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Steine und Geld in der Kyll versenkt

Steine und Geld in der Kyll versenkt

Rund 20 000 Euro Mehrkosten haben die Arbeiten am Kyllwehr an der Pfeilsmühle nahe des Rathauses in Gerolstein bereits verursacht. Grund dafür ist der marode Zustand des Wehrs. Kritiker werfen dem beauftragten Planungsbüro nun vor, das Bauvorhaben nicht gründlich genug vorbereitet zu haben.

Gerolstein. Gleich eine Reihe von Mitgliedern des Bauausschusses der Stadt Gerolstein waren sauer. Erstens sauer wegen der Mehrkosten beim Umbau des Kyllwehrs an der Pfeilsmühle unweit des Rathauses, zweitens sauer wegen der zögerlichen Auskünfte - von Bauabteilung und Planungsbüro.
So stellte Volker Simon (CDU) fest: "Es wird weitergebaut, aber nicht so, wie wir es beschlossen haben." Markus Hetzius (CDU) fragte: "Hätte man nicht besser im Vorfeld Kyll und Wehr gründlicher untersuchen sollen?"
"Viel zu aufwendig und teuer", konterte Max Reihsner vom beauftragten und gleichnamigen Planungsbüro aus Wittlich-Neuerburg. Zudem würde der überwiegende Teil der Mehrkosten von rund 20000 Euro - auch das wurde erst auf mehrmaliges Nachhaken preisgegeben - vom Land übernommen. An der Stadt blieben "lediglich" 2000 Euro extra hängen, so Reihsner.
Das wollten einige Ausschussmitglieder so nicht stehen lassen. So meinte Hetzius: "Es geht hier beileibe nicht nur um 2000 Euro für die Stadt, sondern um 20 000 Euro Mehrkosten, die von allen Steuerzahlern zu tragen sind."
Tim Steen (Grüne) wollte wissen, woraus die Mehrkosten exakt resultierten. "Die Kyll ist im Bereich des Wehrs deutlich tiefer, als wir es vermutet hatten, sodass wir wesentlich mehr Steine brauchen. Außerdem hatte das Wehr keinen richtigen Unterbau aus Beton, sondern nur eine dünne Betonauflage auf Natursteinen. Das ist beim ersten Anbaggern zusammengebrochen. Es wird aber wieder aufgebaut - 60 Zentimeter unter dem bisherigen Niveau, wie geplant", sagte Planer Reihsner.
Uwe Schneider (SPD) gab sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Er sagte: "Ich habe ein Problem damit, dass die hohen Mehrkosten nun schlichtweg damit begründet werden, dass die Kyll im Bereich des Wehrs tiefer war als gedacht. Wie soll man so etwas gegenüber den Bürgern rechtfertigen?" Planer Reihsner verteidigte wiederholt die Vorgehensweise. Ein Mitarbeiter der Baufirma sei im Vorfeld der Abbrucharbeiten mit einer Wathose in die Kyll gegangen, sei aber nicht weit gekommen, da der Fluss bereits am Rand recht tief war. Weitergehende Untersuchungen sind laut Reihsner daraufhin nicht unternommen worden. Er sagte: "Man hätte das Wasserschifffahrtsamt beauftragen oder den Bereich mit Ultraschall untersuchen können, aber das hätte deutlich mehr als die jetzigen 20000 Euro gekostet."
"Mit einem Schlauchboot raus und die Kyll ausgelotet. Was soll daran so schwer und aufwendig sein", konterte Thomas Regnery (SPD). Und als daraufhin Hetzius den Planer mahnte, "nur nicht übertreiben", griff Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) ein: "Jetzt mal alle abkühlen: Wir bekommen ein solides neues Wehr und müssen dank sehr hoher Förderung kaum etwas dafür bezahlen. Das sollten wir nicht vergessen."
Extra

So wird das Wehr umgebaut: Als erste Maßnahme zur Renaturierung der Kyll ist der Umbau der Wehranlage an der Pfeilsmühle in Angriff genommen worden. Denn das Wehr hat erstens verhindert, dass Fische auch wieder flussaufwärts wandern können. Zweitens hat es im Sommer dafür gesorgt, dass das gesamte Wasser in den Mühlgraben abgeleitet und das Kyllbett hinter dem Wehr somit trockengelegt wurde. Die Folge: Fische und andere Wasserorganismen konnten dort nicht mehr überleben. Daher wird das Wehr ersetzt durch einen tiefer liegenden Damm aus großen Steinen, in den große Becken eingebaut werden, die den Fischen als Treppe dienen. Auch der Rundweg im Park wird in diesem Zusammenhang erneuert und am Damm entlanggeführt. mhExtra

Die Kyll fließt etwa drei Kilometer durch Gerolstein. Streckenweise ist der Flusslauf durch Mauern stark begradigt. Offiziell ist die Kyll dort in die zwei schlechtesten Gewässergüteklassen eingestuft: stark geschädigt und vollständig verändert. Das soll sich ändern. Die Stadt Gerolstein hat das Planungsbüro Max Reihsner beauftragt, ein Maßnahmenpaket zu erarbeiten und dies dem Land zur Förderung vorzulegen. Dessen Programm "Aktion Blau plus" zielt auf die Renaturierung solcher Gewässer ab und unterstützt diese mit einer 90-prozentigen Kostenbeteiligung. Bei geschätzten Gesamtkosten von drei Millionen Euro würde das Land demnach 2,7 Millionen Euro übernehmen, die Stadt Gerolstein 300 000 Euro. Ziel ist es, die Kyll ökologisch durchgängig sowie erlebbar und zu einem Anziehungspunkt zu machen. Es gibt Ideen für einen Matschspielplatz am Rathaus, Furten durchs Gewässer, einen Sandstrand sowie einen Park am Fluss auf dem Gelände des Gerolsteiner Brunnens. Laut Bauausschuss sollen die Bürger in die Ideenfindung einbezogen werden. mh