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Stadt und Land investieren in die Stadtmauer

Stadt und Land investieren in die Stadtmauer

Die Finanzierung steht: Der marode hölzerne Wehrgang an der Hillesheimer Stadtmauer wird in diesem Jahr saniert. Mehr als die Hälfte der Kosten von 65 000 Euro übernimmt das Land.

Hillesheim. Die gut erhaltene und restaurierte Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert ist die größte Sehenswürdigkeit Hillesheims, kaum ein Besucher verlässt die Stadt ohne einen Besuch des Wahrzeichens.
Das bestätigt auch Jürgen Mathar von der Bauabteilung der Verbandsgemeindeverwaltung Hillesheim: "Zur Stadtmauer will praktisch jeder. Und wer davorsteht, will auch drauf."
Das Interesse an der Stadtmauer sei zwischenzeitlich noch größer geworden, da nach der Eröffnung des Eifelsteigs 2009 deutlich mehr Gäste nach Hillesheim kommen.
Aber wie so viele historische Bauten ist auch die Stadtmauer eine Dauerbaustelle. Kaum ein Jahr, in dem nicht etwas an ihr gemacht werden muss. So kann die Mauer schon seit längerem teilweise nicht mehr sicher bestiegen und die Aussicht über Hillesheim nicht mehr genossen werden. Denn der hölzerne Wehrgang ist marode und beschert der Stadt immer wieder Probleme, wie Jürgen Mathar, der das Bauwerk und dessen Sanierung schon seit vielen Jahren betreut, bestätigt. Mit Zustimmung der Denkmalpflege ist schon ein Teil des Wehrgangs durch eine Metallkonstruktion ersetzt worden.
Aber ohne Landesunterstützung war das Projekt nicht realisierbar, denn die schlechte Finanzlage der Stadt erlaubt es nicht, die Sanierungskosten selbst zu stemmen. Nach dem Besuch einer Delegation mit Vertretern des Ministeriums und der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier, die sich auf Einladung von Stadtbürgermeister Matthias Stein ebenfalls an der Stadtmauer informierte, gab es wieder Hoffnung auf eine Unterstützung des Landes.
Ein Fall für Spezialisten


Jürgen Mathar berichtet, dass die Behördenvertreter die große touristische Bedeutung der Stadtmauer erkannt und eine Förderung sowie die Erlaubnis zum vorzeitigen Baubeginn in Aussicht gestellt hätten. Der formelle Förderantrag war denn auch erfolgreich, wie Mathar berichtet: "Wir erhalten eine 60-prozentige Bezuschussung."
Die Kosten für das Vorhaben beziffert er auf rund 65 000 Euro. Die Arbeiten sind ausgeschrieben, und die Umsetzung soll in diesem Jahr erfolgen.
Darauf hofft auch der Stadtbürgermeister, sagt aber: "Eine Vor-anfrage bei bestimmten Firmen hat ergeben, dass deren Auftragsbücher bis ins nächste Frühjahr voll sind. Mal sehen, ob das trotzdem noch klappt und mit welchen Preisen wir konfrontiert werden."
2009/2010 hat die Stadt komplett mit eigenen Mitteln für rund 12 000 Euro den Wehrgang an der Westmauer ersetzt. 68 Meter Metallgeländer sorgen für die Sicherheit der Besucher. Nun soll der zweite Bauabschnitt folgen. "Er ist aber wesentlich aufwendiger", sagt Mathar.
Die Südmauer ist - vom Innenbereich gerechnet - mit zwölf Metern wesentlich höher, der Wehrgang ist freihängend und umfasst zudem Podeste und einen Treppenaufgang zum Eckturm, im Volksmund als Hexenturm bekannt.
Insgesamt werden rund 80 Meter Geländer ersetzt. "Anders als an der Westmauer muss für das Anbringen des Wehrgangs diesmal ein sehr hohes Gerüst mit entsprechender Abstützung aufgebaut werden. Insgesamt sind es rund 440 Quadratmeter", sagt Mathar. Und auch das eigentliche Anbringen ist nur etwas für Spezialisten. Mathar berichtet: "Ähnlich wie bei Hangsicherungen werden tiefe Löcher ins Mauerwerk gebohrt. Dann wird der Wehrgang mit Schwerlastdübeln angebracht."Die Hillesheimer Stadtmauer stammt aus dem 13. Jahrhundert. Ein großer Teil der Anlage ist noch erhalten und, wenn nicht wegen Bauarbeiten gesperrt, über den wiedererrichteten Wehrgang zu begehen. Von der Stadtmauer aus hat man einen schönen Blick über den Ort und das Kylltal. Die Franzosen sprengten 1689 die Befestigungen und zerstörten Hillesheim. Nach dem Wiederaufbau zerstörte 1705 eine englische Armee erneut die Stadt. Es dauerte einige Jahrhunderte, bis aus den Resten die heute zu besichtigende Stadtmauer mit einigen Türmen wieder instandgesetzt wurde. red