Tierschützer im Clinch

Tierschützer im Clinch

Gnadenhof für Tiere oder Tierheim? Tierschutz oder Datenschutz? Nach einjährigem Zwist haben sich die Tierschützer in der Vulkaneifel in zwei Lager gespalten. Die einen agieren sich weiter für den Tierschutzverein Vulkaneifel. Die anderen gründeten den Verein "Tierhilfe Vulkaneifel".

Walsdorf/Feusdorf. "Da sind ganz tiefe Gräben", sagt Ferdinand Baum. Der 57-Jährige gehörte sowohl dem Tierschutzverein Vulkaneifel als auch dem erst vor rund zwei Monaten gegründeten "Tierhilfe Vulkaneifel" an. Beim Start des Vereins Tierhilfe Vulkaneifel (THV) war er sogar dessen zweiter Beisitzer. Nach den ersten Erfahrungen lässt er kein gutes Haar am THV. Er sagt: "Die Tierhilfe kommt mir nicht ganz seriös vor. Der Verein sollte etwas für Tiere tun, anstatt Posten zu verschachern." Schon bei der ersten Versammlung sei der Vorstand gewählt worden.

Beim kürzlichen Spielefest im Bolsdorfer Tälchen habe er noch für die Tierhilfe Geld gesammelt. Baum: "Was mit dem Geld passiert ist, weiß keiner. Ich wollte, dass ein Konto für den Gnadenhof eingerichtet würde. Vergebens. Der THV kriegt noch nicht einmal 200 Euro für die Versicherung zusammen."

Peter Busko, Vorsitzender des Ende Juli gegründeten THV, reagiert entsetzt: "Die Anschuldigungen sind unberechtigt. Die Sammeldose ist noch geschlossen und wird erst geöffnet, wenn sie voll ist." Die Kasse des jungen Vereins sei bei 22 Mitgliedern noch nicht gut gefüllt. 200 Euro für die Vereinshaftpflicht seien ein dicker Batzen. Stempel und Mitgliederausweise zieren bereits das THV-Logo mit dem Zusatz "e.V.". Dabei hat die THV noch nicht die Zulassung als gemeinnütziger Verein. Busko: "Wir rechnen in den nächsten Tagen damit."

Auch Heike Reinert, Vorsitzende des Tierschutzvereins (TSV) Vulkaneifel, schlägt in die gleiche Kerbe wie Baum. "Bei jeder Vorstands-Sitzung gab es Diskussionen, weil unserer Meinung nach die Tiere zu kurz kamen, Busko und Kassenwart Wilfried Müller aber mehr auf perfekte Vereinsführung setzten. Sie wollten sogar einen Datenschutzbeauftragten installieren."

40 TSV-Mitglieder haben sich mittlerweile abgemeldet und sich teils dem THV zugewandt oder gänzlich ihr Engagement beendet.

Letztendlich schaltete Reinert das Amtsgericht ein. Daraufhin wurde eine Rechtsanwältin von der Oberen Kyll als Notvorstand berufen. Seit 22. August ist Reinert aber als TSV-Vorsitzende bestätigt. Zwischen TSV und THV gibt es noch viel Gerangel: wegen vermeintlichen Verleumdungen, Urkundenfälschungen und Pflegestellen für Tiere. Auch bei der Zielsetzung klaffen die Vorstellungen auseinander. THV-Vorsitzender Busko: "Unser oberstes Ziel ist die Einrichtung eines Gnadenhofes. Dazu werden wir in den nächsten Wochen Flyer verteilen." Reinert erklärt: "Ein Gnadenhof wäre in zwei Wochen voll. Nur ein Tierheim macht Sinn." Sponsoren für ein Tierheim im Landkreis Vulkaneifel soll es nach TV-Informationen bereits geben (Bericht folgt).

Meinung

Leider nur noch Nebensache

Der Knatsch zwischen den Tierschützern im Kreis und besonders die Aufspaltung in zwei Gruppen ist unsäglich. Denn wo es primär um Verleumdungen, Beleidigungen und gegenseitige Angriffe geht, kann die eigentliche Aufgabe, nämlich Tieren zu helfen, nur noch Nebensache sein. Das muss schleunigst ein Ende haben. Da es die Beteiligten offensichtlich nicht schaffen, an einem Strang zu ziehen, kann der rein privat organisierte Tierschutz im Landkreis als gescheitert angesehen werden. Es ist daher Aufgabe der Politik und allen voran von Landrat Heinz Onnertz, diejenigen, die es mit dem Tierschutz dennoch ernst meinen, an einem Tisch zu bringen, um einen Neuanfang zu starten. Denn erstens ist deren Verunsicherung bereits mit Händen zu greifen, zweitens heißt das große Ziel (trotz jahrelanger vergeblicher Bemühungen) noch immer: ein Tierheim für den Vulkaneifelkreis. Das rückt aber in immer weitere Ferne, solange die vermeintlichen Tierschützer gegeneinander arbeiten. Man bedenke allein die Außenwirkung: Dieser Zwist schreckt Leute, die sich erstmals engagieren wollen, ab, bevor sie angefangen haben. m.huebner@volksfreund.de