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Teurer öffentlicher Nahverkehr in der Vulkaneifel: Rufe nach einem Sozialticket werden lauter

Teurer öffentlicher Nahverkehr in der Vulkaneifel: Rufe nach einem Sozialticket werden lauter

Der öffentliche Nahverkehr im Kreis ist nicht für alle bezahlbar, immer wieder werden deshalb Rufe nach einem Sozialticket laut. Doch der Verkehrsverbund lehnt ab. Und der Kreis verlässt sich weiterhin auf die Freiwilligen, die Fahrdienste anbieten.

Daun/Gerolstein. Es dauert eine knappe Stunde und kostet 16 Euro: Zeit und Geld braucht, wer zum Beispiel mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Lissendorf nach Daun fahren will. Knapp fünf Euro für die einfache Fahrt muss aufbringen, wer von Kelberg nach Daun kommen will.120 Kilometer auf eigene Kosten

Der öffentliche Nahverkehr in der Verbandsgemeinde (VG) Daun ist nicht für jeden erschwinglich, aber viele sind darauf angewiesen. Vor allem jene, die sich kein eigenes Auto leisten können: Asylbewerber, aber auch so mancher Rentner oder Bezieher von Arbeitslosengeld 2. "Die sind auf sich gestellt", sagt auch Hans Weber aus Lissendorf. Der 65-jährige Konditormeister im Ruhestand fährt Menschen aus Lissendorf, Stadtkyll und Gerolstein nach Daun - oft 120 Kilometer in der Woche, auf eigene Kosten. "Ohne die Freiwilligen geht gar nichts", sagt er.

Das sieht auch Rita Schmaus, Mitarbeiterin der Dauner Tafel, so. Einmal in der Woche ist Lebensmittelausgabe, 130 bis 150 Menschen kommen pro Termin. Sie schätzt, dass etwa ein Viertel von ihnen mit ehrenamtlichen Fahrern aus den umliegenden Dörfern nach Daun kommen. 20 sind es insgesamt, wie Weber fahren sie alle ohne Aufwandsentschädigung. "Die Geduld der Fahrer ist zu bewundern", sagt Schmaus. Schon lange fordert sie deshalb die Einführung eines Sozialtickets, das es in einigen Großstädten wie zum Beispiel Köln schon gibt. Hier bekommen Bedürftige gegen Vorlage eines Berechtigungsscheines ein rabattiertes Ticket, das in der Regel als Monatskarte verkauft wird. Wie hoch der Rabatt ist, hängt vom jeweiligen Modell ab (siehe Extra). Die Differenz zum Normalpreis der Fahrkarte zahlt die Kommune.

In der VG Daun könnte das Sozialticket auch den 615 Asylbewerbern zu Gute kommen. Davon sind nach Angaben der Kreisverwaltung 528 Menschen dezentral, das heißt, nicht in einer Gemeinschaftsunterkunft, sondern in einer eigenen Wohnung untergebracht. Doch egal, wo sie leben, mindestens einmal im Monat müssen sie auf der für sie zuständigen Behörde vorsprechen - in Daun, Gerolstein, Kelberg und Hillesheim. Dazu kommen die Fahrten zur Tafel oder zu Sprachkursen. Fahrtkostenzuschüsse gibt es in der Regel nur für offiziell anerkannte Asylbewerber.Viel Geld für die Monatskarte

Für Schmaus ein großes Problem: "Ohne Mobilität gibt es keine Integration", sagt sie. Doch nicht nur die Asylbewerber im Kreis könnten ihrer Meinung nach vom Sozialticket profitieren. Aktuell beziehen Empfänger von Arbeitslosengeld neben ihrer Miete monatlich 404 Euro - der sogenannte Regelsatz. Eine Monatskarte von Lissendorf nach Daun kostet beim Verkehrsverbund Region Trier (VRT) allerdings 186,60 Euro. Das ist auch für Rentner und Geringverdiener viel Geld. Insbesondere die Fraktionen der Grünen und der Linken im Kreistag setzen sich deshalb für die Einführung des Sozialtickets ein - bislang ohne Erfolg.

Schon im vergangenen Oktober hatte der Kreistag den VRT, zuständig für den Nahverkehr im Kreis, um Abstimmung gebeten: er entschied sich gemeinsam mit dem Schienenzweckverband Nord gegen das Sozialticket. Es sei nicht eindeutig festzulegen, wer die Berechtigung für solch ein Ticket hat, hieß es in der Begründung vom März diesen Jahres. "Die Festlegung ist aber unerlässlich für den sozialen Frieden zwischen den infrage kommenden Nutzerkreisen", sagt Verena Bernardy, Sprecherin der Kreisverwaltung Vulkaneifel. Ohnehin biete der VRT ja bereits Vergünstigungen an, mit der sogenannten Sparcard für 19 Euro im Jahr gebe es 20 Prozent Rabatt auf den Einzelfahrschein.

Beim VRT zeigt man sich außerdem skeptisch angesichts des zu erwartenden Nutzens: "Sozialtickets führen nicht automatisch dazu, dass mehr Menschen den Bus auch wirklich nutzen", so Veronika Zaenglein, Sprecherin des VRT. Außerdem müsse die Kommune gegenfinanzieren, damit das Modell überhaupt rentabel sei. "Diese Gegenfinanzierung ist im Rahmen der Haushalte als freiwillige Leistung einzustufen", so Zaenglein.
Es bleibt also vorerst bei den Fahrdiensten der freiwilligen Helfer im Landkreis. Deren Engagement erkennt die Kreisverwaltung zumindest an und spricht von "einer enormen Hilfsbereitschaft". Hans Weber steht vorerst weiter als Fahrer zur Verfügung, notfalls auch mehrmals am Tag. "Manchmal muss man zweimal fahren, weil nicht alle ins Auto passen. Und man kann doch keinen stehen lassen."Meinung

Auf dem Rücken der FahrerDas Sozialticket ist für die Region sicher nicht die Ultima Ratio. Der Landkreis Vulkaneifel ist kein Ballungsraum wie Köln oder Mainz, und auch hiesige Nahverkehrsunternehmer dürfen zu Recht auf Rentabilität bestehen. Eine Lösung muss trotzdem her. Asylbewerber, Rentner oder Geringverdiener müssen von A nach B kommen können, ohne auf die Freiwilligkeit der ehrenamtlichen Fahrer angewiesen zu sein. Und auf deren Rücken wiederum darf das Problem nicht ausgetragen werden. l.bergmann@volksfreund.deExtra

In Mainz bekommen die Inhaber des sogenannten Sozialausweises als Nachweis der Bedürftigkeit etwa 25 Prozent Rabatt auf die Monatskarte. Der Normalpreis beträgt hier derzeit 78,20 Euro. Bedürftige in Köln erhalten von der Stadt den sogenannten Mobilpass und damit vergünstigte Tickets für Bus und Bahn. Die Monatskarte in der kleinsten Preisstufe kostet so 28,30 Euro statt 68,20 Euro - eine Ersparnis von über 50 Prozent. Seit dem ersten Januar hat auch Ludwigshafen ein Sozialticket, die Stadt bezuschusst vor allem Fünffahrten-Tickets. Die kosten regulär 11,20 Euro, vergünstigt noch sieben Euro für Erwachsene. lbe