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Traditionsgeschäft schließt seine Pforten

 Der Gründer des Textilhauses Peter Groß mit Ehefrau Maria Lauxen und den Söhnen (von links) Hermann, Walter und Gerhard. Foto: Archiv Alois Mayer
Der Gründer des Textilhauses Peter Groß mit Ehefrau Maria Lauxen und den Söhnen (von links) Hermann, Walter und Gerhard. Foto: Archiv Alois Mayer FOTO: (e_daun )
Daun. Das Textilhaus Groß wird krankheitsbedingt geschlossen. Was Leerstände angeht, steht Daun laut Gewerbeverein aber gut da. Alois Mayer und Helmut Gassen

Daun Am Aschermittwoch ist alles vorbei - für die Freunde des Karnevals, aber leider auch für das Textilhaus Peter Groß in Daun. Das traditionsreiche Bekleidungsgeschäft in der Wirichstraße wird geschlossen, und das zwei Jahre vor dem 100-jährigen Bestehen. "Es fällt mir schon schwer, dieses Geschäft kurz vor dem 100. Geburtstag aus krankheitsbedingten Gründen für immer zu schließen", bedauert die Inhaberin Martina Groß-Thomas.
"Durch all die Jahrzehnte war unser Name ein Begriff für Qualität. Ein treuer Kundenstamm und auch unsere Fachkraft Dorothea Lehnen, die seit 45 Jahren ununterbrochen bei uns Verkäuferin ist, bestätigen dies."
1919 gründeten Peter und Maria Groß ein Geschäft unter dem Namen "Textilien und Bekleidung". Wie damals üblich, gehörten auch Gemischtwaren zum Sortiment. Nach dem Tod ihres Mannes 1931 führte Maria Groß das Geschäft bis 1947. 1948 übernahm Gerhard Groß die Geschäftsführung. 1952 heiratete er Aenne Klein.
Gemeinsam leiteten sie das Geschäft bis 1999. 2001 übernahm, in dritter Generation, die jüngste Tochter Martina Groß-Thomas den Familienbetrieb, den sie 2003 umbauen und modernisieren ließ. Wie es mit den Geschäftsräumen weitergehen wird, ist noch nicht geklärt.
"Wir bedauern natürlich jeden einzelnen Leerstand. Nicht nur mit Blick auf den Branchenmix in der Einkaufsstadt, sondern weil häufig bei den Betroffenen Existenzen, Träume, Erwartungen und Perspektiven verloren gehen", sagt Wolfgang von Wendt, Geschäftsführer des Gewerbe- und Verkehrsvereins (GVV) Daun. Grundsätzlich aber stehe Daun im Vergleich mit Städten vergleichbarer Größe gut da, was die Leerstände angehe. Nur wenige Ladenlokale in der Innenstadt (in der Trierer Straße, in der Linden-, der Burgfried- und der Wirichstraße) stehen leer.
Zudem steht ein ehemaliges Restaurant in der Burgfriedstraße zum Verkauf. "Bedauerlich ist für uns, wenn wir keinen Einfluss auf den Erhalt von Geschäften haben und keine neuen Besetzungen initiieren können. Um so mehr freut uns, wenn Leerstände besetzt werden", sagt von Wendt.
So geschehen im vergangenen Dezember: Da haben in der Burgfriedstraße und der Leopoldstraße zwei neue Geschäfte ihre Pforten geöffnet und beide bieten Handys und Telefone an.
Holger Lorsy aus Gondelsheim, der wie schon länger in Prüm, nun auch in Daun neben Telekommunkationsware Zweite-Wahl-Elektrogeräte anbietet, wusste nicht, dass er zum Zeitpunkt seiner Eröffnung sich ein Konkurrent in der Leopoldstraße ansiedelt. Für ihn aber kein Grund zur Beunruhigung.
Mustafa Fener hat schon vor fünf Jahren seinen ersten Telekomunikationsladen in der Hauptstraße von Gerolstein eröffnet und seit Ende 2016 auch eine Filiale in der Dauner Leopoldstraße. Das gleichzeitig ein zweiter Handyladen in Daun eröffnet wurde, wusste auch er nicht.
Bedenken hat er deswegen nicht: "Das ist sogar gut, denn Konkurrenz belebt das Geschäft."GESCHICHTE DES HAUSES


Extra

Das Haus selbst gehört mit zu den ältesten Bauten der Stadt Daun. Mit seinen wuchtigen bis zu 1,20 Meter dicken Wänden aus Bruchsteinen wurde es noch unter Napoleon erbaut. Zur Preußenzeit war in ihm anfänglich die Post untergebracht. Weitere Räume standen ab 1909 für eine "Nähschule" der Dauner Krankenhausschwestern für schulentlassene Mädchen sowie einer "Kinderverwahrschule" zur Verfügung, bis diese 1919 ins Haus Toni Schneider (heute Friseursalon Reuter) in der Friedhofstraße wechselte. Von 1914 bis zur Geschäftsgründung 1919 fungierte das Haus als "Pension Groß".