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Stolz, zufrieden, happy - sprachlos!

Stolz, zufrieden, happy - sprachlos!

Kleine Gemeinde kommt ganz groß raus: Basberg gewinnt Landesentscheid des Dorfwettbewerbs und wandelt somit auf den Spuren eines anderen Ortes in der Verbandsgemeinde Hillesheim.

Basberg Basberg (Verbandsgemeinde Hillesheim) hat den Landesentscheid des Dorfwettbewerbs in der Hauptklasse gewonnen. Die 86-Einwohner-Gemeinde ist neben drei weiteren Orten (Ayl, Kreis Trier-Saarburg; Oberhausen an der Nahe, Kreis Bad Kreuznach; Staudt, Westerwaldkreis) mit einer Goldmedaille ausgezeichnet worden. Die Gewinner haben sich damit für den Bundesentscheid qualifiziert, der mutmaßlich 2018 veranstaltet wird. Basbergs Ortsbürgermeister Franz-Josef Diederichs sagte dem TV nach der Gewinnbenachrichtigung: "Ich bin stolz, zufrieden, happy - sprachlos." Die Goldmedaille nennt er eine "tolle Anerkennung von außen, was wir hier gemeinsam alles leisten, um aus unserem Dorf eine lebenswerte und liebenswürdige Gemeinde zu machen". Die Auszeichnung werde spontan gefeiert. Wie, sei noch nicht klar. "Es wird aber auch noch eine richtig große Feier für und mit all denen geben, die zu diesem Erfolg beigetragen haben", kündigte der spürbar stolze und ergriffene Ortschef an. Irgendwie kommen die Basberger in diesem Jahr aus dem Feiern gar nicht mehr raus (siehe Extra), da sie bislang jeden Erfolg im Rahmen des Dorfwettbewerbs mal in kleinerer, mal in größerer Runde mit einem Fest gewürdigt haben. "Wir haben jetzt zwar wirklich schon etwas Termindruck deswegen, werden aber auch dieses Problem lösen", sagte Diederichs. So wie es eben während des gesamten Wettbewerbs war, als die Basberger stets die Kritikpunkte der jeweiligen Jury aufgenommen und für den Durchgang auf der nächsthöheren Ebene angepackt haben. "Wir werden auch jetzt wieder die - wenn auch wenigen - Verbesserungsvorschläge der Landesjury umsetzen", kündigte Diederichs an. Genannt worden waren die Beseitigung restlicher Dächer aus Eternitplatten sowie die Anlegung einiger Grünstreifen um Maisfelder (für die Bienen) und einer Hecke um ein Außengehöft - weshalb mit den Eigentümern gesprochen werde. Auf die Frage, was man tun werde, um auch vor der wohl noch kritischeren Bundesjury zu bestehen, sagte Diederichs: "Wir werden auch da keine große Schau abziehen, sondern uns so präsentieren, wie wir und unser Dorf sind: eine kleine Gemeinde mit viel Charme." Das sah auch die Jury des Landesentscheids so, die bei ihrem Rundgang Mitte August großes Lob spendete. So sagte Vorsitzender Franz Kattler den Basbergern: "Sie sind auf einem guten Weg. Man sieht, dass die Dorferneuerung hier Früchte trägt. Weiter so!"Jurymitglied Bernhard Backes (der die Baugestaltung unter die Lupe nahm) brachte den Eindruck, den die Experten mitnahmen, wohl am besten auf den Punkt. Er fragte augenzwinkernd: "Gibt es hier ein Haus zu kaufen?"Derzeit nicht! Da hatten Anna-Maria Doll, ihr Mann und ihre beiden Kinder mehr Glück, als sie 2011 hergezogen sind und nach eigenem Bekunden ihr persönliches "Bullerbü" gefunden haben. Dieses Bild nahm auch Jurymitglied Werner Ollig von der Gartenakademie Rheinland-Pfalz auf. Er meinte anerkennend: "Das mit Bullerbü nehme ich Ihnen wirklich ab." Während andere nur darüber redeten, wie man künftig zusammenleben sollte, sei dies in Basberg bereits Realität. Sein Tipp an die Basberger: "Bieten Sie Seminare für Kommunalpolitiker an - und zwar in ganz Deutschland. Der Bedarf ist da."Mal sehen, ob das die Bundesjury auch so sieht. KommentarMeinung

Herzblut und GemeinschaftssinnHerzlichen Glückwunsch nach Basberg! Die kleinste Teilnehmergemeinde hat es wirklich geschafft und sich (mit drei anderen Orten) den Titel als schönstes, zukunftsträchtigstes und lebenswertestes Dorf in Rheinland-Pfalz gesichert. Wie? Mit viel Herzblut, einer herausragenden Gemeinschaft, vielen großen und kleinen Händen, die anpacken, wo es nötig ist, und einer Freude und Begeisterungsfähigkeit, die ihresgleichen sucht. Damit kann man vieles schaffen. Vielleicht ja auch eine Bundesjury überzeugen. Bis dahin ist es aber noch lang. Jetzt steht erst mal das Feiern im Vordergrund. Prost! m.huebner@volksfreund.deExtra: BEWERTUNG DER LANDESJURY

Auf Basis des Dorferneuerungskonzepts von 2006/2007 "arbeitet die Ortsgemeinde aktiv und sehr erfolgreich an der Innenentwicklung". Die Erfolge seien deutlich. "Problembereiche wurden beseitigt, leer stehende Gebäude und untergenutzte Anwesen vorbildlich saniert und mit Leben gefüllt." Diese Atmosphäre habe zahlreiche neue Bewohner und vor allem junge Familien angelockt, die nun weiter an dieser Erfolgsgeschichte arbeiteten und das Dorf mit Leben füllten. Es gebe ein "hohes ehrenamtliches Engagement und gutes soziales Miteinander". Auch die Altersstruktur wird gelobt: Fast 30 Prozent der Einwohner sind unter 18 Jahren. Basberg zeichne sich durch "herausragendes und harmonisches Miteinander im Dorf aus". Traditionen würden gepflegt, jeder leiste seinen Beitrag zu einer funktionierenden Dorfgemeinschaft. Nachbarschaftshilfe sei eine "Selbstverständlichkeit". Basberg wird beschrieben als ein sehr ländlich geprägter Ort, in dem Natur gelebt und altes Garten- und Naturwissen wie die Herstellung von Sauerkraut und Apfelsaft gepflegt und weitergegeben werde.Extra: AUSBLICK UND RÜCKBLICK

 Neubürgerin Anna-Maria Doll (rechts) nennt Basberg ihr persönliches Bullerbü.
Neubürgerin Anna-Maria Doll (rechts) nennt Basberg ihr persönliches Bullerbü. Foto: (e_gero )
 Es ist viel passiert im Dorf.
Es ist viel passiert im Dorf. Foto: (e_gero )

Der 86-Einwohner-Ort Basberg hatte auf Kreisebene den zweiten Platz hinter Bodenbach belegt, sich damit für den Gebietsentscheid qualifiziert und sich dort als Sieger durchgesetzt. Nun folgte der Gewinn auf Landesebene und damit die Zulassung zum Bundesentscheid. Basberg wandelt damit auf den Spuren von Kerpen, das 1993 zum Bundessieger gekürt wurde und 2013 die Bronzemedaille auf Bundesebene gewann.