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Straßenplaner fühlen sich in Gerolstein wohl

Straßenplaner fühlen sich in Gerolstein wohl

Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Gerolstein sucht ein neues Zuhause. Sein Domizil in der Brunnenstraße ist zu klein und sanierungsbedürftig. Deshalb will die 95 Mitarbeiter starke Behörde umziehen - innerhalb Gerolsteins Innenstadt. Nachgedacht wird auch über eine Umsiedlung aufs benachbarte Areal des Gerolsteiner Brunnens.

Gerolstein. "Das Straßenbauamt, unsere Vorgängerbehörde, war viele Jahrzehnte in Prüm und kam 1949 nach Gerolstein, weil die Prümer kein neues Dienstgebäude für sie hatten. Seither sind wir hier und bleiben, wenn möglich, auch gerne. Wir wollen aber weder ins Gewerbegebiet noch ins Calluna, sondern zentral in der Innenstadt untergebracht werden." Mit diesen Worten beschreibt Gerolsteins LBM-Chef Harald Enders die Wunschvorstellung der Behörde und ihrer Mitarbeiter. Denn das jetzige Gebäude in der Brunnenstraße, das 1969/1970 errichtet und 1997 vom LBM bezogen wurde, ist erstens für die 95-köpfige Belegschaft zu klein und zweitens stark sanierungsbedürftig.
Sanierung ist unwirtschaftlich


Die für den LBM zuständige Baubehörde, der Landesbetrieb Liegenschaft und Baubetreuung, hat laut Enders inzwischen festgestellt, dass eine Sanierung des Gebäudes unwirtschaftlich ist und man sich daher besser auf dem Immobilienmarkt nach einer neuen Bleibe umsehen solle.
Und das wurde bereits getan. Laut Enders gab es bislang Kontakt zu zwei potenziellen Partnern. Einer davon ist der Gerolsteiner Brunnen. Der lässt auf seinem benachbarten Gewerbeareal seit Monaten die Hallen abreißen.
Mit einer Ausnahme: der Mineralwasserzentrale. Denn der LBM kann sich "einen Umzug dorthin sehr gut vorstellen", sagt Enders und betont: "Es wäre sicherlich auch im Interesse der Stadt und des Gerolsteiner Brunnens, für das neue Gelände bereits einen Ankermieter zu haben. Wir sprechen hier von mindestens 20 Jahren."
Konkret ist angedacht, dass das Gebäude komplett in voneinander getrennte Ebenen unterteilt wird: im Erdgeschoss die technischen Anlagen des Gerolsteiner Brunnens, darüber der LBM. Die Untersuchung, ob das wirklich eine Lösung sein kann, ist noch nicht abgeschlossen. Einerseits benötigt die Behörde enorm viele technische Zuleitungen, die nachgerüstet werden müssten - vor allem für schnelles Internet. Andererseits ist fraglich, ob die Behördenmitarbeiter durch den Produktionslärm im Erdgeschoss nicht dauerhaft gestört würden.
Verbleib wäre gut für Gerolstein


Joachim Schwarz, Geschäftsführer des Gerolsteiner Brunnens, sagt: "Es gab Gespräche und wir sind uns mit der Stadt einig, dass es gut für Gerolstein wäre, wenn der LBM in der Stadt bliebe." Man müsse aber zunächst die genauen Anforderungen des LBM kennen, um entscheiden zu können, ob die Mineralwasserzentrale der richtige Standort für die Behörde ist."
Sollte es zu einer öffentlichen Ausschreibung der Landesbehörde kommen, würde der Brunnen die Anforderungen mit den Möglichkeiten in der Brunnenstraße abgleichen sich auf dieser Basis gegebenenfalls beteiligen.
Laut Enders drängt die Zeit: "Die Außenfassade ist nicht mehr dicht und lässt dementsprechend viel Kälte rein. Einerseits. Andererseits haben wir aber auch wegen der großen Fensterflächen bei Sonnenschein auf der Südseite ein Problem: Die Räume heizen sich enorm auf und unsere Klimaanlage darf wegen des veralteten Kühlmittels nicht mehr genutzt werden. Und auch die Haustechnik ist veraltet."
Dann ist da noch die Platznot, deshalb bereits zwölf Mitarbeiter in die neuen Räume des ehemaligen Café Dolomiten an der Hochbrücke umgesiedelt werden. Insgesamt hat LBM einem Platzbedarf von 1068 Quadratmetern.Meinung

Stadt ist in der Pflicht
Der Landesbetrieb Mobilität muss in Gerolstein bleiben! Die Behörde mit fast 100 Mitarbeitern ist ein großer Arbeitgeber, der viele hoch qualifizierte Jobs bietet. Er bringt reichlich Kaufkraft in die Stadt und kann auch für junge Leute interessant sein. Denn: Der LBM sucht junge Straßenbauingenieure. Daher muss alles daran gesetzt werden, zeitnah ein geeignetes Grundstück oder eine Immobilie für den LBM zu finden. Dafür muss die Stadt den Weg freimachen und sollte - wenn nötig - auch bereit sein, Geld auszugeben. Die naheliegendste Lösung ist der Umzug aufs benachbarte Brunnengelände - in die Mineralwasserzentrale oder einen Neubau. Und sie würde auch für den Investor Sicherheit bringen, denn der LBM würde einen langfristigen Mietvertrag unterzeichnen und pünktlich zahlen. Käme es dazu, wäre die Stadt aber erneut in der Pflicht und müsste das jetzige LBM-Gebäude kaufen - und abreißen. Denn eine Industriebrache kann sie sich an dieser exponierten Stelle, wo ringsum in den nächsten Jahren alles auf Vordermann gebracht wird, nicht leisten. m.huebner@volksfreund.deExtra

1888: Gründung des Landesbauamts Prüm. 1945: Beginn des Wiederaufbaus der zerstörten Straßen und Brücken im Bereich zwischen Neuerburg, Bleialf, Bitburg, Prüm, Hillesheim, Daun. Oktober 1946: Die französische Besatzungsmacht beschlagnahmt das Dienstgebäude in der Oberbergstraße 26; Umzug in die Oberbergstraße 44 (Villa "Kuh"-Schmitz). Die platzt aus allen Nähten, da dort auch ausgebombte Familien wohnen. Juli 1947: Nachdem die Stadt Prüm kein Grundstück für einen Neubau bereitstellt, wird die Behörde nach Gerolstein in einen Neubau in der Sarresdorfer Straße verlagert. Die Behörde heißt: "Straßenbauamt Prüm in Gerolstein". Der aus Prüm stammende Ministerialrat im Verkehrsministerium in Mainz, Heribert Nellessen, hat in seiner Chronik 2001 festgestellt: "Man hat seitens der Stadtverwaltung Prüm nicht für den Erhalt des Landesbauamtes in Prüm gekämpft." Und weiter: "Der Traum vom Straßenbauamt Prüm ist ausgeträumt." April 1957: Umbenennung in "Straßenbauamt Gerolstein". 1964: Schaffung von Straßenmeistereien für Winterdienst und Unterhaltung. Übernahme der Kreisstraßen der Kreise Daun, Bitburg und Prüm. 1974: Personal-Höchststand mit 497 Beschäftigten. Oktober 1997: Umzug in die Brunnenstraße 1, das ehemalige Verwaltungsgebäude des Gerolsteiner Sprudels. Oktober 2000: Harald Enders wird Leiter der Behörde. Januar 2007: Der Landesbetrieb Straßen und Verkehr (LSV) wird zum Landesbetrieb Mobilität (LBM). Januar 2017: Der LBM Gerolstein ist für 2375 Straßenkilometer in den Landkreisen Vulkaneifel und Bitburg-Prüm zuständig - davon 340 Kilometer Bundesstraßen, 930 Kilometer Landesstraßen, 755 Kilometer Kreisstraßen im Eifelkreis und 350 Kilometer Kreisstraßen im Kreis Vulkaneifel. Beim LBM Gerolstein arbeiten 313 Leute, davon 95 im Innendienst und 218 (davon 9 Azubis) bei den Straßenmeistereien. In den nächsten Jahren kommen zehn weitere Mitarbeiter im Innendienst hinzu. mh