Stolperfallen stören Senioren

Stolperfallen stören Senioren

Wie beurteilen die Senioren des Gerolsteiner Landes die Brunnenstadt? Das Ergebnis: Kritik und Lob halten sich die Waage. Während Natur, Blumenschmuck, gepflegte Grünanlagen und die Einkaufsmöglichkeiten gut abschneiden, sind für viele das kaputte Pflaster und der Verkehr in der Hauptstraße sowie der Zustand des Bahnhofs besonders ärgerlich.

Gerolstein. "Denk' ich an Gerolstein, freue ich mich über…" und "Denk' ich an Gerolstein, ärgere ich mich über …". Das waren die vorgegebenen Satzanläufe auf einem Coupon, den der TV beim traditionellen Seniorenkaffee ausgeteilt hat. Mit beachtlichem Erfolg. Die älteren Mitbürger haben sowohl mit Kritik als auch mit Lob für ihre Heimatstadt nicht hinterm Berg gehalten, rund 70 der Bögen kamen ausgefüllt zurück.

Ein besonders dickes Lob von vielen der Befragten bekam der Seniorenbeirat unter Vorsitz von Karlheinz Knobloch für die Ausrichtung des traditionellen und sehr beliebten Adventskaffees in der Stadthalle Rondell. Eine Veranstaltung, auf die sich die Senioren schon lange zuvor freuen.

So nannten auch Benno und Hilma Dubiel aus Gerolstein den Seniorentag an erster Stelle. Aber auch Teilnehmer von außerhalb kommen immer wieder gerne - beispielsweise Anna Mayer aus Kalenborn.

Viel Lob und Anerkennung gab es auch für die herrliche Natur rund um Gerolstein - nach dem Motto: "Hier lässt es sich gut leben." So freut sich Günther Theis aus Pelm "über die schöne Landschaft, in die Gerolstein eingebettet ist". In die gleiche Kerbe schlägt Hella Schlegel aus Gerolstein, die der guten Luft und der schönen Umgebung viel abgewinnt.

Lob gibt es aber auch für die Stadtarbeiter, Privat- und Geschäftsleute, die für ein schönes Gerolstein sorgen: mit gut gepflegten Grünanlagen und Beeten sowie Blumenschmuck vor den Häusern. Das freut unter anderem Anna-Maria Nebel aus Gerolstein. Darüber hinaus sind es vor allem die guten Einkaufsmöglichkeiten, mit denen Gerolstein bei der älteren Bevölkerung punktet. Diesen Aspekt betonen unter anderem Hubert und Renate Burggraf aus Kopp, Rudi Wirtz und Susanne Krämer aus Gerolstein. Die Freundlichkeit der Bedienungen in den Geschäften ist ebenso einigen Senioren aufgefallen, andere sehen da noch Verbesserungsbedarf.

Die ehemalige Fußgängerzone ist für viele aber das Top-Thema. Etlichen Senioren ist der permanente Verkehr ein Dorn im Auge. Das Einkaufen oder Spazieren in der Hauptstraße macht vielen älteren Leuten nicht mehr so viel Spaß wie früher, als der Verkehr noch draußen bleiben musste. Auch die Sicherheit spielt eine Rolle. Dazu passt auch die mehrfach geäußerte Kritik am Zustand des Pflasters in der Hauptstraße. Die losen Steine, so die Senioren, seien Stolperfallen. Rosemarie und Heinz Simon sowie Hella Schlegel aus Gerolstein beklagen das ebenso wie Marina Becker aus Birresborn und Anna Schreiner aus Hohenfels-Essingen.

Ebenfalls viele Senioren stören sich am Zustand des Bahnhofs Gerolstein. Marina Becker aus Birresborn sagt: "Ich ärgere mich über den hässlichen und verschmutzten Bahnhof." Peter Kinzer aus Gerolstein kritisiert darüber hinaus, wie es in der Unterführung aussieht und stinkt.

Überraschend hingegen, dass auch das Thema öffentliche Toilette oft als Kritikpunkt genannt wird - obwohl es nach Jahren des Wartens seit März 2007 neben der Tourist-Information eine solche gibt. Während Loni Krämer aus Pelm und Gerda Wirtz aus Gerolstein eine "im Flecken" fehlt, hätte Renate Burggraf aus Birresborn gerne eine im Bahnhof. Hubert Burggraf aus Salm wiederum hält ein öffentliches WC ohnehin für zu wenig für Gerolstein.

Das außergewöhnlichste Zeugnis aber stellte Mathilde Zunk aus Salm aus. Sie hatte überhaupt nichts zu kritisieren und schrieb schlicht: "Gerolstein ist schön."

Meinung

Jetzt ist die Politik gefragt

Die Senioren sind zwar eine immer größer werdende Gruppe. Dennoch hat ihre Stimme oftmals kein Gewicht bei politischen Entscheidungen. Dass sie aber durchaus klare Vorstellungen davon haben, was ihnen in ihrer Heimat gefällt und was nicht, hat die Bürger-Umfrage des Trierischen Volksfreunds gezeigt. Jetzt ist es an der Politik, die Ergebnisse zu analysieren, aufgeworfene Fragen zu beantworten und zumindest die größten - nun aufgezeigten - Missstände zu beseitigen. Oder zumindest zu erklären, weshalb das eine oder andere eben nicht - oder nicht sofort - in Angriff genommen werden kann. m.huebner@volksfreund.deExtra So können Sie mitreden! In der morgigen Ausgabe veröffentlicht der TV den Mitmachcoupon, mit dem Sie uns Ihre Meinung zu Gerolstein kundtun können. Außerdem locken für alle, die teilnehmen, attraktive Preise. Der TV veranstaltet am Freitag, 11. Dezember, ab 19 Uhr im Rathaus Gerolstein ein Bürgerforum. Die Bürger haben dort die Möglichkeit, ihre Meinung zur Stadtentwicklung kundzutun. Stadtbürgermeister Karl-Heinz Schwartz ist dabei. Der Eintritt ist frei. (mh)