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Straßenbau Experten erklären Kahlschlag, den viele nicht verstehen

Natur : Alle zehn Jahre wird an Eifeler Straßen abgeholzt

Wenn am Straßenrand, wie jetzt bei Udler, Gehölz stark zurückgeschnitten wird, sieht das erst einmal nicht schön aus. Laut Landesbetrieb Mobilität lassen sich solche Eingriffe aber nicht vermeiden.

(sts) Wo bisher Bäume und Hecken standen, ist auf einmal freie Fläche: Im Herbst kommt das entlang verschiedener Straßenabschnitte häufig vor, so auch nahe Udler.

Ulrich Giese aus Daun hat sich sich an den Trierischen Volksfreund gewandt und berichtet, dass er vor Kurzem auf einer Radtour auf der Straße Richtung Gillenfeld – vor der über die über die Autobahn führende Brücke – am Abzweig Udler „bewusst angehalten und dem Bagger der Straßenmeisterei bei der Zerstörung des Straßenrandes“ zugesehen habe.

„Mit der großen Schere am Baggerausleger geht das brutal ruck zuck. Erst werden in diesem Beispiel bei einer kleinen zehn Meter hohen Dreier-Baumgruppe etwa acht Meter neben der Straße stehend in etwa vier Meter Höhe die Spitzen abgeschnitten und ordentlich zum späteren Abtransport abgelegt, perfekt und mit Sicherheit notwendig. Und dann habe ich extra gewartet, was dann passiert.“ Die verbliebenen drei Bäume – etwa vier Meter hoch –  seien dann  auch noch mit der großen Schere abgeschnittenw worden, berichtet Ulrich Giese weiter. „Warum kann man die nicht stehenlassen?“, fragt er. Er habe sich bei der Weiterfahrt nach Udler die Abholzung-Ergebnisse am Straßenrand angeschaut, „und das sah auch für mich erschreckend aus. Bis zu 40 Zentimeter Baumstümpfe und Unmengen Gehölzschnitt!“

Giese ergänzt: „Wir jammern ständig über die Zerstörung der Umwelt, der Natur. Dann muss man sich doch ernsthaft fragen: Ist dieser Kahlschlag eigentlich mit den zuständigen Ressourcen detailliert abgestimmt? Kann nicht ein beispielsweise ein Beauftragter für Naturschutz so etwas stichprobenartig anschauen und auch mal das Ausmaß der Zerstörung minimieren? So können wir doch nicht weitermachen, oder?“

Der TV hat den zuständigen Landesbetrieb Mobilität Gerolstein um eine Stellungnahme zu den Beobachtungen von Ulrich Giese gebeten. Darin heißt es: „Zur  Wahrung der Verkehrssicherheit waren diese Arbeiten an beiden Teilbereichen zwingend erforderlich. Die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs war stark eingeschränkt.  Es wurden lediglich Grünpflegearbeiten im Bankett- und Böschungsbereich ausgeführt.

Die maximale Tiefe der bearbeiteten Böschungsfläche beträgt etwa fünf bis sechs Meter vom Fahrbahnrand.  Hecken und in das Lichtraumprofil hineinwachsendes Astwerk sowie krankhafte Eschen, von Windbruch geschädigte sowie mit Totholz behaftete und bereits abgestorbene Bäume mussten beseitigt werden. Zudem waren im Zuge der Kreisstraße 18 im Anschluss der Autobahnbrücke die Sichtverhältnisse im Innenkurvenbereich stark eingeschränkt. Auch hier bestand Handlungsbedarf.“

Und weiter heißt es, dass entlang der Kreisstraße 14 in Richtung Udler  der vorhandene Bewuchs bis etwa  80 Zentimeter an den Fahrbahnrand ragte. Es handele sich hier um einen schmalen Gehölzstreifen, der sich auf der Unterlieger Seite bereits auf die Wiesenfläche ausbreite. „Der Besitzer der Wiesenfläche hatte sich bereits wegen der massiven Ausbreitung des Gehölzstreifens beschwert.“

Jürgen Schäfer vom LBM erläutert die Aufgaben, was die Gehölzarbeiten angeht. Er beruft sich auf die Vorgaben des „Leistungsheftes für den Betriebsdienst an Bundesfernstraßen“. Dies gelte auch für Landes- und Kreisstraßen. Demnach würden  Gehölzarbeiten an einem Streckenzug im Durchschnitt alle zehn Jahre (Turnus) ausgeführt. Dabei werde auch die Verkehrsbedeutung der jeweiligen Straße berücksichtigt:   Bundesstraßen  haben demnach eine höhere Priorität als Landesstraßen und Kreisstraßen..Bei den Arbeiten müsse auch berücksichtigt werden, dass der nächste Schnitt eben erst wieder in etwa zehn Jahren erfolge. Bäume würden grundsätzlich nur im Rahmen von Baumaßnahmen oder bei vorliegenden Verkehrsgefährdungen und dann in Abstimmung mit der unteren Landespflegebehörde gefällt.

Das bei den Gehölzmaßnahmen   anfallende Holz wird nach Auskunft von Schäfer fast vollständig gehäckselt und einer energetischen Nutzung zugeführt.  

Der LBM sagt: Zur Wahrung der Verkehrssicherheit waren die Arbeiten an beiden Teilbereichen „zwingend erforderlich“. Foto: TV/Lydia Vasiliou

Dabei wird ein Teil der anfallenden Mengen in der Hackschnitzelheizungsanlage in Kyllburg zur Beheizung der Schule und der Straßenmeisterei verwendet und der restliche Teil über Ausschreibungen an verwertende Firmen abgegebe.