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Stadt macht ernst: Brunnenareal soll Magnet werden

Stadt macht ernst: Brunnenareal soll Magnet werden

Neustart nach drei Jahren: Der neue Stadtrat von Gerolstein hat nun den formalen Startschuss für die Umgestaltung des innerstädtischen Areals des Gerolsteiner Brunnens sowie der angrenzenden Flächen beschlossen. Das ist die Grundlage, um Landesfördermittel zu bekommen. Was dort angesiedelt wird, ist aber weiterhin offen.

Gerolstein. Deutliches Votum nach mehrstündiger Diskussion: Gerolstein. Der Stadtrat Gerolstein hat am Donnerstagabend einstimmig (bei sechs Enthaltungen von FWG und Grünen) beschlossen, eine gemeinsame förmliche Stadtumbaumaßnahme (nach Paragraf 171a des Baugesetzbuches) einzuleiten: erstens für das innerstädtische Areal des Gerolsteiner Brunnens am Stadteingang aus Richtung Pelm, zweitens für die auf der anderen Seite der B 410 gelegenen Flächen (Dreestreppchen, Parkplatz Pauls, McDonald\'s) und drittens für das Bahnhofsumfeld. Sie ist Grundlage dafür, dass die Stadt beim Land Fördergeld beantragen kann - beispielsweise durch Städtebauprogramme oder die Gewässerrenaturierungsmaßnahme "Aktion Blau Plus", die wegen ihrer bis zu 95-prozentigen Förderquoten besonders attraktiv ist.
Denn ein zentrales Ziel (siehe Extra) ist - neben der Ansiedlung attraktiver Gewerbebetriebe - die Aufwertung der Kyll zum Anziehungspunkt für Einheimische und Gäste. Das betonte Stefan Kutscheid, Geschäftsführer der Faco, eines Bitburger Planungsbüros und Immobiliendienstleisters. In dessen Hände hat der Gerolsteiner Brunnen die Planung für die künftige Nutzung des Areals gelegt, das auch im Stadtrat durchgängig als "Filetstück" für die künftige Stadtentwicklung gesehen wird.28 000 Quadratmeter nutzbar


Wie das 36 000 Quadratmeter große Areal, von dem laut Kutscheid rund 28 000 Quadratmeter für eine Umnutzung infrage kommen, künftig aussehen wird, und wer sich dort alles ansiedelt, ist aber weiterhin völlig offen.
Der Gerolsteiner Brunnen hatte seinen Betrieb dort zum Ende vergangenen Jahres eingestellt und öffnet das Areal für eine städtebauliche Nutzung. Lediglich die sogenannte Brunnenstube, der Gebäudekomplex direkt neben dem Landesbetrieb Mobilität, bleibt bestehen. Die anderen Hallen werden laut Kutscheid abgerissen, "neue Gebäude werden aber ausschließlich auf den bestehenden Fundamenten errichtet werden können", sagte der Planer. Auch werde es keine Grabungen etwa für Keller dort geben.
"Höchste Priorität bei allen Maßnahmen hat der Schutz der Quellen des Gerolsteiner Brunnens auf dem Areal", betonte Kutscheid. Aus diesem Grund und einer auferlegten Beschränkung von maximal zweigeschossiger Bauweise wird das Thema Wohnbebauung anders als in den ursprünglichen Überlegungen kaum mehr eine Rolle spielen. Die künftige Nutzung des Areals ist bereits vor drei Jahren in Gerolstein intensiv diskutiert worden - unter anderem in einer Bürgerversammlung. Zwischenzeitlich war die Diskussion aber wieder eingeschlafen - unter anderem wegen der Kommunalwahl, wie Gerolsteins Rathauschef Matthias Pauly (CDU) erklärte.
Und laut Kutscheid seien zwischenzeitlich auch nicht die Hände in den Schoß gelegt, sondern "wichtige Fragen geklärt" worden.Produktionshalle wird abgerissen


Erstens sei nun klar, dass die Produktionshalle nicht unter Denkmalschutz stehe und daher abgerissen werden dürfe. Zweitens sei nach langen Verhandlungen nun auch sichergestellt, dass das Areal in unmittelbarer Nähe zur Kyll trotz immenser wasserschutzrechtlicher Auflagen umgebaut werden dürfe.
Kutscheid: "Der Umbau wird genehmigt, ein Neubau auf einer zuvor grünen Wiese hätte dort aber keine Chance gehabt", unterstrich der Planer die hohen Hürden.
Als eine Hürde während der Ratssitzung erwies sich auch die Frage, ob direkt ein kostenintensives Städtebauprogramm in Auftrag gegeben werden soll oder man es zunächst beim kostenneutralen förmlichen Umbaubeschluss belassen wolle. Letztlich gab es für die letztgenannte Alternative ein deutliches Votum.
Auch der neue Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) sagte nach der Abstimmung: "Es ist höchste Zeit, dass es nun losgeht."Meinung

Bürger informieren und einbeziehen
So richtig erklären konnte niemand, weshalb ganze drei Jahre ins Land gegangen sind, ohne dass beim für Gerolstein zentralen Projekt "Umnutzung des Brunnenareals" sichtbare Fortschritte gemacht wurden. Klar, die Kommunalwahl (vom Wahlkampfstart bis zur Konstituierung und Einarbeitung des neuen Rats) sorgt locker für ein halbes Jahr Leerlauf. Aber zweieinhalb Jahre für Verhandlungen um Wasserrecht und Denkmalschutz? Schwer nachvollziehbar. Und falls es dennoch so war, haben Stadt und Faco es auf jeden Fall versäumt, die Öffentlichkeit auf dem Laufenden zu halten. Ob sie es wollen oder nicht: Die Bürger haben ein Recht darauf, zeitnah über die Planungsfortschritte informiert zu werden. Besser wäre es, ihre Ideen im Vorfeld miteinzubeziehen. Da sollten die Ansätze von vor drei Jahren wieder aufgenommen werden. Schließlich kann das Projekt maßgeblich darüber entscheiden, wie sich die Brunnenstadt insgesamt entwickeln wird. m.huebner@volksfreund.deExtra

Mit der Umnutzung des Areals des Gerolsteiner Brunnens werden folgende Ziele verfolgt: Ansiedlungen: Gewerbebetriebe und Dienstleister ansiedeln, um die Attraktivität Gerolsteins zu erhöhen. "Und zwar als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zur Innenstadt", wie Planer Stefan Kutscheid betont. Verbindung: Die zentrale Frage, wie Kunden vom neuen Areal auch in die Innenstadt gelockt werden sollen, ist aber noch nicht beantwortet. Auch gehen bislang die Meinungen auseinander, was Zusatzangebot, was Konkurrenz für die Innenstadt darstelle. Gesamtkonzept: Neben dem Brunnenareal sollen auch die angrenzenden Bereiche umgestaltet werden und zusammen ein einheitliches Bild ergeben. Das sind das Bahnhofsgelände und die auf der anderen Seite der B 410 gelegenen Flächen (Dreestreppchen, Parkplatz Pauls, McDonald\\'s). Kyll: Unter dem Stichwort "Gerolstein und das Wasser" soll auch die Kyll deutlich aufgewertet werden. Denn bislang wird sie hinter den großen Hallen gar nicht wahrgenommen. Ideen sind ein Wasserspielplatz oder ein Strand - mit gastronomischem Angebot. mh