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Stationär-gynäkologische Versorgung in der Eifel wird weiter abgebaut

Medizinische Versorgung : Wo bekommen Eifeler Frauen in Zukunft medizinische und gynäkologische Hilfe?

Nach dem Aus für die Geburtsstation am Dauner Krankenhaus traf es nun den Standort Bad Neuenahr-Ahrweiler: Auch dort wurde die stationäre Gynäkologie geschlossen. Zum 31. März ist zudem das gesamte Krankenhaus in Adenau Vergangenheit. Kritik daran bleibt nicht aus.

Weit mehr als tausend Menschen zogen in einem Demonstrationszug durch Daun, als vor gut vier Jahren die Schließung der Geburtshilfestation am Maria-Hilf-Krankenhaus verkündet wurde. Doch die Proteste halfen nicht. Nun ist das Krankenhaus Maria Hilf in Bad Neuenahr-Ahrweiler an der Reihe mit der insbesondere für junge Familien katastrophalen Meldung, dass Geburten und Gynäkologie dort nicht mehr möglich sind. Gebärende müssen nach Nordrhein-Westfalen, ins Rheinland oder nach Mayen ausweichen.

Krankenhaus Adenau schließt zum 31. März

Der Klinik-Kahlschlag im flutgeschädigten Kreis Ahrweiler betrifft auch das St.-Josef-Krankenhaus in Adenau, welches im Frühjahr komplett geschlossen wird. Dabei ist das Drama der kleineren ländlichen Kliniken mit den Folgen für die Bevölkerung mittlerweile auch bei der Bundesregierung in Berlin angekommen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach kündigte eine Änderung des Abrechnungssystems an, welches 2003 unter der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt eingeführt wurde und – nach Meinung von Kritikern – zu einer massiven finanziellen Schieflage etlicher Krankenhäuser führte. Mögliche Anpassungen, um die Häuser zu stützen, kommen jedoch für Bad Neuenahr-Ahrweiler und Adenau zu spät, die Entscheidungen sind gefallen.

Frauen Union Vulkaneifel übt heftige Kritik an medizinischer Versorgung

Das ruft die Frauen Union Vulkaneifel auf den Plan. „Die Schließung der Geburtsstation ist ein herber Schlag für Ahrweiler und die Vulkaneifel. Nun sind zwei Landkreise nebeneinander ohne stationäre gynäkologische Versorgung“, so die Kreisvorsitzende Susanne Scheppe. „Nachdem die Geburtenstation in unserem Landkreis bereits 2018 plötzlich geschlossen werden musste, weichen viele Frauen nach Mayen aus. Für viele Frauen aus dem Kreis Ahrweiler wird dies neben Bonn nun ebenfalls eine Anlaufstelle werden.“ Doch nicht nur junge Frauen seien durch die Schließung der stationären gynäkologischen Versorgung betroffen. „Der Weg wird weiter, um Eingriffe, Vorsorge- und Nachsorgeuntersuchungen machen zu lassen.“ Dadurch verschlechtere sich die Situation für Frauen im ländlichen Raum..

Im Krankenhausplan Rheinland-Pfalz gab es 2019 noch 32 Geburtsstationen, zuvor waren bereits 17 geschlossen worden. „Es geht nicht darum, Schuldige zu benennen, aber der Trend der Schließung kleiner Krankenhäuser oder einzelner Abteilungen, weil es finanziell nicht lukrativ ist, muss unverzüglich gestoppt werden. Hier ist die Landesregierung dringend gefordert“, betont Scheppe. Auch fehlende Nachfolge für ärztlichen Stellen – wie jetzt beispielsweise in Bad Neuenahr-Ahrweiler – sei als Problem lange bekannt. „Die Landesregierung hätte sich bemühen müssen, das Krankenhaus bei der Nachbesetzung zu unterstützen. Dass im medizinischen Bereich Fachkräftemangel herrscht, ist nicht neu. Es wäre dringend an der Zeit, die Studienplätze für Medizin an der Universität Mainz zu erhöhen. Auch könnte Gesundheitsminister Clemens Hoch darüber nachdenken, einen zweiten Universitätsstandort für Medizin in Rheinland-Pfalz zu eröffnen. Der Bedarf ist da“, so die Frauen Union.

Was die Ärztin Schmitz-Solheid für das Dauner Krankenhaus hofft

Argumentative Schützenhilfe aus der beruflichen Praxis bekommt Scheppe von Vivien Schmitz-Solheid, ebenfalls in der Frauen Union engagiert und Chirurgin am Dauner Krankenhaus. Sie ist eine der viel umworbenen Eifel-RückkehrerInnen nach Studium und Karrierestart andernorts. „Es ist nicht selbstverständlich oder einfach, zurück zu den Wurzeln zu gehen. Man muss Lebenspartner überzeugen oder entwickelt am Studienort neue Bindungen und findet dort attraktive Berufschancen.“ Lücken in der medizinischen Versorgung einer Region seien auf jeden Fall kontraproduktiv, wenn es um Fachkräftesicherung gehe – erst recht im Gesundheitssektor selbst. „Eine ausgedünnte medizinische Infrastruktur schadet dem Standort insgesamt. Es muss in der Gesundheitspolitik viel mehr berücksichtigt werden, dass die Mehrzahl der PatientInnen mit einer normalen, auch sehr gut von kleineren Kliniken zu leistenden Versorgung auskommt. Wenn es um Notfalleinsätze per Rettungswagen geht, gab es noch nie so viele Krankenhäuser, die ‚schwarz‘ gemeldet sind und darum gar nicht mehr angefahren werden können.“ Eine durchaus lebensgefährdende Odyssee könne die Folge sein. Schmitz-Solheid hofft, dass das Dauner Krankenhaus bald seine angepeilte Rolle als Lehrkrankenhaus im Verbund mit der Mainzer Unimedizin realisieren kann und dass auch die Stipendien des Landkreises für Medizinstudierende Wirkung zeigen. „Denn letztlich können wir hier eine tolle Qualität bieten und viel Wissen vermitteln.“