Strohner machen Bürgermeisterriege komplett

Strohner machen Bürgermeisterriege komplett

Die rund 400 Wahlberechtigten in Strohn müssen "nachsitzen": Fünf Monate nach der Kommunalwahl entscheiden sie am Sonntag, wer neuer Ortsbürgermeister wird. Zwei Kandidaten wollen die Nachfolge von Alois Pohlen antreten, der 35 Jahre im Amt war.

Strohn. An neue Namen oder unbekannte Gesichter müssen sich die Strohner bei der Ortsbürgermeisterwahl nicht gewöhnen, denn es treten zwei "Eingeborene" an: Axel Römer (43), Rettungsassistent, verheiratet, drei Kinder, und Helmut Schäfer (56), Polizist, verheiratet, vier Kinder.
Für ihn ist es der zweite Anlauf aufs höchste Amt im Dorf. Schon am 25. Mai war Schäfer als Ortsbürgermeisterkandidat angetreten, damals ohne Gegenkandidaten. Aber dieser Versuch schlug fehl. Zwei Stimmen fehlten ihm, um die Nachfolge von Alois Pohlen antreten zu können, der nach 35 Jahren als Ortsbürgermeister aufgehört hat. Warum tritt er aber doch noch einmal an? "Natürlich war ich enttäuscht vom Ergebnis. Aber ich habe es nicht als Klatsche empfunden, war nicht so persönlich getroffen, dass ich alle meine Ambitionen begraben hätte", sagt Schäfer. Nach der Wahl sei er von vielen Strohnern ermuntert worden, sich für das Bürgermeisteramt zu bewerben.
Deshalb seine Entscheidung: "Ich denke, ich bin immer noch der richtige Mann für das Amt, deshalb stelle ich mich erneut den Wählern." Sie haben am Sonntag die Wahl: Schäfer oder Römer? Axel Römer (43) hätte sich vor 18 Monaten nicht vorstellen können, Bürgermeister seines Heimatorts zu werden, und auch am 25. Mai war er nicht angetreten. Aber als Schäfer nicht genug Stimmen erhielt, "sind viele Strohner auf mich zugekommen, ich solle doch kandidieren." Zeitlich sei das möglich, da er Teilzeit arbeite, er habe aber doch lange überlegt, ob er antritt, "auch mit Blick auf die familiäre Situation mit drei schulpflichtigen Kindern." Ins kommunalpolitische Geschäft ist Römer über die Bürgerinitiative gegen die geplante Deponie, deren Vorsitzender er ist, und als Nachrücker in den früheren Gemeinderat gekommen. Nach der Wahl im Mai war er zum zweiten Beigeordneten gewählt worden.Wunden sind noch frisch

... oder Helmut Schäfer? Foto: privat


Der Rat wurde bei der Kommunalwahl praktisch "runderneuert", nur noch zwei der früheren Mitglieder sind dabei, die Deponiegegner sind die stärkste Kraft im Gremium. "Das war schon ein gewaltiger Umbruch", sagt Römer. "Aber der neue Rat hat sich mit großem Engagement an die Arbeit gemacht. Strohn ist nicht im Chaos versunken, wie einige prophezeit hatten."
Um das Thema Deponie, das im Dorf sehr kontrovers diskutiert wurde, ist es ruhiger geworden. Im September hatte die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Koblenz verkündet, sie sehe keinen Bedarf für eine weitere Deponie der Klasse 1 (auf der unter anderem Erdaushub, Bauschutt und Abfälle aus dem Straßenbau gelagert wurden) im nördlichen Rheinland-Pfalz. Die Firma Scherer aus Kastellaun hatte beantragt, in der von ihr betriebenen Grube in Strohn eine Deponie einzurichten. Der frühere Gemeinderat hatte das Projekt befürwortet, die Mehrheit der Bevölkerung nicht. Im März beteiligten sich fast 90 Prozent der Strohner an einer Bürgerbefragung. Ergebnis: Knapp zwei Drittel der Einwohner lehnen das Vorhaben ab.
Die Auseinandersetzung um die Deponiepläne habe Spuren hinterlassen im Dorf, sagt Schäfer. "Da sind viele Wunden geschlagen worden, und viele sind immer noch frisch. Es wird viel zu tun sein für den neuen Bürgermeister, um die entstandenen Gräben wieder zuzuschütten." Für Römer ist wichtig, "dass das Dorf in Entscheidungen einbezogen wird." Genau das sei beim Thema Deponie nicht passiert.

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