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Theologe erlebt Welle der Solidarität

Theologe erlebt Welle der Solidarität

Eine Welle der Hilfsbereitschaft hat im Zeller Land und weit darüber hinaus die Geschichte über Björn Butzen ausgelöst. Der 35-jährige Diplom-Theologe, der mit verkürzten Armen auf die Welt kam, wäre für seinen Job dringend auf einen behindertengerechten Umbau seines Autos angewiesen. Doch die Bundesagentur für Arbeit Koblenz-Mayen will die Kosten dafür nicht übernehmen.

Zell. Björn Butzen erreichte aus der Öffentlichkeit nun unter anderem der Vorschlag, Zeller Geschäftsleute könnten den circa 2800 Euro teuren Umbau des Autos bis zu einer Entscheidung des Sozialgerichts Koblenz vorfinanzieren. Doch so einfach ist das nicht.
Allein 395 Mal ist die Geschichte über Björn Butzens Profil im sozialen Netzwerk Facebook geteilt, also weiterverbreitet worden, nachdem sie in der Rheinzeitung veröffentlicht worden war. Viele Menschen drückten in Kommentaren ihre Solidarität mit dem Zeller aus. "Ich war total perplex, wie weit das gestreut wurde. Die meisten haben sehr positiv auf die Veröffentlichung reagiert."
Darum geht\'s: Seit September arbeitet Butzen für einen Träger sozialer Einrichtungen als Seminarbegleiter, befristet, mit Aussicht auf eine Festanstellung. Er schult junge Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren. Sein Büro hat er im 43 Kilometer entfernten Bernkastel-Kues. Doch für 20 Wochen pro Jahr muss er in ein Seminarzentrum nach Waldbreitbach (Kreis Neuwied), das gut 120 Kilometer entfernt liegt. Er muss viel Gepäck mitschleppen: Rollkoffer, Laptop, einen Drucker und Unterlagen. Einmal im Jahr muss er FSJ-ler an Einsatzstellen besuchen, in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland.
Bis Februar dieses Jahres war das kein Problem: Butzen packte das, was er brauchte, in den Kofferraum seines Autos und fuhr los. Denn der Wagen verfügte über die Lenkhilfen, die Butzen benötigt, um ihn fahren zu können. Doch dann musste er sein in die Jahre gekommenes Auto gegen ein neues tauschen. Er stellte einen Antrag auf "behinderungsbedingte Zusatzausstattung" nach der Kfz-Hilfeverordnung. Den lehnte die Arbeitsagentur ab - Begründung: "Herr Butzen ist laut Gutachten in der Lage, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen und kann seinen Arbeitsort damit erreichen." Stimmt. Doch so würde schon der Weg nach Waldbreitbach zu einer fast dreieinhalbstündigen Tortur. Irrelevant, urteilte die Arbeitsagentur.
Die Internetgemeinde sah und sieht das anders. Sie äußerte viele Ideen. Eine war, ein Autohaus könne in Vorleistung gehen und so für sich werben. Andere wollen das Geld für den Autoumbau über ein Benefizkonzert einspielen. "Es waren tolle Ideen dabei", sagt Butzen. Aber er hat eben schon den Klageweg bestritten. Und der Anspruch auf eine Kostenerstattung, den er zu haben glaubt, könnte verfallen, wenn die Allgemeinheit einspränge.
Bei der Angelegenheit geht es dem Zeller schließlich nicht nur um seinen Fall. "Es geht mir darum, sich generell über das Thema Inklusion zu unterhalten, und wie es damit weitergeht." Die Debatte läuft. Bei Butzen hat sich inzwischen auch das Fernsehen gemeldet, um seine Geschichte zu erzählen.