Stadt sucht nach Lösungen für marodes Kurmittelhaus

Stadt sucht nach Lösungen für marodes Kurmittelhaus

Das Mineralbad im Kurmittelhaus in Daun ist wegen Schäden am Dach geschlossen. Der Kneippverein hat für die Kurse, die wegen der Schließung ausfallen mussten, Ausweichmöglichkeiten gefunden. Aber am bisherigen Standort will er nicht rütteln. Der Stadtrat berät nun, wie es mit dem Gebäude weitergeht.

Daun. Die Entscheidung, wie das Freibad am Gemündener Maar neu gestaltet wird, hatte ursprünglich Schwerpunkt der heutigen Stadtratssitzung sein sollen, aber nun steht ein weiteres Sorgenkind mit auf der Tagesordnung: die Sanierung des Kurmittelhauses am Kurpark. Das Gebäude ist Ende Januar geschlossen worden, nachdem an zwei Stellen durch das Dach Wasser eingetreten ist. Erfolgreiche Suche nach Ausweichmöglichkeiten: Eine Schließung mit Folgen für den Kneippverein Daun: Er nutzt seit vielen Jahren das Mineralbad im Kurmittelhaus für Warmwasserkurse. 16 mit fast 400 Teilnehmern sind es aktuell, und viele von ihnen haben den Verein gebeten, so schnell wie möglich eine Alternative zu finden. "Das hat uns in den vergangenen Tagen ordentlich auf Trab gehalten", berichtet Kneippvereins-Geschäftsführer Wolfgang von Wendt. Die Suche nach Ausweichmöglichkeiten war erfolgreich: "Dabei haben uns die guten Kontakte zum Krankenhaus Daun und zum Regina-Protmann-Seniorenhaus geholfen. Beide verfügen über Warmwasserbäder, und es sind noch einige Termine frei, so dass wir voraussichtlich ab dem 25. Februar dort Kurse anbieten können." Auch für die Yoga-Kurse des Vereins, die ebenfalls im Kurmittelhaus veranstaltet wurden, gibt es einen Ersatzort: das Gebäude der Firma Apra in Boverath. Verein will am Standort nicht rütteln: So froh er ist, Ausweichmöglichkeiten gefunden zu haben, am Standort Kurmittelhaus will der Geschäftsführer des Kneippvereins nicht rütteln: "Was wir jetzt kurzfristig erreicht haben, ist nur provisorisch. Wir wollen so schnell wie möglich zurück an unseren angestammten Platz." Ein Konzept, was mit dem Gebäude passieren soll, fordert der Verein schon lange. "Wir brauchen eine Perspektive, ob wir auf lange Sicht mit dem Kneippbad im Kurmittelhaus planen können", sagt von Wendt. Er wünscht sich, dass der Stadtrat (in dem er als Mitglied der Fraktion des Gewerbe- und Verkehrsvereins sitzt) "beschließt, das Bad wieder so herzurichten, dass es von uns wieder genutzt werden kann. Vielleicht ist die Schließung eine Initialzündung für den Rat zu sagen: ,Jetzt machen wir es richtig\'." Kleineres Haus, niedrigere Kosten?: Aber was kostet eine Sanierung? Das Gebäude ist in schlechtem Zustand, würde nur das Allernotwendigste gemacht, wären allein dafür schon rund 200 000 Euro fällig. Allerdings ist kein Fördertopf in Sicht. Die Stadtratsfraktionen haben bislang bekundet, das Kurmittelhaus erhalten zu wollen. Diskutiert wurde, ob Teile des Gebäudekomplexes abgerissen werden können in der Hoffnung, dass mit einem kompakteren und energetisch sanierten Haus die Kosten niedriger wären. Von dieser Option könnte die Sauna betroffen sein, die seit einigen Jahren in einem Nebengebäude untergebracht ist. "Sie hat auch nichts mit der Schließung des Bads zu tun, die Sauna ist nach wie vor geöffnet", stellt Carsten Lindner klar, der die Sauna im stadteigenen Kurmittelhaus-Anbau seit 2005 betreibt. Sollte die Sauna ins Hauptgebäude verlegt werden, hätte Lindner kein Problem damit. Im Gegenteil: "Diesen Vorschlag habe ich schon vor geraumer Zeit der Stadt gemacht." Wie der Kneippvereins-Geschäftsführer hofft auch der Sauna-Betreiber auf ein Signal vom Stadtrat: "Ich würde mich jedenfalls über eine zeitnahe Entscheidung, wie es weitergeht, freuen."Der Stadtrat tagt heute, Donnerstag, um 17 Uhr im Forum Daun.Extra

Das Kurmittelhaus wurde vor 1900 gebaut. Dort betrieb der Dauner Sprudel das Haus bis in die 1960er Jahre. 1969 pachtete die Stadt das Kurmittelhaus. Mitte der 1990er Jahre wurde in das Haus viel Geld gesteckt, nachdem es mehr als zwei Jahre nicht genutzt worden war. Der Pachtvertrag zwischen Stadt und Sprudel hätte bis 2026 laufen sollen, aber 2010 kaufte die Stadt den Gebäudekomplex (altes Kurmittelhaus plus Anbau) für gut 100 000 Euro vom Unternehmen. Damals befanden sich dort eine Sauna und eine Physiotherapie-Praxis, die Mitte 2010 geschlossen wurde. sts