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Tomaten-Projekt schmeckt nicht allen

Tomaten-Projekt schmeckt nicht allen

Der Rat der Ortsgemeinde Mehren hat sich mit großer Mehrheit für das Projekt Gemüseland Vulkaneifel ausgesprochen. Eine niederländische Firma will sich in der Eifel ansiedeln und auf vier Hektar Tomaten anbauen - unter Glas.

Mehren. In jüngster Vergangenheit hatten niederländische Investoren keinen Erfolg damit, Projekte in der Eifel umzusetzen. Die geplanten Hühnerfarmen in Birresborn und Eppenberg (Verbandsgemeinde Kaisersesch) brachten die Bürger auf die Barrikaden, und noch bevor eine detaillierte Planung hätte beginnen können, waren die Ansiedlungsabsichten schon wieder vom Tisch. Anders in Mehren: Dort hat der Gemeinderat den Weg freigemacht, dass die Planungen für das sogenannte Gemüseland Vulkaneifel anlaufen können. Dahinter verbirgt sich ein Vorhaben des Gartenbaubetriebs Jacobs aus dem niederländischen Belfeld in der Gemeinde Venlo. Er will in einem vier Hektar - entspricht etwa fünf Fußballfeldern - großen, gläsernen Gewächshaus Tomaten anbauen. In einer Bürgerversammlung wurde das Projekt vorgestellt, nun ist es nach Auskunft von Ortsbürgermeister Erwin Umbach vom Rat mit großer Mehrheit beschlossen worden.

Wo soll das Gewächshaus entstehen? Entgegen ersten Überlegungen soll es nicht im direkt an der Autobahn 1/48 gelegenen Gewerbegebiet der Gemeinde gebaut werden, weil nicht alle der benötigten Grundstücke verfügbar waren. Nun ist als Standort ein Areal auf der anderen Seite der Autobahn an der Bundesstraße 421 vorgesehen (siehe Grafik). Um das Gelände nutzen zu können, müssten etwa sieben Hektar Wald gerodet werden. Zur Erschließung würde auch eine Linksabbiegespur von der B 421 zum Gewächshaus gehören. Alle Kosten, die bei der Nutzbarmachung der gemeindeeigenen Flächen anfallen, will der Investor übernehmen.

Warum ist Mehren als möglicher Standort gewählt worden? Vor allem wegen des Autobahnanschlusses und wegen der Nähe zum Biomassekraftwerk des seit vielen Jahren im Gewerbegebiet ansässigen Holzunternehmens Tombers. Die Anlage produziert überschüssige Wärme, die künftig für die Tomatenproduktion genutzt werden könnte. Auf einer Länge von rund 1,2 Kilometer müssten Leitungen vom Gewächshaus zum Kraftwerk verlegt werden - unter der Autobahn durch.

Das sagen Kritiker: Für den Mehrener Architekten Roland Thelen zeugt das Projekt von "respektlosem Umgang" mit der Eifel-Landschaft. Für ihn ist das Gewächshaus "einem neuen Tagebau" gleichzusetzen. Kritisch sieht er auch, dass angesichts des großen Aufwands relativ wenige Arbeitsplätze entstünden.
Sein Resümee: "Ein solche Ansiedlung gehört an diese Stelle nicht hin". Andere Kritiker fürchten negative Auswirkungen auf den Tourismus in der Region und fragen, ob ein solches Projekt mit dem Gesundland Vulkaneifel vereinbar ist. Moniert wird auch die mögliche Beeinträchtigung des Landschaftsbilds durch die "gut sichtbaren" Glasflächen des Gewächshauses. Karl-Wilhelm Koch - das frühere Kreistagsmitglied der Grünen lebt seit zwei Jahren in Mehren, wo er als Ortsbürgermeisterkandidat angetreten war - schlägt vor, auch die Option eines Bürgerbegehrens gegen das Gewächshaus-Projekt zu prüfen. Ein Bürgerbegehren muss von mindestens 15 Prozent der Wahlberechtigten unterzeichnet sein.

Das sagen Befürworter: Für den ersten Beigeordneten der Gemeinde, Andreas Schüller, ist das Vorhaben unterstützungswürdig, weil es aus seiner Sicht gut zusammenpasst, dass die aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugte Wärme aus dem Biomassekraftwerk der Firma Tombers für die Tomatenproduktion genutzt wird. Unterstützungswürdig auch deswegen, "weil der bisher übliche Import von Tomaten aus Spanien, Italien oder Holland durch eine regionale Erzeugung ersetzt werden könnte". Auch wenn die Zahl der Festangestellten nicht so hoch sei wie bei anderen Mehrener Firmen, gelte in diesem Fall "Kleinvieh macht auch Mist".
Möglichen Auswirkungen auf die Landschaft und/oder Tourismus hält der frühere Ortsbürgermeister Josef Ring entgegen: "Von der Natur allein können wir nicht leben. Wir müssen auch an die Weiterentwicklung und Finanzierung unseres Dorfes denken. Wenn durch Betriebsansiedlungen neue Arbeitsplätze geschaffen werden können und dies auch noch mit der Sicherung bestehender Arbeitsplätze verbunden ist, verlangt dies die Unterstützung durch die Gemeinde."

Wie soll Mehren von der Anlage profitieren? Das holländische Unternehmen stellt bis zu 30 Arbeitsplätze in Aussicht: drei bis fünf Festangestellte und 25 Saisonkräfte von März bis Dezember. Zudem soll Gewerbesteuer vom Gemüseland in die Gemeindekasse fließen.

Wie geht es weiter? Ob und wann das neue Tomaten-Gewächshaus in Mehren in Betrieb genommen werden kann, ist derzeit noch nicht absehbar. "Die Planung befindet sich noch ganz am Anfang", sagt Norbert Saxler von der Bauabteilung der Verbandsgemeindeverwaltung Daun.
Liebe Leser, was halten Sie vom Gewächshaus-Vorhaben des niederländischen Unternehmens? Schicken Sie uns eine Mail an eifel-echo@volksfreund.de.