Statistisch im Lot, real herrscht Not

Statistisch im Lot, real herrscht Not

DAUN. Ein Gespenst geht um im Kreis Daun - das der Arbeitslosigkeit. Stand der Kreis bislang noch recht gut da, nimmt er mit einer Quote von 7,25 Prozent (Dezember 2004) nun einen Spitzenplatz in der Region ein. Betroffen sind auch die Arbeitsvermittler, die wegen der Hartz-IV-Gesetze Zuständigkeiten (unter anderem an den Kreis) verloren haben: In Gerolstein fallen zehn von 16 Stellen weg, in Daun ist es eine von dreieinhalb.

Hoffnungsschimmer oder Anzeichen für den viel beschworenen Aufschwung? Robert Gilles, Leiter der Gerolsteiner Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit, schüttelt den Kopf. Und nennt ein Beispiel: "Wir bekommen auch von Leuten, die sich sehr intensiv um einen Job kümmern, immer öfter die Rückmeldung, dass sie keine Chance haben. Das ist für uns ein Indiz, dass derzeit nicht eingestellt wird." Allein die Dezemberzahlen für den Kreis Daun (ohne die Verbandsgemeinde Kelberg) belegen diese Einschätzung: So waren gegenüber dem November 191 Menschen mehr (Daun: 99, Gerolstein: 92) arbeitslos gemeldet, gegenüber dem Dezember des Vorjahrs waren es 173. Demgegenüber ist die Zahl der gemeldeten offenen Stellen deutlich gesunken: von 162 (Dezember 2003) auf derzeit 83. Ursächlich für diesen Abwärtstrend, bei dem es besonders im vierten Quartal steil nach unten ging, war laut Gilles die ausbleibende Herbstbelebung. Besonders im Baubereich gab es Einbrüche, die nicht mehr gekittet werden konnten. Hervorstechendstes Beispiel ist die Insolvenz der Baufirma Meerfeld aus Wallenborn (der TV berichtete), von der 50 Mitarbeiter betroffen sind. Zudem ist die endgültige Betriebsschließung der Firma Solo in Daun, bei der 30 Menschen ihren Job verloren haben, zu nennen. "Das Gravierende an diesen Beispielen ist, dass diese Arbeitsplätze langfristig weg sind." Dennoch schlagen auch die Personalreduzierungen beim größten Arbeitgeber der Region, dem Gerolsteiner Brunnen, ins Kontor. Waren dort Ende 2003 noch 850 Vollzeitarbeitskräfte beschäftigt, sind es derzeit noch 790. Dass im Jahresdurchschnitt die Zahl der Arbeitslosen im Kreis stagniert hat (2003: 1770, 2004: 1777), ist ein rein statistisches Ergebnis. Es ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen, Weiterbildungen und AB-Maßnahmen sowie Ein-Euro-Job-Leute nicht mehr mit in die Statistik einfließen. "Und das sind mehr als 1000 Leute bei uns, die aber wiederum auch nicht eins-zu-eins hinzugerechnet werden dürfen", sagt Franz Donkers, Leiter der Dauner Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit. Er sagt aber: "Die Zahl derjenigen, die faktisch ohne Beschäftigung sind, hat sich weiter erhöht."6500 Menschen aus dem Kreis pendeln

Und das, sagt Donkers, vor dem Hintergrund dass die Menschen im Kreis Daun in der Regel für einen Job viel in Kauf zu nehmen bereit seien. Das belege die Zahl von 6500 Pendlern, die außerhalb der Kreises arbeiteten. Demgegenüber ziehe es nur rund 3000 Pendler von außerhalb zur Arbeit in den Kreis. Um dem allgemeinen Negativtrend entgegenzuwirken, wollen die Arbeitsvermittler auch künftig auf die gesamte Bandbreite des Angebots von Trainingsmaßnahmen über berufliche Weiterbildung bis hin zur Förderung selbstständiger Arbeit (2004 wurden im Kreis 86 Ich-AGs gegründet; 2003: 47) setzen. Jedoch mit anderer Maßgabe, wie Gilles erklärt: "Künftig werden wir nicht mehr den Menschen fördern, sondern die Chance auf Integration in den ersten Arbeitsmarkt." Das bedeute unter anderem, dass der Arbeitslose nicht mehr die Weiterbildung bekomme, die er gerne hätte, sondern die, die am vielversprechendsten für eine Wiedereingliederung ins Berufsleben ist." Kurzum: eine Kosten-Nutzen-Rechnung.