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Stadt und Kreis streiten um Thomas-Morus-Kirche

Stadt und Kreis streiten um Thomas-Morus-Kirche

Wie geht es weiter mit der Thomas-Morus-Kirche in Daun? Mit dieser Frage hat sich wieder der Stadtrat beschäftigt. Das Gremium stört sich daran, dass die Kreisverwaltung befürwortet, dass das Gotteshaus unter Denkmalschutz gestellt werden soll.

Daun. Die endgültige Entscheidung steht noch aus, aber wer darauf gehofft haben sollte, die Kreisverwaltung als Untere Denkmalschutzbehörde werde sich - im Interesse der Stadt Daun - gegen eine Unterschutzstellung der Thomas-Morus-Kirche aussprechen, ist enttäuscht worden. In der Stellungnahme des Kreises an die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz heißt es unter anderem, die Kirche verfüge "über eine hohe gestalterische Qualität". Es gelte, die "bisher nur in der Fachwelt geachtete Epoche der frühen 70er Jahre mit den ersten komplexen Sichtbetonbauten im ländlichen Raum zu erhalten".
Die katholische Kirchengemeinde Daun als Eigentümerin wäre sicher froh, wenn sie sich nur Gedanken um die architektonische Bedeutung der Kirche machen müsste, sie hat aber ganz andere Probleme mit dem Gotteshaus. Auch wegen des desolaten Zustands des von 1968 bis 1970 an der Berliner/Prümer Straße errichteten Gebäudes wurde 2013 beschlossen, die Kirche aufzugeben. Es wurden Gespräche mit Projektentwicklern und Investoren geführt, und es gibt Vorschläge für ein Projekt, das Wohnen mit allgemeinen Wohnbereichen, Generationenwohnen, betreutem Wohnen und Wohngemeinschaften umfassen soll.
Alle Gedankenspiele haben aber einen gehörigen Dämpfer bekommen, nachdem die Generaldirektion verkündet hat, sie beabsichtige, die Kirche als Denkmal einzustufen. Dann aber wären Gelände und Gebäude kaum mehr zu verkaufen, fürchten die Verantwortlichen der Kirchengemeinde. Sie stören sich auch an der Verfahrensweise der Kreisverwaltung: "Die Stellungnahme haben wir nicht direkt erhalten, sondern mussten sie uns auf Umwegen beschaffen", berichtet Matthias Brauns, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats. Begründung des Kreises: Es sei ein "internes Verfahren". Brauns: "Das ist ein schon mehr als seltsames Verhalten."
Ihn stört vor allem eine Passage in der Stellungnahme. Darin heißt es: "Die […] äußere Schale weist trotz der in den letzten Jahren eher als mangelhaft zu bezeichnenden Bauunterhaltung nur wenige wesentliche Schädigungen auf." Für den Verwaltungsrat-Vertreter grenzen diese Ausführungen "schon an Anmaßung […] man glaubt, die Kreisverwaltung habe keine Ahnung, was die Kirchengemeinde alles zu unterhalten hat."
Auch der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung das Vorgehen des Kreises moniert. Das Gremium hatte sich im Februar in einer Resolution dagegen ausgesprochen, dass die Thomas-Morus-Kirche unter Denkmalschutz gestellt werde. Darin wurde unter anderem angeführt, dass wenn die Denkmalpflege die Ideen für eine neue Verwendung blockiere, sei eine nicht abzusehende negative Entwicklung in diesem Bereich der Stadt zu erwarten. Ohne eine Folgenutzung würde der Bau dem Verfall preisgegeben.
Aber die Position der Stadt sei von der Kreisverwaltung "weitgehend ignoriert worden", kritisierte Stadtbürgermeister Martin Robrecht. Er habe Vertreter des Kreises eingeladen, die Haltung der Behörde im Stadtrat zu erläutern. Dieses Angebot sei aber mit Hinweis darauf, es sei ein "schwebendes Verfahren", nicht angenommen worden.
Die Kreisverwaltung habe die Resolution "abqualifiziert", wurde von Ratsmitgliedern kritisiert, was ein "Affront" gegen die Stadt und den Rat darstelle. "So etwas macht man nicht", sagte CDU-Fraktionssprecher Gerd Becker. Der Rat will nun abwarten, wie die Entscheidung der Generaldirektion Kulturelles Erbe als die maßgebliche Instanz ausfällt. Stadtbürgermeister Robrecht machte aber auch klar: "Es muss alles getan werden, damit auf dem Kirchengelände kein Leerstand entsteht." sts