Trügerische Idylle

DAUN. Einige Anlieger der Alten Poststraße in Daun fühlen sich verschaukelt. Ende Januar wurde beidseits der Straße ein absolutes Halteverbot verfügt. Die Anwohner beklagen jetzt fehlende Parkmöglichkeiten.

Eine Straße ohne Autos entlang der Fahrbahn. Was so idyllischaussieht, bereitet einigen Anwohnern der Alten Poststraße in Daunseit Ende Januar Probleme und eine Menge Ärger. "Es istunmöglich, die Straße links und rechts mit einem Halteverbot zubelegen", erzürnen sie sich. Denn in der Praxis heißt das: DieLeute dürfen ihre Autos nicht mehr vor der Haustür abstellen.Theoretisch dürfen sie auch ihre Einkäufe nicht mehr vor dem Hausausladen, der Lieferant von Tiefkühl-Lebensmitteln oder diePaketpost dürfen nicht halten. Theoretisch. In der Praxis jedochwurde das Kurzzeit-Halten erlaubt - in den Augen einiger Anwohner"ein Widerspruch zu den angebrachten Verbots-Schildern". Vorschlag für Parkbuchten zurückgewiesen

Ende Januar wurde das Halteverbot zwischen Einmündung Maria-Hilf- und Friedensstraße angeordnet, nachdem die Verbandsgemeindeverwaltung Daun "über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr" (Pressereferent Gerd Becker) mehrfach - auch von Anwohnern - darauf hingewiesen worden war, dass die Durchfahrt in der Alten Poststraße teilweise unmöglich sei. Müllabfuhr und Winterdienst seien behindert, der Einsatz von Feuerwehr und Rettungsdienst erschwert.

Die Sicht einiger Anwohner klingt anders: "Was über Jahrzehnte hinweg funktioniert hat, soll auf einmal nicht mehr möglich sein?", sprechen sie der neuen Vorschrift den Sinn ab. "Es gibt andere Straßen, die sind auch nicht breiter, zum Beispiel die Tiergarten- oder Prümer Straße."

Wenn schon eine Änderung der Verhältnisse erwogen werde, so halten die Anlieger weniger radikale Lösungen für praktikabler. In einer Unterschriftenaktion, die von 42 Anwohnern unterzeichnet wurde, und im Rahmen eines Ortstermins haben sie Ende Januar den Vorschlag gemacht, das absolute Halteverbot zugunsten eines eingeschränkten Verbots aufzuheben und Parkbuchten zum Parken auf dem Bordstein einzurichten. Außerdem plädieren sie dafür, ab der Ecke Reiffenbergstraße die Poststraße bis Einmündung Friedensstraße als Einbahnstraße auszuweisen.

Verwaltung: Einbahnstraße keine Alternative

Laut Becker wurde die Möglichkeit eines eingeschränkten Halteverbots in die Prüfung einbezogen, wegen des gesetzlichen Halteverbots aufgrund der Straßenbreite jedoch fallen gelassen. Hintergrund: Messungen haben ergeben, dass die Straßenbreite in der Alten Poststraße gemäß Gesetz als Engstelle zu bewerten ist, was ein Halte- und Parkverbot auch ohne gesonderte Beschilderung nach sich zieht (siehe Extra).

Ebenso überlegt, jedoch aus den genannten Gründen verworfen, wurde die Einbahnstraßenlösung. Auch Parkbuchten sind laut Becker nicht möglich: "Der nur einseitig vorhandene Gehweg hat eine Breite von maximal 1,40 Meter. Er reicht gerade für den reinen Fußgängerverkehr. Nach den straßenbautechnischen Regelwerken wird eine Mindestbreite von 1,50 bis 2,50 Metern gefordert", sagt er. Ein Teil der Anwohner sieht das anders: "Das funktioniert. Wir haben teilweise 35 Jahre auf dem Bordstein geparkt. Sowohl Kinderwagen als auch Rollstühle passen auf dem Bürgersteig vorbei."

Jenssen gegen vollständiges HalteverbotDie Parksituation inder Alten Poststraße ist auch Thema in der heutigenStadtratssitzung (17 Uhr, Forum Daun). Mit dem Thema hatte sicham 20. Februar bereits der Haupt- und Finanzausschuss befasst."Er war der Meinung, dass ein absolutes Halteverbot an manchenStellen einzusehen ist, nicht aber entlang fast der gesamtenStraße", erklärt Stadtbürgermeister Wolfgang Jenssen aufTV-Anfrage. Wegen des absoluten Halteverbots stellen mancheAnwohner ihre Autos in der Friedensstraße ab, andere in derReiffenbergstraße, wieder andere an der Tennisanlage an derMaria-Hilf-Straße - solange die Saison noch nicht begonnen hat.Aber was, wenn Besuch kommt? "Hier leben viele Leute, die über 80Jahre alt sind. Sie sind auf Besuch, zum Beispiel ihrer Kinderoder Enkel, angewiesen. Sie kommen aber nicht, wenn sie nirgendsparken können", heißt es aus der Anliegerschaft. Aus Sichteiniger Anwohner lässt auch die Informationspolitik zu wünschenübrig: "Kein Anlieger hat eine Aufforderung bekommen." Beckersagt, dass eine vorherige Information oder Beteiligung derAnlieger gesetzlich nicht vorgesehen ist. Außerdem sei bekanntgewesen, dass ein Teil der Anlieger ein Halteverbot fordert undandere dem Vorhaben ablehnend gegenüber standen.