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Stimmen von CDU, SPD, und freie Wähler in Vulkaneifel zur Landtagswahl

Wahlkreis 20: Vulkaneifel : Freude, Enttäuschung und neue Chancen

Die Wahl hat viele Sieger und einige Verlierer vorgebracht. Was die Vertreter der Kommunen und Parteien in der Vulkaneifel zum Wahlergebnis sagen.

Die Wahl ist vorbei und die Stimmungen der Parteivertreter im Landkreis Vulkaneifel gehen den Ergebnissen entsprechend weit auseinander.

Uwe Schneider (SPD), Stadtbürgermeister von Gerolstein, freut sich im Gespräch mit dem TV sehr, dass sich der Kurs von Malu Dreyer nicht nur auf Landesebene, sondern auch im Landkreis niederschlägt: „Die SPD hat damit gezeigt, dass sich die sozialdemokratische Politik auch in einer schwarz geprägten Region durchsetzen kann.“

Bei der CDU auf der anderen Seite herrscht weitestgehend Enttäuschung. Die Stimmung sei „ergebnis­angemessen schlecht“, sagt Patrick Schnieder, der Bundestagsabgeordnete, den wir am Sonntagabend in Mainz erreichen. „Ich glaube, es hat jedenfalls nicht am Spitzenkandidaten gelegen oder am Einsatz der Partei. Es hat aber auch nicht gerade Rückenwind gegeben aus der Bundespolitik.“

Über einen Lichtblick sind sich Schnieder und Friedhelm Marder (CDU), Stadtbürgermeister von Daun, jedoch einig: Im Wahlkreis Vulkaneifel sei die Partei durch den erneuten Direkteinzug von Patricks Bruder Gordon Schnieder „noch mit einem blauen Auge davon gekommen“, wie Marder beschreibt. Für ihn als Bürgermeister, der „Politik an der Basis“ betreibt, sei das Ergebnis besonders enttäuschend, da man in der Politik auf der untersten Ebene am meisten mit den Menschen direkt zu tun hat.

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg, Johannes Saxler, gratuliert allen Bewerbern, die gewählt wurden, herzlich. „Das Ergebnis hatte sich zwar abgezeichnet, allerdings nicht in dieser Deutlichkeit“, sagt Saxler. Als Gründe sieht er die Politik der CDU auf Bundesebene sowie die Maskenaffäre, die für die Partei „auf den letzten Metern vor der Wahl noch zu Verlusten geführt haben.“

Über eine der Überraschungen der diesjährigen Wahl, das Erreichen der Fünf-Prozent-Marke der Freien Wähler, freut sich Parteimitglied Karl-Heinz Schlifter ganz besonders: „Die Wirkung der erstklassigen Kommunalarbeit, die unsere Parteimitglieder im Landkreis leisten, hat sich damit endlich gezeigt.“ Dass die Unterstützung der Bürger auf dieser Ebene sehr groß ist, zeichne sich auch dadurch ab, dass viele Ortsbürgermeisterposten in der Region von Mitgliedern der Freien Wählergemeinschaft (FWG) besetzt werden. Unabhängig davon findet Schlifter, dass die CDU trotz ihres schlechten Ergebnisses aufgrund des hohen Briefwahlanteils noch etwas „Katastrophenglück“ gehabt habe. Da viele Wähler ihre Stimme schon vor einiger Zeit abgegeben hätten, sei die Wahl besser verlaufen, wie sie hätte ausgehen können.

Zur Leistung der FWG gratuliert auch Hans Peter Böffgen, Bürgermeister der VG Gerolstein. Wirklich überraschend sei der Wahlausgang für ihn allerdings nicht gewesen. „Besonders toll ist, dass mit Gordon Schnieder und Marco Weber (FDP) die VG Gerolstein wieder gut in Mainz vertreten sein wird.“

Beate Härig-Dickersbach vom AFD-Kreisverband Vulkaneifel ist mit dem Ergebnis ihrer Partei auf Landesebene „sehr zufrieden“. Zu ihrem eigenen Abschneiden als Direktkandidatin im Wahlkreis 20 sagt sie: „Da arbeiten wir noch dran.“ Trotz erschwerter Umstände für ihre Partei findet sie aber: „Wir haben uns sehr gut geschlagen.“

„Mehr kann man doch wirklich nicht erwarten“, meint Peter Kühbach, Sprecher des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen. Nach Beobachtung der Sitzvergabe auf Landesebene sieht er eine Chance für eine neue Regierungsbildung, die er „persönlich sehr begrüßen“ würde: „Bei dem Ergebnis der Freien Wähler könnten sie den Platz der FDP in der Landeskoalition einnehmen. Ohne die ,Bremser’ der Freien Demokraten könnten viel schneller wichtige Schritte in Richtung Klimaziele gemacht werden.“

Die künftige Landrätin und SPD-Mitglied Julia Gieseking freut sich sehr für Malu Dreyer und ihre Partei, dass sich die Wähler „erneut mit einem starken Votum für sie ausgesprochen haben.“ Durch das gute Ergebnis der SPD in Wahlkreis Vulkaneifel sei auch Direktkandidatin Astrid Schmitt für ihre hervorragende Arbeit honororiert worden. Gieseking: „Zu meinem Bedauern musste ich als Wahlhelferin aber feststellen, dass die Wahlbeteiligung in diesem Jahr nicht sehr hoch war. Es wäre schön, wenn die Menschen sich mehr für die Politik interessieren würden, die uns ja doch alle betrifft.“

Als Kommunalpolitiker freut sich Thomas Scheppe (CDU), Bürgermeister der VG Daun, dass man wie in der vergangenen Legislaturperiode wieder mit drei Abgeordneten aus dem Landkreis in Mainz vertreten sein wird. Als CDUler gratuliert er besonders Gordon Schnieder, der seine Rolle als Direktkandidat verteidigen konnte. „Ich denke dieses Jahr war eine starke Personenwahl. In Anbetracht der Krise wollen die Bürger Beständigkeit. Die versprechen sie sich sicher am meisten von Malu Dreyer.“ Spannend zu beobachten sei für ihn auch der Erfolg der Freien Wähler. Scheppe: „Das schafft Möglichkeiten das politische Feld in Rheinland-Pfalz neu aufzurollen.“