hallenboden und auch die veralteten die Sanitärräume erneuert werden. Auch eine neue Heizung sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sollen eingebaut werden.

Nach Angaben des beauftragten Planungsbüros soll die Bauzeit 15 bis 16 Monate betragen. So sagte Architekt Eric Schön vom Planungsbüro pbs aus Aachen im September vergangenen Jahres: „Wenn wir umgehend starten, wird die Halle zum Jahresende 2019 wieder nutzbar sein.“ Das ist längst nicht mehr zu halten. So sagt der neue Bürgermeister Hans Peter Böffgen auf TV-Nachfrage: „Mit dem Baustart rechnen wir ... in der zweiten Jahreshälfte 2019. Wir werden das Projekt unsererseits mit der höchstmöglichen Priorität behandeln.“

Die Situation in der Schule: „Wir sind kreativ, lassen uns was einfallen. Aber natürlich ist das alles nur eine Notlösung und kann keinen Dauerzustand darstellen“, sagt Angela Lerch, stellvertretende Leiterin der Grundschule Waldstraße, zum deutlich dezimierten Sportunterricht seit der Hallensperrung aufgrund des Dacheinsturzes.

Durch vier Maßnahmen wird versucht, zumindest einen Basis-Sportunterricht anzubieten: Erstens hat der Schulträger die Tennishalle im Mossweg vormittags angemietet, die fußläufig fünf Minuten von der Schule entfernt ist. Dort ist zwar „kein wirklicher Sportunterricht möglich, dafür lernen unsere Kinder jetzt Tennis“, sagt Angela Lerch. Denn auch Mitglieder des Tennisclubs sind als Trainer ab und an dabei. Zweitens wird der Grundschule stundenweise die kleine Halle des benachbarten Förderzentrums zur Verfügung gestellt – sofern es der Belegungsplan hergibt. Drittens soll der Schwimmunterricht im Hallenbad bis Ostern etwas ausgeweitet werden, sodass alle zweiten Klassen das nutzen können. Sonst ist es immer nur ein Teil der derzeit drei zweiten Klassen. Im Freibad könne das dann allerdings nicht mehr angeboten werden.

Und viertens versuchen die Lehrer mit den Kindern „auf dem Schulhof Ballspiele zu spielen und sonstige Bewegungseinheiten zu machen“, sagt Lerch, denn: „Es ist ja auch für uns wichtig, dass die Kinder rausgehen und ihrem Bewegungsdrang nachkommen können.“ Deshalb sei es vor allem kritisch, dass „wir für unsere Ganztagskinder am Nachmittag keine geregelten Sportangebote mehr haben. Und die haben bislang eine große Rolle gespielt“, so die stellvertretende Schulleiterin. Anstelle dessen würden nun Basteleinheiten wie Laubsägen angeboten. Doch gerade bei den Jungs, die viel Bewegung bräuchten, ist das laut Lerch „sehr problematisch“.

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