Stärken stehen im Vordergrund

Stärken stehen im Vordergrund

Angelika Heber steht seit September bei der Kreisverwaltung für ein Novum. Änderungen in der Gesetzgebung in der Kinderbetreuung machten die Stelle der "kommunalen Fachberatung für Kindertagesstätten und Tagespflege" nötig.

Daun. Die 49-jährige Diplompädagogin Angelika Heber ist im Landkreis Vulkaneifel bekannt. Sie war Leiterin im Sonderkindergarten Oberstadtfeld, in der integrativen Kindertagesstätte (Kita) Hillesheim und von 1991 bis August 2006 Leiterin der integrativen Kita Daun. Heber hat ein Aufbaustudium "Master of social work" absolviert und ihre Masterarbeit über "Qualitätsmanagement in Kitas" geschrieben. Damit ist sie die ideale Besetzung für die neue Stelle in der Kreisverwaltung.Das letzte Kita-Jahr ist beitragsfrei

Dietmar Engeln, stellvertretender Leiter des Jugendamtes: "Seit Januar 2006 haben wir den Qualitätssicherungsauftrag per Gesetz zu erfüllen und die Hinwirkungspflicht, alle Vorschulkinder in die Kitas zu bringen." Ein großes Thema bei den Vorschulkindern ist die Sprachförderung. Die erfahrene Pädagogin Heber: "Werden bei der Einschulungsuntersuchung sprachliche Defizite festgestellt, ist die Teilnahme an der Sprachförderung in der Kita Pflicht." Deshalb wurden die Einschulungsuntersuchungen in den September vorverlegt. Außerdem ist der Besuch im letzten Kita-Jahr beitragsfrei. Heber kommentiert den positiven Nebeneffekt: "Das hat in einigen Familien dazu geführt, dass die Kinder regelmäßig die Kita besuchen." Für die Sprachförderung in Kitas sind im Landkreis Vulkaneifel derzeit 18 Lehrkräfte zuständig. Es wurde auf Kreisebene ein Arbeitskreis eingerichtet, der von Heber betreut wird. Sie berichtet von den ersten Erfahrungen: "Es hat sich herausgestellt, dass der Bedarf sehr unterschiedlich ist." In der Basisförderung werden bis zu zehn Kinder in zwei Wochenstunden unterrichtet. In der Intensivförderung maximal fünf Kinder vier Wochenstunden. Außerdem ist Heber für die konzeptionelle Weiterentwicklung der Einrichtungen zuständig. Darunter fallen die Ausweitung der Betreuungszeiten, Schaffung von Ganztagsangeboten und die Aufnahme von anderen Altersgruppen (Krippen- oder Hortkinder). Für die Aufnahme von Zweijährigen (Rechtsanspruch ab 2010) müssen alle Erzieherinnen laut Gesetz im Vorfeld eine Fortbildung absolvieren. Auch bei der Umsetzung der Bildungs- und Erziehungsempfehlungen, die Rheinland-Pfalz Mitte 2004 als dicke Wälzer herausgegeben hat, hilft Heber. Sie beschreibt die umfangreichen Anforderungen: "Beispielsweise ist neu, dass für jedes Kind eine Entwicklungsdokumentation erstellt wird." Da werden etwa in einer Mappe Aussagen der Eltern und Wortbeiträge des Kindes ebenso festgehalten wie die Stärken des Kindes. Kinder basteln nur nach eigenen Bedürfnissen

In den Regel-Kitas stehen nicht mehr die Defizite der Kleinen, sondern deren Stärken im Vordergrund. Die Angebote orientieren sich an der Persönlichkeit des Kindes. Heber gibt ein praktisches Beispiel: "Zum Beispiel werden keine kollektiven Bastelangebote mehr gemacht, bei denen das umgesetzt werden soll, was der Erwachsene im Kopf hat. Das Kind bastelt nach seinen Bedürfnissen." Auch die wohnortnahe Betreuung von Kindern mit Handicap (körperliche, geistige oder seelische Beeinträchtigungen) kümmert sich Heber. Bei allen Überlegungen werden die Eltern, Träger und die Einrichtungen eingebunden. Dabei steht laut Heber im Vordergrund, dass das beeinträchtigte Kind eine reelle Chance erhält, in die Regelschule eingeschult zu werden. Vize-Leiter des Jugendamtes Engels erklärt: "Dabei passen wir den Personalschlüssel entsprechend an, denn den einen Personalschlüssel gibt es nur auf dem Papier."Über den Bereich "Tagespflege im Landkreis Vulkaneifel" folgt in Kürze ein ausführlicher Bericht.

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