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Sturm im Wald: Nicht nur Bürgerentscheid in Bodenbach

Energie : „Nicht nur die Bodenbacher zum Thema Windkraft fragen“

Der Bürgerentscheid über das Energierojekt findet am 14. März statt. Die Wählergruppe Sturm im Wald fordert auch Befragungen in benachbarten Orten.

(sts) In Bodenbach haben die Bürger am 14. März gleich zwei Mal die Wahl: Sie können mit über die Besetzung des  rheinland-pfälzischen Landtags entscheiden und werden gefragt, ob sie für oder gegen den Bau einer Windkraftanlage sind. Der Bürgerentscheid (siehe Info) ist eine Premiere in der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg. Gefragt wird: „Befürworten Sie den Bau und den Betrieb einer Windkraftanlage auf einem gemeindeeigenen Grundstück in der Gemarkung Bodenbach?“

Aus Sicht der Fraktion der Wählergruppe Sturm im Wald (SiW) im Rat der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg sollten aber nicht nur die Bodenbacher mitreden, sondern auch die Bürger der Nachbargemeinden Bongard, Gelenberg und Senscheid (VG Adenau). Denn die wären auch von den möglichen Auswirkungen der Anlage betroffenen.

SiW sagt, dass seit 2017 Windenergieanlagen nur an solchen Standorten errichtet werden dürfen, an denen der Bau von mindestens drei Anlagen im Verbund möglich sei. Deshalb seien seitdem auch bei der Kreisverwaltung (KV) Vulkaneifel keine Anträge mehr für eine einzelne Anlage gestellt worden. „Ganz im Gegenteil: Allein aus der VG Kelberg liegen der KV derzeit Anträge der Gemeinden Boxberg/Bongard für sechs, Retterath/Kolverath für vier und Mannebach für sechs Anlagen vor.“

Bodenbach hält dagegen: Die Gemeinde sieht die Möglichkeit grundsätzlich gegeben, eine Windkraftanlage (als Einzelanlage) zu errichten. „Wir berufen uns dabei auf den Landesentwicklungsplan, in dem es heißt: ,Es dürfen einzelne Windenergieanlagen nur an solchen Standorten errichtet werden, an denen der Bau von mindestens drei Anlagen im räumlichen Verbund planungsrechtlich möglich ist.’“

In der SiW-Pressemiteilung heißt es: „Wenn es nach den Plänen der Windkraftbetreiber geht, dann würden auf dem Höhenrücken zwischen Bodenbach und Darscheid zusätzlich zu den bereits neun vorhandenen Anlagen mindestens 24 weitere 250 Meter hohe Anlagen entstehen und davon alleine 22 Anlagen im Wald.“ Erwähnt wird auch das Projekt Windpark Ehlert-Hunnert, der zwischen den Dörfern Darscheid, Utzerath, Hörscheid und Gefell entstehen sollte. Gefell, Darscheid und Utzerath haben sich die Bürger mittlerweile mehrheitlich dagegen ausgesprochen, das Vorhaben liegt auf Eis.

Die Wählergruppe führt an, dass für die neun vorhandenen Anlagen der Gemeinden Beinhausen, Katzwinkel und Sarmersbach in den nächsten fünf Jahren ein sogenanntes Repowering möglich sei, also die vorhandenen Anlagen durch neue, höhere ersetzt werden könnten. Der Darstellung von SiW geht es „inklusive Repowering also um 33 Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe bis zu 250 Meter und Investitionskosten zwischen fünf und zehn Millionen Euro pro Anlage und Standort...“. Die Bodenbacher würden also nicht einfach mit Ja oder Nein für den Bau einer einzelnen Windkraftanlage entscheiden, sondern ob durch ihr Votum „der Stein für den größten Windpark im Kreis Vulkaneifel mit einem Investitionsvolumen zwischen 150 und 300 Millionen Euro ins Rollen gebracht“ werde.

In Bodenbach steht der Rat zur Befragung. „Der Gemeinderat hat das einstimmig beschlossen, die Kommunalaufsicht hat es genehmigt“, sagt Ortsbürgermeister Thorsten Krämer. Sollte sich eine Mehrheit im 200-Einwohner-Ort für Windkraft entscheiden, will die Gemeinde Angebote von verschiedenen Betreibern einholen und auswerten. „Alle wichtigen Entscheidungen und Eckpunkte hierüber werden transparent gehalten“, sagt Kremer. Mögliche Pachteinnahmen würden zugunsten der Gemeinde gehen und so alle Bürger davon profitieren. Seine Bitte an die Bürger: „Gehen Sie respektvoll miteinander um und akzeptieren Sie stets die unterschiedlichen Meinungen. Lassen Sie uns auch bei diesem emotionalen Thema den Frieden im Dorf bewahren. Wer Fragen zu diesem Thema haben, wir stehen Rede und Antwort.“