Stress im Freizeitpark Wald

Stress im Freizeitpark Wald

AHRWEILER. (tul) "Über allen Wipfeln ist Ruh", dichtete Goethe in des Wanderers Nachtlied. Im deutschen Wald hat sich einiges verändert. Im beliebten Freizeit-Revier stoßen immer mehr Gruppen mit unterschiedlichen Interessen und Aktivitäten aufeinander.

Der Abenteuer-Sportplatz "Wald" ist inzwischen sehr gefragt. Mountainbiker, Jogger, Nordic-Walker, Motocross-Fahrer und Quad-Fans suchen Freizeitspaß mit Naturerlebnis und kommen dabei immer öfter Jagdpächtern und Waldbesitzern ins Gehege. Informationsdefizite über die Spielregeln für das Sozialverhalten im Wald erlebt der Ahrweiler Forstamtsleiter Hansjörg Pohlmeyer regelmäßig: Das liberale rheinland-pfälzische Waldgesetz erlaubt zwar das Radfahren auf Waldwegen, die für den Fahrzeugverkehr geeignet sind, nicht aber auf Fußpfaden. Für Ausnahmen von dieser Regelung und organisierte Veranstaltungen ist außerdem die Erlaubnis der Waldbesitzer erforderlich. Einer, der sich auskennen muss, ist Peter Ennenbach vom RSV Sturmvogel. Wenn er Touristikfahrten für größere Gruppen organisiert, sind von Brutperioden bis hin zu Holzeinschlagszeiten alle möglichen naturschutz- und forstrechtlichen Einschränkungen für die Streckenführung zu beachten und Genehmigungen einzuholen. Willi Schüller vom RSC Herschbroich weiß, dass die Jagdpächter empfindlich auf geführte Touren reagieren, weil sie glauben, dass sich die Teilnehmer die Strecke merken und anschließend weiter frequentieren. Er arbeitet mit an einem Permanent-Netz im Bereich der Verbandsgemeinde Adenau: Eine ausgewiesene Mountainbike-Route soll den Zweiradverkehr im Forst kanalisieren. Spätestens im Herbst wird das mit Ortsgemeinden, Fachbehörden und Naturschutz abgestimmte Konzept stehen. "Schließlich wollen wir die Touristen hier haben. Und wir können im Wald keine Verbotsschilder aufstellen", ist VG-Bürgermeister Hermann-Josef Romes überzeugt, mit dieser Lösung Interessenskonflikte entschärfen zu können. Andreas Wittpohl, Geschäftsführer von Ahrtal-Tourismus, bestätigt, dass die Nachfrage von Gästen nach Mountain-Bike-Aktivitäten steigt. Er hält es für richtig, den Freizeitsport auf festen Routen umweltverträglich zu lenken. Ein Problem hat er allerdings ebenso wie Verbandsbürgermeister Romes mit organisierten Quad-Veranstaltungen. Inspiriert durch den Motorsport am Nürburgring, tummeln sich Anbieter rund um die Nordschleife. Einer von ihnen ist Klaus Nöhl. Er fährt inzwischen mit seinen Gästen nicht mehr durch den Wald im Ahrkreis, macht aber darauf aufmerksam, dass es viele Quad-Fans auf eigene Faust sehr wohl tun und dabei keine Rücksicht nehmen. Auf ähnlichem Kollisionskurs im Wald befinden sich auch die Offroader auf Geländemaschinen, die mit umgeklappten oder verschmierten Nummernschildern durch den Forst brettern und dabei nicht selten auch Wanderer gefährden. Jürgen Kindgen, Kreisgruppenvorsitzender der Jägerschaft und Mitglied im Landesjagdverband, hat festgestellt, dass der Wald als Naherholungsraum zwar gerne genutzt wird, aber die Menschen sich zunehmend von der Natur entfremden. Das Bewusstsein für die Zusammenhänge in diesem Ökosystem ist verloren gegangen: "Das gilt für den Jogger, der nachts mit Stirnlampe unterwegs ist, oder für den Wanderverein, der schon aus einer Distanz von 500 Metern zu hören ist."