Trotz Hebammenzentrale in Daun: Thema Geburtshilfe ist in der Vulkaneifel weiter aktuell 

Vulkaneifel will sich in Sachen Geburtshilfe nicht abhängen lassen : Trotz Einrichtung einer Hebammenzentrale: Das Thema Geburtshilfe ist weiter aktuell 

Am Freitag wird die Hebammenzentrale Vulkaneifel eröffnet, nicht nur mit Politprominenz, sondern – so hofft die Kreisverwaltung – mit „viel Volk“. Auch im Kelberger Ortsteil Zermüllen ist eine Beratungsstelle gestartet.

Es soll gar nicht erst missverstanden werden: „Auch wenn wir nach nicht einmal acht Wochen seit dem entsprechenden Kreistagsbeschluss eine Hebammenzentrale eröffnen, ist das Thema Geburtshilfe für uns nicht vom Tisch“, betont Dieter Schmitz, der bei der Kreisverwaltung Vulkaneifel zuständige Abteilungsleiter für die Strukturentwicklung.

„Aber das dürfte eine längerfristige Perspektive sein. Wir müssen für die Schwangeren und Gebärenden jedoch auch eine sofortige Unterstützung bieten.“ Auf keinen Fall soll mit der Hebammenzentrale, die nun mit dem DRK zunächst in der Dauner Leopoldstraße und folgend auch in der Gerolsteiner Hauptstraßenpassage neben der Kreissparkasse eröffnet wird, das Signal gesendet werden, man behelfe sich auf dem Land ohne die notwendigen Veränderungen der Rahmenbedingungen auch so.

Dafür steht Engagement etwa seitens des Vereins „Bürger für Bürger“. Er will, wie er mitteilt, die „Gewährleistung einer Klinischen Geburtshilfe in der Vulkaneifel in Form einer Hauptabteilung bis zum 1. Januar 2020 und ihre nachhaltige Sicherung durch bürgerschaftliche Verankerung“.

Das Besondere sei „auf dem Weg dorthin ist das gemeinsame Wirken aller Institutionen und Personen, die zu einer Lösung beitragen können – und dies auf Augenhöhe: Hebammen, Gynäkologen, Kinderärzte, Kreissparkasse Vulkaneifel, Volksbank RheinAhrEifel, Verbandsgemeinde-Bürgermeister der Region, Landkreis und Landrat, Interessengemeinschaft Geburtshilfe Vulkaneifel und viele mehr.“ Zur Koordination übernehme der Verein für die Dauer des Prozesses die Aufgabe einer Rückgratorganisation.

Auch Dieter Schmitz ist überzeugt: „Der Anspruch auf gleichwertige Lebensverhältnisse wird weiter aufrechterhalten, der Druck ist nicht raus.“

Jedoch sei es wichtig gewesen, die Hebammen in der Vulkaneifel zu halten und zu verhindern, dass sie abwandern in die Nähe der verbliebenen Geburtskliniken. Dies hatte unter anderem der rheinland-pfälzische Hebammenverband befürchtet, der Pate stand beim Konzept des neuen Zentrums. „Nun können sie vor Ort beruflich tätig bleiben. Andernfalls wäre es noch schwieriger, den Wiederaufbau einer Geburtshilfe in der Region im Auge zu behalten, denn Personal, das einmal verloren ist, bleibt auch weg. So haben wir aus der Not erstmal das Beste gemacht und noch etwas draufgesetzt.“

Vom Maria-Hilf-Krankenhaus konnte Inventar übernommen werden wie  Liegen oder Stillstühle. Aus Kreismitteln wurden die einmaligen Einrichtungskosten von 15 000 Euro gestemmt, zudem zahlt er die laufenden Personalkosten für zwei Teilzeitjobs für Hebammen. Das Land fördert – auf drei Jahre beschränkt – mit 25 000 Euro pro Jahr. Das DRK übernimmt den Verwaltungsaufwand und stellt die Räume.  Ab dem 13. Mai leistet die Hebammenzentrale Telefonsprechstunde und Mütterberatung in Einzelgesprächen, Vorsorgeuntersuchungen, Wundversorgung nach der Geburt, Hilfen beim Stillen, Ernährungsberatung, Wiege- und Messtage für Neugeborene und eine Wochenbettambulanz. Auch zahlreiche Kurse werden angeboten: Geburtsvorbereitung, Rückbildung, Babymassage, Yoga für Schwangere, Partnerkurse und andere mehr. Schwangere bekommen dank entsprechender Software alle notwendigen Informationen über Leistungsanbieter in ihrer Nähe.

In der Heupenmühle in Kelberg-Zermüllen ist ebenfalls eine Anlaufstelle samt offenem Elterncafé entstanden, die vormittags Säuglingssprechstunde bietet und darüber hinaus verschiedene Kurse.

Initiiert und getragen wird die Einrichtung von einem Dauner Kinderarzt: „Es ist quasi ein ausgelagerter Teil meiner Praxis mit vier Hebammen in Teilzeit, komplementär zur Hebammenzentrale beim DRK“, sagt Reinhold Jansen, „wir stehen nicht in Konkurrenz.“

Er hofft, dass aus seinem nicht gewinnorientierten Modell ein Verein werden kann, der es dauerhaft trägt. Wegen der geografischen Nähe erwartet Jansen vor allem Synergien mit der Geburtshilfe am Mayener Krankenhaus. „Für eine dort geplante Entbindung kann hier die Anamnese gemacht werden, die Akupunktur zur Geburtsvorbereitung und anderes mehr.“ Auch werde es von der Heupenmühle aus Kreißsaal-Begehungen in Mayen geben.

Zur Eröffnung der Hebammenzentrale in Daun am Freitag, 10. Mai, um 16 Uhr wird auch die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) erwartet. Die Bevölkerung ist eingeladen; für begleitende Kinder gibt es einen Spielparcours.

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