Stolze Narren: Wir sind Hotel!

Stolze Narren: Wir sind Hotel!

HILLESHEIM. Keine Feier wie jede andere: Die Proklamation des Hillesheimer Prinzenpaars der Session 2005/2006, Prinz Werner I. und Prinzessin Meggy, wird in die Geschichte eingehen. Zum einen schreibt man das 55-jährige Bestehen des Hillesheimer Karnevalvereins (HKV), zum anderen dürfen die Hillesheimer wieder "zu Hause" feiern – in der Stadthalle ihres Augustiner-Klosters.

Irgendetwas musste doch darauf hindeuten, dass es sich bei der Prinzenproklamation von Werner I. und Meggy gestern um 11.11 Uhr um eine ganz besondere Veranstaltung handelte. Aber da war nichts, zumindest auf den ersten Blick nichts Offenkundiges, was jedermann sofort vor Augen hielt: Jawoll, wir sind Hotel!Kein Transparent, keine Plakate, keine eigene T-Shirt-Kreation, keine permanenten Lautsprecher-Durchsagen und auch kein Videofilm darüber, dass die Stadt Hillesheim nach mehr als vier Jahren Leerstand und einer noch länger währenden Hängepartie nicht mehr Gast, sondern Eigentümerin des gesamten Hotelkomplexes Augustiner-Kloster ist.

Doch bei genauerem Hinsehen und -hören wurde klar: Das ist das Thema des Tages. Hier wurde getuschelt, wie die klamme Stadt das mit dem Hotel auf die Reihe bekommen will, dort wurden Witzchen über den künftigen "Hoteldirektor Matthias Stein" gerissen. Besagten Stadtbürgermeister aber focht das alles nicht an: In einem goldenen Glitzer-Jackett saß - oder besser: thronte - er inmitten der Narrenschar. Und ein zufriedenes Schmunzeln lag auf seinen Lippen, ja es war sogar Stolz in seinem Gesichtsausdruck zu erahnen.

Und diese Ahnung bestätigte sich: Die üblicherweise für einen Politiker schmerzhafte Handlung, die eigenen Machtbefugnisse abzugeben, vollzog Stein diesmal stolz wie Oskar. Bevor er aber Prinz Werner I. den Stadtschlüssel, der mittlerweile auch Generalschlüssel für den gesamten Hotel-Komplex ist, aushändigte, verkündete er: "Jubiläumsjahr und dann noch ein so tolles Prinzenpaar: Da habe ich mich gefragt, was man Angemessenes mitbringen kann. Und da kam mir spontan die Idee, das Hotel zu ersteigern, damit das Prinzenpaar und die Narren als erste in den Genuss des Hauses kommen." Sagte es mit großen Augen und stolzgeschwellter Brust, heimste den frenetischen Jubel der Narrenschar ein und ging von der Bühne. Aufgeregt, aber dennoch zufrieden und wohl wissend, dass er in viereinhalb Wochen (am Aschermittwoch) den Schlüssel - und somit die Gewalt über die Stadt inklusive des gesamten Hotel-Komplexes - wieder zurück bekommt.

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