Tiersuche in der Eifel: Viele Herzen für drei Hunde

Tiersuche in der Eifel: Viele Herzen für drei Hunde

Es ist ein Drama mit einem glücklichen Ende: Tagelang irren drei Hunde in den Wäldern der Eifel umher. Rund zehn Helfer eines Wittlicher Tierschutzvereins ist es zu verdanken, dass die Tiere überlebt haben.

Sie heißen Hope, Angel und Silvester und sind Geschwister. Den drei Schäferhunden mit ihrem schwarz-braunen struppigen Fell geht es gut. Sie bellen, schauen treu in die Gegend, springen hin und her, quer durch ihren Auslauf und an Gabi Lames, der Besitzerin vom Haus der Hunde in Hillesheim, Vulkaneifelkreis, hoch. Daran war vor ein paar Tagen noch nicht zu denken. Völlig schwach und ausgehungert hätten die drei Tiere um ihr Leben gekämpft, seien ziellos durch die Wälder der Eifel umhergeirrt.

Dem glücklichen Ende im Hillesheimer Haus der Hunde ging eine dramatische Suchaktion über mehrere Tage hinweg voraus: Es war kurz vor Weihnachten, als Lames einen Anruf von der Polizei bekam. Die Beamten informierten die Hundeheim-Besitzerin darüber, dass Passanten zwischen Gees und Pelm, beides Vulkaneifelkreis, angeblich drei Wölfe gesichtet hätten. Lames fuhr in den Wald. "Da habe ich schnell gesehen, dass es sich um Hunde handelt.”
Die 48-Jährige erzählt davon, wie sie sich den drei Hunden näherte und wie zwei dabei weggelaufen seien. Nur ein Tier sei stehen geblieben, eine Hündin. Sie sei völlig am Ende gewesen, habe nicht mehr laufen können. Außerdem fand Lames Hinweise darauf, dass der Vierbeiner kurze Zeit zuvor Welpen auf die Welt gebracht hat.

Ein Wettlauf gegen die Zeit begann, da die Helfer nicht wussten, wann die Hündin die Welpen geworfen hat. Die Hoffnung, die anderen Tiere schnell zu finden, sei groß gewesen. "Deswegen haben wir die zuerst gefundene Hündin Hope genannt”, erzählt Lames. Hope ist Englisch und heißt übersetzt Hoffnung. Die Tierliebhaberin erstellte einen Aufruf im Internet, mit dem Ziel, die beiden flüchtigen Hunde sowie die Welpen zu finden, die Hope kurz zuvor geworfen haben könnte.

Mit dem Aufruf schaffte es Lames, etwa zehn Helfer zusammenzutrommeln. Unter ihnen auch Mitglieder des Fördervereins Eifeltierheim Daun/Wittlich und Carina Niesen. Für die Freiwilligen stellte sich die Suche nach den Tieren jedoch als Zerreißprobe heraus, erzählt Carina Niesen. Immer wieder sahen die Helfer die Tiere. Immer wieder entwischten sie ihnen.

Auch von den Welpen fehlte weiter jede Spur. Carina Niesen beschreibt die Suchaktion nach den Tieren als nervenzehrend. Schnell sei allen klar geworden, dass es ohne professionelle Hilfe unmöglich sei, die Tiere einzufangen.
Der Tierschutzverein in Mayen stellte dem Suchtrupp eine Lebendfalle zur Verfügung. Eine weitere bauten die Helfer in Eigenleistung gleich selber. Dann platzierten sie die Falle im Wald und legten eine Futterspur. "Jedes Mal warteten wir stundenlang”, sagt Lames. "Es war Weihnachten. Deswegen hatten wir zum Glück Plätzchen dabei”, ergänzte Niesen.
Das sei Tage lang so gegangen ohne Erfolg - bis an Heiligabend. Wie immer hätten die Helfer einen Hinweis über Facebook bekommen, wie schon viele Male zuvor. Doch diesmal sei alles anders gewesen. "Eigentlich wollte ich mit meinem Freund essen gehen”, erzählt Lames und lacht. Sie habe bereits die feinen Klamotten angehabt.

Nach dem Anruf entschied sie sich dann aber kurzerhand gegen das Essen und für die Suche nach den Hunden. Lames und Niesen hatten Glück. Einer der beiden Hunde folgte einer Futterspur und lief in die Lebendfalle. "Wir haben die zweite Hündin an Heiligabend gerettet. Deswegen haben wir sie auf den Namen Angel getauft”, sagt Niesen. Außerdem sei da klar geworden, dass es sich bei den Hunden um Geschwister handele. Was danach begann, waren Tage der Verzweiflung. Immer wieder wurde der dritte Hund gesichtet, immer wieder entwischte er dem Suchteam. Der Futterspur sei er bis kurz vor die Falle gefolgt, drehte dann aber wieder ab und verschwand im Wald. Niesen und Lames hätten fast schon aufgegeben, als sie am letzten Tag des Jahres auf dem Rückweg zum Auto gewesen seien und wieder ein Versuch misslungen war, den Hund einzufangen. Dabei seien sie an der Marienstatue in Hersdorf vorbeigelaufen. Dort hätten sie spontan beschlossen zu beten.

Das Stoßgebet hatte Erfolg: Kurz darauf tauchte der Rüde vor ihrem Auto auf. "Da standen uns die Tränen vor Freude in den Augen”, sagt Niesen, immer noch sichtlich erleichtert. Sie taufen ihn auf den Namen Silvester. Eine weitere Nacht im Freien, da sind sich die Helfer sicher, hätte Silvester nicht überlebt.

Die Tiere werden jetzt zunächst alle medizinisch versorgt. Hope wird derzeit wegen Verletzungen an der Gebärmutter mit Antibiotika und Schmerzmittel behandelt, Silvester gegen Fieber und wegen einer Wunde an der Pfote. "Da sind die Zecken noch das kleinste Problem”, erläutert Niesen. Angel hatte Glück: Aus medizinischer Sicht ist sie gesund. Sie sei aber sehr scheu. Außerdem sollen die Tiere jetzt noch gechipt, kastriert und geimpft werden.

Gabi Lames rechnet vor, dass sie alleine während der Suche rund 800 Kilometer durch die Gegend gefahren ist. Zudem habe sie etwa 55 Stunden Zeit investiert. Auch die Mitglieder des Fördervereins Eifeltierheim Daun/Wittlich hätten ihre eigenen Belange zurückgestellt, um den Tieren zu helfen. Ob die Hunde ausgesetzt worden seien, sei nicht abschließend zu klären, aber wahrscheinlich sei das schon, sagt Gabi Lames: "Bei vermissten Tieren meldet sich der Besitzer innerhalb von ein paar Tagen.” Die Welpen hätten die Helfer trotz intensiver Suche nicht finden können. Carina Niesen hofft, dass die Geburt der jungen Hunde erfolgte, bevor Hope ausgesetzt wurde. Die Hauptaufgabe von Lames wird jetzt sein, einen neuen Besitzer für die Hunde zu finden. Denn das Haus der Hunde in Hillesheim ist nur ein vorübergehendes Zuhause, auch wenn es derzeit so aussieht, als würden Hope, Angel und Silvester hier nie mehr weg wollen.